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Amazon Web Services : „Jeff Bezos sind Gewinne nicht egal“

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Schöne neue Amazon-Welt: Technik-Vorstand Werner Vogels erklärt, wie der Konzern sensible Kundendaten in der Cloud bewegt Bild: AWS

Amazon ist mehr als nur ein Online-Händler. Im Nebengeschäft mit Cloud Computing ist das Unternehmen genauso aggressiv. Von der NSA-Affäre sieht sich Amazon bisher unberührt: Ein Gespräch mit zwei Managern.

          Rechenzentren sind für Andy Jassy unnötiger Ballast. Er sieht einen Tag kommen, an dem kaum noch ein Unternehmen die Infrastruktur für seine Informationstechnik selbst unterhält. Jassy steht bereit, diese Aufgaben zu übernehmen. Er führt Amazon Web Services (AWS), eine Sparte des amerikanischen Online-Händlers Amazon.com, die auf Angebote rund um das sogenannte „Cloud Computing“ spezialisiert ist.

          Er will Unternehmen und Behörden dazu bringen, ihre Informationstechnik möglichst vollständig in die Cloud auszulagern, also in die Datenwolke des Internet, für die er mit AWS die nötigen Rechnerkapazitäten zur Verfügung stellt. Das soll nach seiner Vorstellung nicht nur etablierte Geschäftsmodelle in der Technologieindustrie aushebeln, sondern auch den eigenen Konzern aufmischen. „AWS kann einmal das größte Geschäft von Amazon werden“, sagt Jassy im Gespräch mit dieser Zeitung.

          Im Geschäft sei kein „Snowden-Effekt“ zu spüren gewesen

          Es ist eine kühne Prognose, denn bislang ist die Cloud-Sparte neben dem Hauptgeschäft von Amazon im Online-Handel noch winzig. Und es klingt umso ambitionierter in einer Zeit immer neuer Enthüllungen über die Datensammelwut des amerikanischen Geheimdienstes NSA. Läge nicht die Vermutung nahe, dass Unternehmen im Wissen um die vom früheren Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden publik gemachten Schnüffeleien die Kontrolle über ihre Computersysteme umso enger an sich reißen, anstatt an Auslagern zu denken, noch dazu an einen amerikanischen Anbieter?

          Tatsächlich gibt es Anzeichen dafür, dass die NSA-Affäre Spuren bei Unternehmen hinterlässt. Der amerikanische Netzwerkausrüster Cisco Systems gab vor wenigen Tagen zu, dass die Enthüllungen das Geschäft beeinträchtigen.

          Bild: F.A.Z.

          Das Forschungsinstitut „Information Technology & Innovation Foundation“ sagte im August voraus, dass amerikanischen Cloud-Anbietern durch die Affäre in den nächsten drei Jahren Umsätze in zweistelliger Milliardenhöhe entgehen werden.

          AWS-Chef Jassy schüttelt indessen auf die Frage nach einem „Snowden-Effekt“ den Kopf: „Wir haben davon in unserem Geschäft nichts gespürt. Wir sind in den vergangenen Monaten in allen Regionen so schnell gewachsen wie noch nie zuvor.“ Jassy gibt zu, dass Datensicherheit in manchen europäischen Ländern ein besonders sensibles Gebiet ist: „Das ist hier eine der ersten Fragen von Kunden, aber das ist schon seit Jahren so und nicht erst seit den jüngsten Ereignissen.“

          Deutschland sei ein besonders gutes Pflaster für AWS

          Amazon gewinne trotz der Schlagzeilen zumindest bislang weiter neue Kunden in Europa hinzu. So habe die Hotelgruppe Kempinski erst vor wenigen Monaten angekündigt, ihre gesamte Informationstechnik an AWS auszulagern. Amazon-Technikvorstand Werner Vogels meint, Deutschland sei sogar ein besonders gutes Pflaster für AWS, gerade wegen eines hohen Sicherheitsbewusstseins. Dies habe die Deutschen schneller durchschauen lassen, dass die vermeintliche Unsicherheit der Cloud ein Mythos sei.

          AWS und der Rest von Amazon hantieren mit riesigen Datenmengen ihrer Kunden, sind aber trotzdem im Gegensatz etwa zu Google oder Microsoft bislang nicht direkt in die NSA-Affäre hineingezogen worden. Amazon wurde zum Beispiel in Snowden-Dokumenten nicht als eines der Unternehmen genannt, die in das Spähprogramm Prism eingebunden sein sollen. Vogels sagt: „Ich war froh, dass wir da nicht aufgetaucht sind, aber auch nicht überrascht. Weder Amazon noch AWS sind ein Teil von Prism.“

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