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Alternative Energie Bosch verschiebt Baubeginn für Solarfabrik

06.02.2012 ·  Die Entscheidung über den Neubau soll erst zum Jahresende fallen. Der Konzern leidet unter schwieriger Marktlage, will aber trotzdem am Engagement in der Solarbranche festhalten.

Von Susanne Preuß, Thiemo Heeg
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Die Krise der deutschen Solarindustrie macht auch dem Stuttgarter Bosch-Konzern schwer zu schaffen. Das Unternehmen, das die Photovoltaik zu einem wichtigen Standbein mit 3500 Mitarbeitern gemacht hat, revidiert seine Pläne für eine neue Solarfabrik in Malaysia. Der Baubeginn werde verschoben, sagt Siegfried Dais, der als stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung die Solarsparte verantwortet, in einem Interview mit dieser Zeitung. Grund ist offenbar eine technische Neuorientierung angesichts des Kostendrucks, den die Branche erlebt. "Wenn man zu früh investiert, läuft man Gefahr, sich womöglich auf einen weniger vorteilhaften Technologiepfad festzulegen", erläuterte Dais. Es werde wohl bis Ende des Jahres dauern, bis die Entscheidung falle, entsprechend werde sich der Baubeginn verschieben.

Sein Sonnenstromengagement bereitete dem Technologieunternehmen bislang wenig Anlass zur Freude. Bosch hatte in den vergangenen drei Jahren rund 2 Milliarden Euro in die Solartechnik investiert. 2011 mussten die Stuttgarter rund eine halbe Milliarde Euro abschreiben, 2009 mehr als 400 Millionen Euro. Wie viele kleine Unternehmen leidet auch der Großkonzern unter den derzeit schwierigen Marktbedingungen. Sie sind geprägt von Überkapazitäten, drastisch fallenden Modulpreisen und staatlich geförderten aggressiven chinesischen Anbietern. Da nützt auch die milliardenschwere Einspeisevergütung wenig, mit der alle deutschen Stromverbraucher die Solarindustrie subventionieren.

Preise im vergangenen Jahr abgesackt

Trotzdem will Bosch am Engagement in der Solarbranche festhalten, wie Dais im Interview darlegte. Nach einer Konsolidierungsphase werde es in fünf Jahren noch 20 große Anbieter geben, lautet seine Prognose: "Wo wir in der Rangliste stehen werden, kann ich nicht voraussagen, aber auf alle Fälle wollen wir zu denen gehören, die Gewinne erzielen."

Über Umsätze und Ergebnisse einzelner Geschäftsfelder gibt das Stiftungsunternehmen Bosch keine Auskunft. Das im Jahr 2009 formulierte Ziel, im Jahr 2011 einen Umsatz von 1 Milliarde Euro mit Photovoltaik zu erzielen, sei allerdings nicht erreicht worden, gab Dais zu. Der Umsatz von Bosch Solar sei von 880 auf 800 Millionen Euro geunken. Damit könne Bosch zufrieden sein angesichts der Tatsache, dass die Preise im vergangenen Jahr um 40 Prozent abgesackt seien. "Wir setzen alles daran, die Kosten für die Herstellung monokristalliner Zellen zu senken", sagte Dais. Zudem werde Bosch sich verstärkt mit der Herstellung von Dünnschichtmodulen befassen, die bei Wirkungsgrad und Kosten noch Potential böten.

Schlechte Nachrichten aus der Solarbranche

Für Deutschland, bisher der größte Photovoltaikmarkt, erwartet Dais, dass 2019 die Preisparität zwischen konventionell erzeugtem Strom und Solarstrom erreicht sein werde. Bis dahin werde die Branche noch von der Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz abhängig sein. Mit Blick auf die angestrebte Neuregelung der Einspeisevergütung sagte Dais, er plädiere für kürzere Intervalle bei der Senkung der Vergütung: "So vermeiden wir die Schlussverkaufsstimmung, die bisher vor jedem neuen Stichtag zu einer künstlich angeheizten Nachfrage geführt hat. Für die Industrie hätte das den Vorteil, dass sich der Absatz verstetigt."

Die Verschiebung der Pläne in Malaysia geht einher mit schlechten Nachrichten aus der Solarbranche. Im Dezember hatten mit Solon und Solar Millennium gleich zwei deutsche Firmen Insolvenz beantragt. Der Konzern Q-Cells hatte sich kürzlich in letzter Minute mit seinen Gläubigern auf eine Rettung geeinigt. An der Börse geht es mit Solaraktien bergab; binnen eines Jahres ist der Kurs von Q-Cells um 90 Prozent eingebrochen. Unterdessen läuft die Diskussion über die Einspeisevergütung. Bosch-Chef Fehrenbach warnte, bei einer drastischen Kürzung wäre die Industrie "tot".

Wenig Freude an der Solarenergie

Die Photovoltaik gehört derzeit zu den industriellen Problemkindern in Deutschland. Das mag zunächst nicht glauben, wer auf die exorbitant hohe Nachfrage schaut und sich gleichzeitig über die vielen Milliarden wundert, mit der die Stromverbraucher die Branche subventionieren. Inzwischen aber bereiten Überkapazitäten, sinkende Preise und chinesische Billiganbieter den hiesigen Herstellern mehr als nur Sorgen: Alleine im Dezember mussten zwei deutsche Firmen Insolvenz anmelden. Und auch Bosch hat wenig Freude an der Solarenergie: Alleine 2011 mussten die Stuttgarter rund eine halbe Milliarde Euro für ihre Sparte abschreiben.

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Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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