24.07.2008 · Der Aufsichtsrat des Autozulieferers Continental hat das Übernahmeangebot der Schaeffler-Gruppe zurückgewiesen. Der angebotene Preis sei nicht angemessen. Der Conti-Aufsichtsrat will verhandeln - stellt aber Bedingungen.
Von Johannes RitterDie mit Spannung erwartete Sondersitzung des Aufsichtsrats der Continental AG hat mit einem Ergebnis geendet, das der Schaeffler-Gruppe die Tür für einen „freundlichen“ Einstieg bei dem hannoverschen Automobilzulieferer öffnet. Allerdings müssen die Franken dazu Bedingungen erfüllen, die sie bisher nicht bereit waren zu erfüllen: Sie sollen entweder mehr bezahlen oder sich auf eine Beteiligung unterhalb einer Schwelle beschränken, die ihnen die Kontrollmehrheit in der Hauptversammlung verspricht. Bisher hat Schaeffler darauf bestanden, mehr als 30 Prozent zu übernehmen, während Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer Schaeffler maximal 20 Prozent zubilligen wollte.
„Aufsichtsrat und Vorstand der Continental AG sind nach intensiven Beratungen am Mittwoch in Hannover zu der festen Überzeugung gelangt, dass das angekündigte Übernahmeangebot der Schaeffler-Gruppe das Unternehmen nicht angemessen bewertet und den Unternehmensinteressen nicht gerecht wird“, schreibt Conti in der Mitteilung. Darin betont das Unternehmen, dass „alle Mitglieder“ von Vorstand und Aufsichtsrat die Offerte ablehnten.
„Vorgehensweise des Vorstands in vollem Umfang unterstützt“
Gegen das Angebot hat also auch Conti-Chefaufseher Hubertus von Grünberg votiert, der Sympathien für einen Schulterschluss mit Schaeffler hat. Daher soll es zu Dissonanzen zwischen Grünberg und Wennemer gekommen sein. Der Vorstand hatte sich mit harschen Worten gegen den Angriff der Schaefflers positioniert. Daraufhin hatte Grünberg gewarnt, man dürfe hier keine verbrannte Erde hinterlassen. Nun jedenfalls stellt der Aufsichtsrat „ausdrücklich fest, dass er die Vorgehensweise des Vorstands in vollem Umfang unterstützt“. Dazu gehört auch, ihm freie Hand zu geben bei der Entwicklung wirksamer Abwehrmaßnahmen. Diese werden in der Mitteilung vielsagend als „Handlungsoptionen“ beschrieben, aber auch auf Anfrage nicht näher erläutert. Es dürfte um das übliche Spektrum gehen: von der Einschaltung befreundeter Aktionäre bis hin zu Kapitalmaßnahmen.
Der Aufsichtsrat stärkt dem Vorstand auch bei dessen Ansinnen den Rücken, die rechtliche Wirksamkeit der „Anschleichtechnik“ der Schaefflers, die gesetzliche Meldeschwellen umgangen haben, prüfen zu lassen. Ferner weisen die Kontrolleure und der Vorstand auf die „Steuernachteile und erhöhten Refinanzierungskosten“, die im Falle einer Mehrheitsübernahme durch Schaeffler für Conti zu erwarten seien. Die befürchteten Steuernachteile dürften sich auf die schlechtere Nutzbarkeit von Verlustvorträgen beziehen. Und Contis Refinanzierungskosten dürften wegen der sogenannten Change-of-control-Klausen in den Kreditverträgen mit den Banken steigen.
Conti streckt den Schaefflers die Hand aus
Im zweiten Teil der Mitteilung streckt Conti den Schaefflers freilich die Hand aus: Vorstand und Aufsichtsrat seien der Auffassung, dass eine Einigung mit Schaeffler erstrebenswert sei. Im nächsten Satz schickt Conti die Bedingungen dafür hinterher: „Sollte die Schaeffler-Gruppe bereit sein, entweder über eine angemessene Prämie für Continental-Aktionäre oder über die Begrenzung auf eine für das Unternehmen akzeptable Beteiligungsquote zu verhandeln, hat der Vorstand die Unterstützung des Aufsichtsrats, direkte Verhandlungen mit der Schaeffler-Gruppe aufzunehmen.“ Die Schaeffler-Gruppe teilte daraufhin am Abend mit, man warte darauf, dass Continental die Vorstellungen konkretisiert.
Am Dienstag hatten sich die Conti-Arbeitnehmervertreter gegen die befürchtete Zerschlagung des fünftgrößten Automobilzulieferers der Welt ausgesprochen. Schaeffler hatte daraufhin bekräftigt, den Dax-Konzern nicht aufspalten zu wollen. „Wir stehen zu unseren bereits mehrfach gemachten Zusagen: Continental soll als Ganzes bestehen bleiben“, erklärte der Vorsitzende der Geschäftsleitung, Jürgen Geißinger. Conti solle als „eigenständiger, börsennotierter Konzern mit Sitz in Hannover, selbstverständlich auch künftig mit einem mitbestimmten Aufsichtsrat“ bestehen bleiben. „Zur Verlagerung oder einem Abbau von Arbeitsplätzen wird es in Folge des Angebots nicht kommen.“ Der niedersächsische IG Metall-Bezirksleiter und Conti-Aufsichtsrat Hartmut Meine forderte dazu schriftliche Garantien von Schaeffler. Mündliche Absichtserklärungen reichten an dieser Stelle nicht aus, notwendig seien Verträge, deren Einhaltung nachprüfbar sei.
Unterdessen hat der Autobauer Volkswagen die fränkische Schaeffler-Gruppe abermals vor einer langen Übernahmeschlacht um Continental gewarnt. VW sei als größter Kunde beider Unternehmen an einer raschen Einigung interessiert, sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch am Mittwoch. VW verfolge eigene strategische Projekte, die nicht gefährdet werden dürften. Auf die Frage, ob VW eine Zerschlagung von Conti unterstützen würde, antwortete Pötsch: VW wolle nichts sehen, was möglicherweise ein Risiko für die Lieferbeziehungen schaffen würde.
| Name | Kurs | Prozent |
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| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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