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Anlagebetrug vermutet Der Millionenschwindel mit dem Kaviar

31.05.2010 ·  Mit falschen Versprechungen soll die Firma „Caviar Creator“ Kleinanleger um einen zweistelligen Millionenbetrag geprellt haben. Nun steht der frühere Chef des Unternehmens in Düsseldorf vor Gericht.

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Gescheiterte Kaviar-Geschäftsidee: Wegen Anlagebetrugs in Millionenhöhe muss sich seit Montag der frühere Chef eines Unternehmens für Störzuchtanlagen vor dem Düsseldorfer Landgericht verantworten.

Mit falschen Versprechungen über hohe Gewinne durch die Produktion Hunderter Tonnen Kaviar in Stör-Farmen weltweit warb seine Firma laut Anklage seit Dezember 2005 rund 18 Millionen Euro von Kleinaktionären ein - obwohl dem 54-Jährigen damals bereits die „sichere Insolvenz“ des Unternehmens klar gewesen sein soll. Mit dem Geld war zunächst die weltweit größte überdachte Störzuchtanlage in Demmin (Mecklenburg-Vorpommern) gebaut worden.

Die Firma „Caviar Creator“ habe sich dann aber nur durch ein Schneeballsystem über Wasser gehalten, sagte Staatsanwältin Stephanie Küpper. Durch das Einwerben frischer Gelder von Anlegern wurden demnach die auflaufenden Verluste der Störzuchtanlage in Demmin aufgefangen. Geködert worden seien Aktionäre mit der Aussicht auf einen bevorstehenden Börsengang sowie übertriebenen Produktions- und Gewinnprognosenn (siehe auch Ein Fonds für die Zucht von Stören).

Die Eier des Störs gelten als die teuersten Eier der Welt. Weil der Beluga-Kaviar in Russland durch Umweltzerstörung und Überfischung immer seltener wird, witterten die Anleger das große Geschäft durch die Zucht.

Die Idee klang verlockend: So hieß es laut Anklage in einem Firmenprospekt von 2006, „Caviar Creator“ plane bis 2011 die Errichtung von zehn Aquafarmen weltweit, unter anderem in Amerika, Russland, Armenien und China. Durch die Produktion von über 300 Tonnen Kaviar sollte demnach ein Gewinn von über 200 Millionen Dollar erzielt werden. Tatsächlich sei dann aber nur in einer einzigen Fischzuchtanlage lediglich eine Tonne produziert worden, sagte Küpper.

Glaubt man der Anklage, hat sich der frühere Chef Frank Schaefer vor allem darauf konzentriert, über raffinierte Telefonakquise durch sogenannte „Opener“
und „Loader“ immer wieder neues Kapital einwerben zu lassen. Ein angeblicher Großanleger entpuppte sich als völlig verarmter Deutscher auf Mallorca. Eine Bank, die das Unterfangen angeblich finanzieren wollte, habe es ebenso wenig gegeben wie Produktionsstandorte in Iran und Armenien. Ein Börsengang sei nie wirklich geplant gewesen. In Briefen an die Anleger seien permanent falsche Angaben gemacht worden.

„Er hat gut gelebt“

Wie viel Geld Schaefer für sich abzweigte, ist laut Staatsanwaltschaft noch unklar. „Aber er hat gut gelebt“, sagte Küpper. Insgesamt erhielt die Firma seit 2002 demnach knapp 50 Millionen Euro durch den vorbörslichen Verkauf von Wertpapieren. Bis auf einen geringen Rest sei alles aufgebraucht. Schaefer war in den Vereinigten Staaten festgenommen und ausgeliefert worden.

Die Verteidigung kündigte an, der Angeklagte werde kein Geständnis abgelegen, da er unschuldig sei. „Er hat die Gelder nicht eingeworben, um sich ein schönes Leben zu machen“, sagte Anwalt Joachim Albert. Kaviar in Störfarmen zu produzieren sei nach wie vor eine „Erfolgsidee“, da die Störbestände weltweit weitgehend abgefischt seien und es kaum noch Wild-Kaviar auf dem Markt gebe. Schaefer habe das ganze Geld über Jahre investiert und nicht rausgeschmissen. Die sechs Jahre währenden Ermittlungen hätten das Geschäft aber massiv behindert.

Frank Schaefer ist bereits wegen Vermögensdelikten vorbestraft. Im April war für die weltweit größte überdachte Anlage zur Zucht von Stören und zur Kaviarproduktion das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Ziel sei es, die Anlage in Demmin als Ganzes zu erhalten und zu verkaufen, hatte Insolvenzverwalter Christian Graf Brockdorff mitgeteilt. Die Arbeiten in der Anlage, in der 200 000 Störe gehalten würden, liefen weiter.

Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt. Bis Ende September sind 24 Verhandlungstage angesetzt.

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