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Das Amazon-Imperium : Wo Zukunft gemacht wird

Die Amazon-Zentrale im Zentrum von Seattle. Die gläserne Kuppel ist Teil des Neubaus „Spheres“. Zum Vergnügen der Mitarbeiter finden sich darin eine Tropenlandschaft und drei Baumhäuser für Meetings. Bild: Amazon

Amazon war einmal ein Buchhändler. Jetzt bringt der Konzern seine Kunden mit Musik, Videos und sprechenden Geräten in einen Kaufrausch. Das muss man gesehen haben. Eine Reise in das Hauptquartier.

          Es gibt Missionen, die sind in der analogen Welt schlicht unerfüllbar. Libellenflügel für ein Kinderkostüm zur Schulaufführung lassen sich außerhalb der Karnevalszeit nicht einmal in einem Einkaufszentrum im Herzen Frankfurts auftreiben. Die Suche danach ist ermüdend, Laden für Laden wird abgeklappert, ohne Erfolg. Dann, im Geschäft eines global agierenden Bekleidungshändlers, kommt der entscheidende Hinweis: „Haben Sie es mal bei Amazon versucht?“, fragt der Verkäufer ungerührt, während er einen Stoß Kinderbrillen in das Regal einräumt. „Ich kaufe inzwischen alles online.“

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Der Ratschlag ist zwar naheliegend, aber irritierend. Was ist das für eine Welt, in der Amazon die letzte Rettung ist – selbst nach Ansicht der Konkurrenz? Für die meisten Kunden ist der Internethändler sogar mehr als das, nämlich die erste Anlaufstelle beim Einkaufen. Selbst frische Lebensmittel gibt es inzwischen von Amazon, kein Wunsch soll unerfüllt bleiben müssen. Für Unternehmen ist der Cloud-Dienst AWS wichtig, dort mieten sie Speicherplatz für ihre Daten.

          Mächtige Konglomerate

          Nun ist Amazon auch noch das Internet zu klein geworden, der Konzern hat gerade den großen Sprung in die analoge Welt gemacht. Mit der 14-Milliarden-Dollar-Übernahme der Bio-Lebensmittelkette Whole Foods breitet sich Amazon auch in den amerikanischen Innenstädten aus. Es ist der größte Deal in der Geschichte des Konzerns. Und was ist das Erste, das ihm in guter alter Amazon-Manier einfällt? Erst einmal die Preise drastisch zu senken, um bis zu 43 Prozent. Die Konkurrenz ist verschreckt, der Kunde entzückt.

          Bild: F.A.Z.

          Genau so ist Amazon zu einem der größten Unternehmen der Welt geworden, so hat Amazon seinen ebenso charismatischen wie rücksichtslosen Gründer Jeff Bezos zu einem der reichsten Menschen der Welt gemacht. Die Internetunternehmen tun gerne so, als würden sie die Welt neu erfinden. Dabei sind auch sie letztlich Konglomerate, wie es früher schon der Mischkonzern General Electric (GE) gewesen ist – nur erheblich mächtiger, weil die Marktkonzentration seit den achtziger Jahren stark zugenommen hat. Bemerkenswert ist, wie die beiden ihre Rollen getauscht haben. Im Jahr seines Börsengangs 1997 war Amazon gerade einmal eine halbe Milliarde Dollar wert. Das wertvollste Unternehmen der Welt war damals GE mit mehr als 202 Milliarden Dollar. Jetzt ist der Internethändler doppelt so groß wie GE. Und das alles innerhalb von nur 20 Jahren.

          Um das zu verstehen, packen wir unsere Koffer und fahren dorthin, wo alles seinen Ursprung nahm und die Amazon-Zentrale steht: nach Seattle an der amerikanischen Westküste. Dorthin hat Amazon eine kleine Gruppe Journalisten aus Europa eingeladen, auch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ist dabei. Man will zeigen, wer man ist und was man kann.

          Früher reduzierte das Unternehmen seine Informationspolitik auf Angebote, Angebote, Angebote. Doch wenn ein Unternehmen so allgegenwärtig ist wie Amazon - und nicht gerade unumstritten -, dann will der Kunde eben auch wissen, wer dahintersteckt.

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