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Anklage wegen Wertpapierbetrugs Deutsche Aufsicht erwägt Schritte gegen Goldman

19.04.2010 ·  Nach der amerikanischen Börsenaufsicht SEC will nun möglicherweise auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin gegen die Bank Goldman Sachs vorgehen. Die SEC hatte die Bank zuvor wegen Wertpapierbetrugs verklagt.

Von Norbert Kuls und Joachim Jahn
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Die Klage der amerikanischen Börsenaufsicht gegen die Bank Goldman Sachs wegen Wertpapierbetrugs schlägt international hohe Wellen. Auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin erwägt ein juristisches Vorgehen gegen Goldman, wie eine Sprecherin dieser Zeitung bestätigte. Dazu bitte sie die amerikanische Aufsichtsbehörde SEC um Auskünfte. Der britische Premierminister Gordon Brown forderte gesonderte Ermittlungen und sprach von einer „moralischen Bankrotterklärung“ der Investmentbanken. Brown sprach sich zudem für eine schärfere Regulierung der Finanzbrache aus.

Die SEC hatte Goldman Sachs, die führende Bank an der Wall Street, wie in einem Teil unserer Ausgabe am Samstag berichtet, wegen Wertpapierbetrugs bei der Vermarktung eines komplexen Pakets aus zweitklassigen Hypothekenanleihen verklagt. Goldman soll seinen Kunden vorenthalten haben, dass der große Hedge-Fonds Paulson & Co., der auf Ausfälle bei Immobiliendarlehen und auf fallende Häuserpreise wettete, an der Auswahl der Anleihen beteiligt war. Die deutsche Mittelstandsbank IKB hatte vor drei Jahren in dieses Finanzkonstrukt, ein sogenanntes CDO, investiert und damit 150 Millionen Dollar verloren.

Aktienkurs abgestürzt

Derartige Produkte, die von der Entwicklung des amerikanischen Häusermarktes abhingen, standen im Zentrum der jüngsten Finanzkrise. Insgesamt belaufen sich die Verluste von Goldman-Kunden, die in das Anleihenpaket investiert hatten, auf mehr als 1 Milliarde Dollar. Die Bank wehrte sich gegen die Vorwürfe und wies darauf hin, mit der fraglichen Transaktion selbst 90 Millionen Dollar verloren zu haben. Zudem seien erfahrene Anleger wie IKB ausführlich informiert worden. „Das mit diesen Wertpapieren verbundene Risiko war diesen Investoren bekannt“, argumentiert Goldman.

Der Aktienkurs von Goldman Sachs war am Freitag um 13 Prozent gefallen. Auch die Aktienkurse anderer Banken, darunter die der Deutschen Bank, gerieten stark unter Druck. Anleger fürchten weitere Klagen der Börsenaufsicht gegen Banken, die ebenfalls in diesem Geschäft tätig waren. Am Freitag warfen Anwälte der holländischen Rabobank der inzwischen zur Bank of America gehörenden Investmentbank Merrill Lynch die „gleiche Art betrügerischen Verhaltens“ bei der Strukturierung einer CDO vor.

Die SEC hatte die Klage gegen Goldman während des Börsenhandels bekanntgegeben und die Bank offenbar vorher nicht darüber informiert. Juristen glauben, dass die SEC mit diesem Überraschungseffekt zusätzlichen Druck ausüben wollte. „Es sieht so aus, als ob die SEC eine Agenda verfolgt, die eigens auf Goldman zielt“, meinte Analyst Chris Kotowski vom Wertpapierhaus Oppenheimer. Der Ruf der SEC als Börsenpolizist hatte zuletzt stark gelitten, nachdem Betrugsfälle zu lasch verfolgt wurden. Erst am Freitag warf ein Prüfungsbericht der Behörde vor, jahrelang Hinweise auf einen Milliardenbetrug des texanischen Finanziers Allen Stanford nicht weiterverfolgt zu haben. Die Klage könnte den Einfluss von Goldman Sachs in der laufenden Regulierungsdiskussion schwächen. „Es untergräbt ihre politische Macht. Ich glaube, derzeit schätzt niemand seine Verbindungen zu Goldman“, sagte Simon Johnson, Professor an der Eliteuni MIT.

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