04.09.2007 · Wochenlange Turbulenzen an den Finanzmärkten - kann da die Deutsche Bank spurlos davonkommen? Nein, so hat ihr Vorstandsvorsitzender jetzt zugegeben und erstmals Details genannt. In der gesamten Branche sei nun „Selbstkritik“ angebracht, sagte Ackermann.
Die wochenlangen Turbulenzen an den Finanzmärkten gehen auch an der Deutschen Bank nicht spurlos vorüber. Zwar sei die größte deutsche Bank auch mit Blick auf den August mit der Entwicklung ihrer „stabilen Geschäftsfelder zufrieden“, wie Vorstandschef Josef Ackermann am Dienstag in Frankfurt sagte.
„Gleichwohl kann es nicht überraschen, dass die Marktturbulenzen im Monat August auch die Deutsche Bank beeinträchtigt haben.“ Inzwischen zeichne sich eine Stabilisierung der Märkte ab, die Erholung werde aber noch eine Weile brauchen.
„Ein bisschen Selbstkritik“
Ackermann mahnte die Kreditinstitute zu mehr Risikobewusstsein. „Beim Versuch, die Profitabilität zu erhöhen, haben manche eine ganz einfache Regel vergessen: Dass höhere Rendite auch höhere Risiken birgt.“ In Deutschland waren im Strudel der amerikanischen Immobilienkrise die Mittelstandsbank und die Sachsen LB in Schieflage geraten. Nun sei in der Branche „ein bisschen Selbstkritik“ angebracht, sagte Ackermann - dabei schließe er auch die Deutsche Bank mit ein.
Für Deutschlands größte Bank sei er aber weiterhin optimistisch: „Wir sind sehr zuversichtlich, dass unser Geschäftsmodell und das Risikomanagement hervorragend sind.“ Die Deutsche Bank sei keinem Risiko einer weiteren Verschlechterung bei zweitklassigen amerikanische Hypothekenkrediten (Subprime) ausgesetzt. Aktuell sei die Bank mit 32 Milliarden Euro in Zweckgesellschaften (Conduits) engagiert. Die Kreditzusagen bei der Finanzierung von Übernahmen durch Private-Equity-Gesellschaften (Leveraged Finance) beliefen sich auf 29 Milliarden Euro.
„Es gibt auch Möglichkeiten der Kooperation“
„Banken müssen ihre Gläubiger über ihre eigenen Risikopositionen besser informieren“, forderte Ackermann bei einer Bankentagung. Zudem müssten Banken und Aufsichtsbehörden enger zusammenarbeiten, um Risiken transparenter zu machen. Auch die Kräfte in der deutschen Bankenbranche sollten nach seiner Ansicht gebündelt werden: „Man muss nicht über Fusionen sprechen, es gibt auch Möglichkeiten der Kooperation.“ Ackermann betonte: „Gerade in Deutschland haben wir einen sehr hohen Anteil an relativ kleinen Banken in einem fragmentierten Markt. Das ist sicher der Grund, warum wir hier mehr Schwierigkeiten haben.“
In den Fällen von IKB und Sachsen LB lobte Ackermann das schnelle gemeinsame Handeln aller Beteiligten. Die IKB war mit Hilfe einer Milliardenspritze von einem Bankenpool gerettet worden. Die wegen der amerikanischen Hypothekenkrise in Schieflage geratene Sächsische Landesbank war in einer Blitzaktion an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) verkauft worden. Damit sei der deutsche Markt „vor größten Problemen bewahrt“ worden, sagte Ackermann. Auch die Zentralbanken hätten mit den zusätzlichen Milliarden, die sie dem Markt zur Verfügung stellten, zur Beruhigung der Lage beigetragen.
Steinbrück fordert Konsolidierung des Landesbankensektors
Vor dem Hintergrund der Krise geht auch die Debatte um die Zukunft der WestLB weiter. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat am Dienstag eine schnelle Konsolidierung des Landesbankensektors angemahnt. Gleichzeitig sprach sich Steinbrück für den Schutz der deutschen Kreditwirtschaft vor feindlichen Übernahmen aus. Die jüngste Bankenkrise trage zu der unvermeidbaren Konsolidierung des Landesbankensektors bei, sagte Steinbrück.
Aus seiner Sicht sei dies unter anderem notwendig, weil die deutschen Unternehmen mehr als ein oder zwei international leistungsfähig aufgestellte Banken bräuchten. Auch müsse die damit eng verbundene Frage beantwortet werden, wie die deutsche Kreditwirtschaft vor feindlichen Übernahmen zum Beispiel durch große Hedge-Fonds geschützt werden könne, sagte Steinbrück. Solch ein Szenario sei seit den Vorgängen um die niederländische Bank ABN-Amro „alles andere als unrealistisch“.
Angesichts landespolitischer Differenzen über die Zukunft der Landesbanken warnte Steinbrück davor, die notwendigen Entscheidungen auf die lange Bank zu schieben. „Die Chance zur Bündelung der Kräfte im Landesbankenbereich sollte jetzt entschlossen genutzt werden“, sagte der Minister. Dabei müsse klar sein, dass Größe alleine noch keine Erfolgsgarantie ist. Ein funktionsfähiges und schlüssiges Geschäftsmodell müsse auch „die weltweite Begleitung deutscher Unternehmen mit einem leistungsfähigen Auslandsnetz“ beinhalten.
Et tu, Joe Ackermann?
Fionn Huber (fionn)
- 04.09.2007, 19:25 Uhr
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