20.03.2006 · Die Welle der Fusionen und Übernahmen trifft nun auch die Assekuranz. In Großbritannien ist eine Übernahmeschlacht um Prudential entbrannt. Ein neuer Konzern könnte es mit der Allianz und der französischen Axa aufnehmen.
Die Welle der Fusionen und Übernahmen trifft nun auch die Assekuranz. In Großbritannien ist eine Übernahmeschlacht um Prudential entbrannt. Zudem interessiert sich der amerikanische Versicherer St. Pauls Travelers für die Schweizer Zurich Financial Services. Inzwischen berichten britische Zeitungen, Allianz und AIG, der weltweit größte Versicherungskonzern aus Amerika, erwögen Gegenangebote an Prudential.
Der größte britische Versicherer Aviva hat bestätigt, den heimischen Konkurrenten Prudential übernehmen zu wollen. Der Kauf solle aber nur weiterverfolgt werden, wenn Prudential seinen Aktionären das Angebot über 16,7 Milliarden Pfund (rund 24,5 Milliarden Euro) empfehle, teilte Aviva am Montag in London mit. Eine Fusion beider Firmen würde den nach Marktwert fünftgrößten Versicherer der Welt schaffen. Prudential hatte das Angebot jedoch schon am Samstag mit der Begründung zurückgewiesen, Avivas Offerte wäre nicht im besten Interesse seiner Aktionäre. „Der Board von Prudential teilt mit, daß es von Aviva einen Vorschlag zu einer Kombination der beiden Unternehmen erhalten hat“, bestätigte Prudential.
Prudential-Aktien stark gefragt
Aviva bietet für je 100 Prudential-Aktien 82 neue eigene Anteilsscheine. Die „Financial Times“ hatte zuvor berichtet, Aviva sei mit einem Angebot an den kleineren Rivalen herangetreten. Prudential ist der zweitgrößte, börsennotierte Lebensversicherer Großbritanniens. Das Unternehmen wird schon länger als wahrscheinliches Übernahmeziel von Aviva gehandelt. Auch der französische AXA-Konzern und der amerikanische Versicherer AIG galten zuletzt als Interessenten. Die Prudential-Aktien stiegen im frühen Handel in London mehr als elf Prozent, Aviva-Aktien verloren dagegen 1,2 Prozent.
Die größte Übernahme der Branche
Ein Zusammenschluß von Aviva und Prudential wäre die größte Übernahme in der Versicherungsbranche und würde einen Konzern formen, der es mit den führenden europäischen Versicherern, der deutschen Allianz und der französischen Axa, aufnehmen könnte. Seit Monaten wird spekuliert, daß Aviva ein Übernahmeangebot für Prudential abgeben könnte, zumal sich beide Konzerne im Auslandsgeschäft ergänzen. Während Aviva in Großbritannien und in Kontinentaleuropa ihre Stärken sieht, verfügt Prudential neben dem Heimatmarkt noch über ein erfolgreiches Geschäft in mehr als zehn asiatischen Ländern und in Amerika.
Der Übernahmepreis von Aviva bewertet Prudential mit 16,7 Milliarden Pfund. Dies wäre nach Berechnungen von Bloomberg ein Übernahmepreis von Faktor 3,08 des Buchwertes. In den vergangenen fünf Jahren lag der durchschnittliche Übernahmepreis für einen Versicherer bei Großtransaktionen bei einem Faktor von 2,43 des Buchwertes. Beide Unternehmen hatten in den vergangenen Wochen einen kräftig gesteigerten Gewinn für das vergangene Jahr vorgelegt. Bei dem Versicherer Prudential, der mehr als 21000 Mitarbeiter beschäftigt und 18 Millionen Kunden zählt, legte der operative Gewinn um 33 Prozent auf 1,7 Milliarden Pfund zu. Der Versicherer Aviva konnte seinen operativen Gewinn im vergangenen Jahr um 29 Prozent auf 2,9 Milliarden Pfund erhöhen. Der Konzern beschäftigt 60000 Mitarbeiter und zählt 30 Millionen Kunden. Britische Analysten hatten in den vergangenen Monaten immer wieder betont, daß eine Kombination beider Versicherer einen großen, global wettbewerbsfähigen Versicherungskonzern schaffen würde, obwohl die relativ geringe Überlappung des Geschäftes beider Unternehmen das Potential der Kostenreduktion eher begrenzen dürfte.
Der Aktienkurs von Prudential schnellte schon am Freitag aufgrund der Übernahmegerüchte um 7,1 Prozent auf 672 Pence je Aktie in die Höhe, obwohl die Übernahmeofferte von Aviva noch nicht offiziell verkündet worden war. Die Londoner Finanzaufsicht, die FSA, hat am Freitag bekanntgegeben, daß bei 28 Prozent der Übernahmen an der Londoner Börse ganz offenbar Insiderhandel am Markt zu verzeichnen sei und daß selbst die im Jahr 2001 eingeführten strengeren Vorschriften gegen Insiderhandel daran kaum etwas geändert hätten - im Gegenteil: der Insiderhandel habe bei Übernahmefällen sogar zugenommen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.375,94 | −1,31% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2424 | −0,52% |
| Rohöl Brent Crude | 104,62 $ | −2,09% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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