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Anzeige wegen Insiderhandels Zentralbankchef will Privatgeschäfte aufklären

04.01.2012 ·  Hat der Schweizer Zentralbankchef Hildebrand illegale Insider-Geschäfte betrieben? Ein Kundenberater der Bank Sarasin belastet ihn laut Berichten schwer. Nun will er sich erklären.

Von Jürgen Dunsch, Zürich
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Philipp Hildebrand, der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), will die umstrittenen Devisengeschäfte innerhalb seiner Familie jetzt im Detail erläutern. Er kündigt für diesen Donnerstag eine Pressekonferenz dazu an. Zuvor hatte die „Weltwoche“ in ihrer aktuellen Ausgabe behauptet, nicht Hildebrands Frau Kashya, sondern er persönlich habe Dollar-Käufe getätigt, ehe die SNB am 6. September einen Mindestkurs von 1,20 Franken zum Euro festlegte, was auch den Dollar aufwertete.

Die Käufe beträfen besonders jene 400.000 Franken, die am 15. August getauscht und am 4. Oktober von Dollar in Franken zurückgewechselt wurden. Nach Angaben des Blattes erzielten die Hildebrands dabei einen Gewinn von 75.000 Franken (62.500 Euro). Die „Weltwoche“ beruft sich auf einen Kontoauszug der Bank Sarasin, der die genannte und weitere Transaktionen im vergangenen Jahr eindeutig belege. Auch Hildebrands Frau hatte Zugriff auf das Konto.

Strafanzeige wegen Insiderhandels

Auf Anfrage sagte ein Redaktionssprecher, die Wochenzeitung verfüge zusätzlich über mündliche Informationen aus der Bank, nach denen der SNB-Chef die Aufträge telefonisch erteilt habe. Ein als „Kundenberater“ bezeichneter Mann habe sich wegen Bruchs des Bankgeheimnisses inzwischen selbst angezeigt und gleichzeitig Strafanzeige gegen Hildebrand wegen Insiderhandels gestellt.

Die „Weltwoche“ liegt weitgehend auf der Linie des nationalkonservativen SVP-Spitzenpolitikers und Hildebrand-Gegners Christoph Blocher. Dieser hatte Mitte Dezember die Regierung in Bern über das Sarasin-Konto Hildebrands informiert und dabei offenbar auch Belege vorgelegt.

Bank hat Mitarbeiter fristlos gekündigt

Am Dienstagabend teilte Sarasin mit, ein Mitarbeiter aus der IT-Abteilung habe Unterlagen „unrechtmäßig an externe Dritte weitergegeben“. Es scheint, dass dieser identisch mit dem „Kundenberater“ der „Weltwoche“ ist. Der Mitarbeiter, den offenbar keine finanziellen Interessen bewegten, gab die Unterlagen zunächst einem der SVP nahestehenden Anwalt. Dieser habe dann für den 11. November ein Treffen mit Blocher arrangiert. Laut der Bank Sarasin hat sich der Mitarbeiter am Neujahrstag der Kantonspolizei Zürich gestellt. Ihm wurde daraufhin fristlos gekündigt.

Am 23. Dezember hatte das Aufsichtsgremium der Notenbank die Transaktionen als dem internen Regelwerk entsprechend eingestuft. Am Mittwoch veröffentlichte die SNB das „Reglement über Eigengeschäfte“ der Direktoriumsmitglieder. Sie verbieten Eigengeschäfte „in Kenntnis von geplanten oder beschlossenen Transaktionen der SNB“. Die Finanzierung privater Reisen und persönlicher Nichtfinanzgüter wie Autos und Antiquitäten ist dagegen erlaubt.

Ehefrau: Dollar waren „fast lächerlich billig“

Am Dienstagabend erhielt das Schweizer Fernsehen auch eine Stellungnahme von Kashya Hildebrand. Darin begründet die ehemalige Devisenhändlerin und heutige Galeristin in Zürich den Dollarkauf im August damit, dass die Währung damals „fast lächerlich billig“ war. Sie habe sich mit der Transaktion daher wohl gefühlt. Damit versuchte Kashya Hildebrand offenbar dem Vorwurf von Insiderwissen entgegenzuwirken.

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Jahrgang 1948, Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

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