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Amerikas Konzerne Das Geld lagert im Ausland

 ·  Unternehmen wie Apple oder Microsoft haben den größten Teil ihrer Barbestände außerhalb der Heimat. Eine Rückführung würde hohe Steuern verursachen. Das beeinflusst die Investitionen.

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Amerikanische Unternehmen können sich derzeit bei allen Sorgen um eine wirtschaftliche Eintrübung über eines nicht beschweren: einen Mangel an Bargeld. Howard Schultz, der Vorstandsvorsitzende der Kaffeekette Starbucks, klagte in der vergangenen Woche in einem viel beachteten Brief darüber, dass sich in den Kassen amerikanischer Unternehmen Rekordbeträge angesammelt haben, die nicht für Investitionen genutzt werden. Die Wirtschaft sei „festgefroren in einem Zyklus von Angst und Unsicherheit“, und Unternehmen schreckten vor Neueinstellungen zurück. Er versprach, bei Starbucks Personal anzuheuern und forderte andere amerikanische Wirtschaftslenker auf, es ihm gleich zu tun.

Es sind indessen nicht nur die Sorgen um die allgemeine Wirtschaftslage, die amerikanische Unternehmen davon abhalten, in ihrer Heimat zu investieren. Viele Unternehmen haben einen großen Teil ihrer Barvorräte bei ausländischen Tochtergesellschaften geparkt, und sie haben wenig Anreiz, das Geld nach Amerika zu bringen. Denn im Falle einer Rückführung würden Steuern von bis zu 35 Prozent fällig. Es geht um gewaltige Beträge: Nach einer kürzlich veröffentlichten Studie der Ratingagentur Moody's hatten amerikanische Unternehmen Ende vergangenen Jahres fast die Hälfte ihrer gesamten liquiden Mittel von 1,24 Billionen Dollar im Ausland. Vor allem in der Technologieindustrie ist der Auslandsanteil hoch. Ein Beispiel ist der Elektronikkonzern Apple, der Liquiditätskrösus der Branche. Apple meldete für das Ende seines jüngsten Geschäftsquartals Barmittel von 76,2 Milliarden Dollar. Davon befanden sich 47,6 Milliarden Dollar oder 62 Prozent im Ausland. Der Softwarespezialist Microsoft hatte von seinen Barvorräten (52,8 Milliarden Dollar) sogar 85 Prozent im Ausland, beim Netzwerkausrüster Cisco (43,4 Milliarden Dollar) waren es fast 90 Prozent, der Softwareanbieter Oracle (28,8 Milliarden Dollar) kam auf 71 Prozent.

„Tax Holiday“

Für Unternehmen wie diese gibt es jenseits der abschreckenden Rückführungssteuer freilich auch wirtschaftliche Gründe, über ein Liquiditätspolster im Ausland zu verfügen. Sie sind global aufgestellt und haben entsprechend auch außerhalb der Vereinigten Staaten Verwendung für ihre Mittel. Gleichwohl macht der Steuereffekt Investitionen im Ausland noch einmal zusätzlich attraktiv. Der Technologiekonzern Hewlett-Packard (HP) wird die gerade vereinbarte Übernahme des britischen Softwarehauses Autonomy, die rund 10 Milliarden Dollar kostet, nach eigener Aussage neben Krediten auch mit Barmitteln seiner Auslandsgesellschaften bezahlen. Microsoft hat beim Aushandeln der 8,5 Milliarden Dollar teuren Übernahme des Telefondienstes Skype im Frühjahr sicher ins Kalkül aufgenommen, dass die Gesellschaft ihren Sitz in Luxemburg hat. Nach einer Analyse der Nachrichtenagentur Bloomberg Businessweek haben amerikanische Unternehmen in den ersten sieben Monaten dieses Jahres 174 Milliarden Dollar für Akquisitionen im Ausland bezahlt, fast so viel wie im Gesamtjahr 2010.

© reuters Vergrößern Google kauft Motorola

Den Unternehmen wäre es freilich am liebsten, sie könnten ihre Investitionsentscheidungen unbelastet von diesen Steuerüberlegungen treffen. Viele prominente Konzerne, darunter Apple, Cisco, Microsoft und auch Gesellschaften außerhalb der Technologiebranche wie General Electric, bedrängen daher die Politik, die Rückführungssteuer vorübergehend in einem „Tax Holiday“ auszusetzen oder drastisch zu reduzieren. Dies ist auch nicht ohne Beispiel: Im Jahr 2004 wurde die Steuer unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush schon einmal zwischenzeitlich von 35 auf 5,25 Prozent gesenkt. Die Unternehmen argumentieren, eine Steuerpause würde eine wahre Flut von Bargeld zurückbringen, das dann auf amerikanischem Boden ausgegeben wird und Arbeitsplätze schafft. Nebenbei würde selbst der stark reduzierte Steuersatz dem Fiskus noch immer stattliche Zusatzeinnahmen bringen. Das alles klingt in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und eines gigantischen Haushaltsdefizits verführerisch, und die Unternehmen haben auch einige Politiker auf ihre Seite gebracht.

300 Milliarden Dollar zurückgeholt

Allerdings ist die Rechnung nicht so einfach, und der Erfolg des Steuermanövers aus der Bush-Ära ist umstritten: Nach einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie dreier Professoren prominenter amerikanischer Universitäten haben Unternehmen den letzten „Tax Holiday“ zwar weidlich genutzt: So holten sie in dem Pausenjahr fast 300 Milliarden Dollar nach Amerika zurück, in den vier Jahren zuvor waren es im Schnitt 62 Milliarden Dollar. Allerdings wurde das Geld nicht in erster Linie in Investitionen gesteckt, sondern floss mehrheitlich an die Aktionäre, etwa in Form von Dividenden oder Aktienrückkäufen.

Wie die Autoren der Studie zugeben, mag zwar auch dieses Geld am Ende einen positiven Effekt gehabt haben, etwa indem es für Konsum ausgegeben wurde. Aber ohne Zweifel hat die damalige Steuerpause die in sie gesetzten Hoffnungen verfehlt, direkt Investitionen anzukurbeln. Kritiker argumentieren, eine Steueraussetzung schaffe sogar einen Anreiz für Unternehmen, Investitionen ins Ausland zu verlagern, also genau das Gegenteil des erwünschten Effekts. Denn damit festige sich eine Erwartungshaltung, dass im Ausland angesammeltes Geld irgendwann ohne steuerliche Nachteile zurückgebracht werden könne. Unbenommen von der Debatte um das Für und Wider einer Steuerpause geben manche amerikanische Unternehmen weiterhin Geld auf heimischem Boden aus. So kündigte der Internetkonzern Google vor einer Woche an, den amerikanischen Handyhersteller Motorola Mobility für 12,5 Milliarden Dollar zu kaufen. Freilich hat Google im Vergleich zu einigen anderen Unternehmen einen höheren Teil seiner Barbestände in der Heimat.

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