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App „Uber“ : Der nächste Angriff auf die Taxis

Taxifahrer rebellieren gegen die App Uber. Sie vermittelt private Fahrer. Bild: dpa

Die amerikanische App „Uber“ lässt sich von dem Widerstand der Taxifahrer nicht irritieren. Jetzt vermittelt sie auch in Frankfurt für günstiges Geld Kunden an private Fahrer. Ärger ist programmiert.

          Die amerikanische App „Uber“ lässt sich vom Widerstand der Taxifahrer nicht irritieren und expandiert weiter: Nach Berlin und München geht der Dienst an diesem Mittwoch auch in Frankfurt an den Start, wie das Unternehmen gegenüber FAZ.NET bestätigte. Mit Hamburg, Düsseldorf und Köln sollen bald drei weitere Städte in Deutschland folgen, sagte Patrick Studener, der für die Einführung in Deutschland zuständig ist. Weitere deutsche Großstädte wie etwa Dortmund sind bereits angedacht.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Das Start-up aus San Francisco wird in Frankfurt gleichzeitig den Mitfahrdienst „Uber Pop” und den Chauffeur-Dienst „Uber Black” starten – und damit den ansässigen Taxifahrern gehörig Konkurrenz machen. „Das ist geschäftsschädigend, wir werden uns dagegen wehren“, sagte Ragip Mandali von der Taxivereinigung Frankfurt. Über den Mitfahrdienst vermittelt Uber private Fahrer, die - ähnlich wie ein Taxi - Fahrgäste in der Stadt aufnehmen. Dazu wählt der Kunde sich einfach in die App ein und kann dort sehen, wie weit das nächste Auto entfernt ist. Die Fahrten sollen zudem deutlich günstiger sein als mit einem normalen Taxi, der Betrag wird über die App automatisch von der Kreditkarte abgebucht. Mit „Uber Black” vermittelt das Start-up außerdem Fahrgäste an private Chauffeur-Dienste.

          40 Prozent unter den Taxi-Preisen

          In Frankfurt sollen die Fahrpreise durchschnittlich 40 Prozent unter den Taxi-Preisen liegen, sagte Studener. In dem Mitfahrdienst kostet eine Fahrt in Frankfurt einen Basispreis von einem Euro, hinzu kommen 25 Cent pro Minute und ein Euro für jeden Kilometer – mindestens werden jedoch vier Euro fällig. Mit wie vielen Fahrern Uber ab Mittwoch in Frankfurt unterwegs ist, will das Unternehmen nicht sagen. „Das Angebot wird nach und nach ausgebaut“, sagte Studener. Als Fahrer können sich Privatleute anbieten, sofern sie einen Führerschein und ein eigenes Auto haben und mindestens 21 Jahre alt sind. Zudem müssen sie ein polizeiliches Führungszeugnis und einen Versicherungsnachweis vorlegen.

          Der Ärger dürfte mit der Ansage von Uber programmiert sein. Denn Personen befördern ohne Personenbeförderungsschein – so geht es nicht, finden die lizensierten Taxifahrer. „Dann weiß niemand mehr, wer die eigenen Kinder oder die Großeltern herumfährt“, sagte Mandali von der Taxivereinigung Frankfurt. Der Verband will zwar nicht gegen Uber klagen, aber an die Behörden appellieren, ihrer Aufsichtspflicht nachzukommen. Auch der hessische Landesverband spricht sich gegen die App aus. Insbesondere „Uber Pop“ sei eindeutig rechtswidrig, sagte der Vorsitzende Thomas Schmidt FAZ.NET.

          Die Taxifahrer sehen ihre Vorrechte gefährdet, und das nicht nur in Frankfurt. In vielen der weltweit 121 Städte, in denen es Uber bislang gibt, gehen die Taxifahrer gegen die neue Konkurrenz vor. In mehreren amerikanischen Städten sowie in Brüssel wurde die App bereits verboten, in Paris sollen Mitglieder von Taxi-Gewerkschaften sogar Fensterscheiben von Uber-Autos eingeworfen und die Reifen zerstochen haben. Auch in Berlin hat ein Taxifahrer eine einstweilige Verfügung gegen „Uber Black“ erwirkt. Durchsetzen will er die Entscheidung jedoch nicht, weil er hohe Schadenersatzforderungen fürchtet, sollte das Unternehmen in der letzten Instanz doch Recht bekommen. Von den Berliner Behörden wird das Angebot ebenfalls bereits geprüft.

          Bei dem Start-up selbst sieht man der Auseinandersetzung nach eigener Aussage gelassen entgegen. „Wir sind eine innovative Plattform, die Fahrer und Fahrgäste zusammenbringt“, sagte Studener. Die derzeitigen Gesetze zum Personentransport seien geschrieben worden „lange bevor es Uber, das Internet und Smartphones gab. Diese Grundlagen sollte man sich jetzt anschauen und wenn nötig den Zeiten anpassen.“ Die Taxifahrer werden alles daran setzen, dass das nicht so einfach passiert. Schon nach dem Start in Berlin hatte der Deutsche Taxi- und Mietwagenverband angekündigt, eine Klage gegen die neuen Apps vorzubereiten. Uber wiederum will, falls nötig, durch alle Instanzen gehen.

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