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Mächtige Gesundheitsallianz : Amerikas Gesundheitssystem vor der Revolution?

Um die Gesundheit der Amerikaner wollen sich künftig auch Amazon und Co. kümmern. Bild: EPA

Amazon, Warren Buffetts Großunternehmen und die größte Bank Amerikas knöpfen sich das Gesundheitswesen vor. Die Anleger reagieren bereits jetzt eindeutig.

          Ein Paukenschlag in Amerika: Drei der größten Konzerne der Vereinigten Staaten haben sich zusammengetan, um die Kosten für die Gesundheitsversorgung ihrer Mitarbeiter und damit auch für das Gesundheitswesen in den Vereinigten Staaten zu reduzieren. Der Online-Händler Amazon, die vom berühmten Investor Warren Buffett geführte Holding-Gesellschaft Berkshire Hathaway und Amerikas größte Bank JP Morgan haben angekündigt, ein neues unabhängiges Unternehmen zu gründen, das auf Gesundheitsleistungen für ihre amerikanischen Belegschaften spezialisiert sein soll.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Hanna Decker

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Diese Konzerne beschäftigen Hunderttausende von Menschen in ihrem Heimatmarkt. Die Nachricht sorgt allein schon wegen des Kalibers der beteiligten Unternehmen für Aufsehen, auch wenn es noch nicht allzu viele Details gibt. Es hieß, das neue Unternehmen solle von „Anreizen und Zwängen, Gewinne zu erzielen“, befreit sein. Sein Schwerpunkt solle zunächst auf „Technologielösungen“ liegen, die „vereinfachte, qualitativ hochwertige und transparente Gesundheitsversorgung zu vernünftigen Kosten“ gewährleisten.

          Offen blieb, wie viel die Unternehmen in dieses Projekt investieren und ob sie diese Allianz womöglich ausweiten wollen. In der Mitteilung hieß es, die Initiative sei „in ihren frühen Planungsphasen“. Drei Topmanager sollen die Leitung des neuen Unternehmens übernehmen: Todd Combs von Berkshire, Marvelle Sullivan Berchtold von JP Morgan und Beth Galetti von Amazon.

          „Die steigenden Kosten der Gesundheitsversorgung sind für die amerikanische Wirtschaft wie ein hungriger Bandwurm“, sagte Buffett in einem Statement. „Wir haben keine Antworten auf dieses Problem. Aber wir akzeptieren nicht, dass es unlösbar ist.“

          Das heutige Gesundheitssystem sei komplex, wird Amazon-Chef Jeff Bezos zitiert. „Aber so hart die Herausforderung auch werden wird: die Last der Gesundheitsversorgung für die Wirtschaft zu reduzieren, und gleichzeitig die Ergebnisse für Angestellte und deren Familien zu verbessern – das wäre es wert.“ Ziel sei es, dass schließlich alle Amerikaner profitierten, sagte JP-Morgan-Chef Jamie Dimon.

          Schockwellen an der Börse

          Auch wenn die Ankündigung nicht allzu konkret war, löste sie an der Börse Schockwellen aus. Die Aktienkurse einer ganzen Reihe von Unternehmen aus dem Gesundheitsmarkt fielen am Dienstag deutlich. Besonders hart traf es mit einem Kursrückgang von mehr als 8 Prozent „Express Scripts“, einen Pharmadienstleister oder „Pharmacy Benefit Manager“ (PBM), der als Mittler zwischen Arzneimittelherstellern und Großkunden wie Unternehmen fungiert.

          Offenbar weckt die jetzt verkündete Allianz Sorgen, dass sie das Geschäft solcher Dienstleister bedrohen könnte. Auch der Aktienkurs von „CVS Health“, einer Drogerie- und Apothekenkette, die zuletzt ihr Geschäft als Pharmacy Benefit Manager ausgebaut hat, sank um beinahe 6 Prozent. Kursverluste gab es auch bei Krankenversicherern wie „Aetna“ oder „United Health“.

          Das neue Gesundheitsbündnis kommt zu einer Zeit, in der ohnehin schon über ein verstärktes Engagement von Amazon in dem Markt spekuliert wird. So gibt es Gerüchte, dass der Online-Händler in das Geschäft mit dem Vertrieb verschreibungspflichtiger Medikamente einsteigen will. Die kürzlich verkündete Großfusion von CVS und Aetna wurde von manchen Beobachtern als Defensivmanöver mit Blick auf Amazon gewertet.

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