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Veröffentlicht: 10.11.2012, 09:09 Uhr

Alnatura Ökologisch korrekt zum Erfolg

Alnatura ist einer der erfolgreichsten Biomärkte. Dabei hilft neben nachhaltigen Wirtschaftsprinzipien und Yogakursen für die Mitarbeiter wohl auch das Selbstverständnis der Kunden.

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© ddp images/dapd/Thomas Lohnes Stolz darauf, das nachhaltigste Unternehmen Deutschlands zu sein

Bio ist in. Biologische Produkte machen in Deutschland zwar immer noch weniger als 4 Prozent des Umsatzes im Lebensmitteleinzelhandel aus. Doch der Markt wächst kontinuierlich, und so tummeln sich dort neben kleinen Bioläden auch zunehmend ökologische Supermarktketten. Eine der erfolgreichsten ist Alnatura. Das hessische Unternehmen wird von Eigentümer Götz Rehn, einem ehemaligen Nestlé-Manager, nach anthroposophischen Prinzipien geführt und hat in diesem Jahr abermals seinen Umsatz gesteigert. Alnatura setzte bis zum Ende des Geschäftsjahrs am 30. September netto 516 Millionen Euro um.

Das entspricht, gemessen am Vorjahresergebnis, einem Wachstum von 11 Prozent. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um 9 Prozent auf 1810. Zum Gewinn macht das Unternehmen traditionell keine Angaben. Er sei aber komfortabel, versichert Rehn: „Wir haben ausreichend Saatgut für das kommende Jahr.“ So erfolgreich war Alnatura nicht immer. Der erste Laden eröffnete 1987 in Mannheim. Jahrelang plätscherte das Geschäft vor sich hin. Doch seit sich Biolebensmittel von einer Nische zum gesellschaftlichen Trend gewandelt haben, eröffnet Rehn jedes Jahr mehrere neue Märkte. Selbst im Krisenjahr 2008/9 wies Alnatura zweistellige Wachstumszahlen vor, obwohl der Biomarkt insgesamt stagnierte.

Zu den 70 bestehenden Märkten sollen im kommenden Jahr zehn weitere hinzukommen. Die Hälfte des Umsatzes von Alnatura stammt aus Kooperationen mit Ketten wie DM und Tegut. Mit der Züricher Migros-Genossenschaft hat Alnatura im Sommer den ersten Markt in Zürich eröffnet. Rehn plant weiteres Wachstum auf dem Schweizer Markt, sollte das Experiment erfolgreich verlaufen. Spekulationen, die Zusammenarbeit mit Migros, dessen Genossenschaft gerade den Alnatura-Partner Tegut übernommen hat, könnte mehr werden als eine Kooperation, tritt er allerdings entgegen: „Ich habe keine Pläne, Alnatura zu verkaufen.“

Die Zufriedenheit der Mitarbeiter sei zentral

Das Erfolgsgeheimnis von Alnatura sieht der Gründer in seinem nachhaltigen Wirtschaftsmodell: Parallel zum Expansionskurs unterzieht das Unternehmen die existierenden Geschäfte derzeit einem umfassenden Umbau, um die Energieeffizienz zu verbessern. Die Renovierungen, die nach seiner Auskunft je Geschäft zwischen 200.000 und 400.000 Euro kosten werden, sollen den Energieverbrauch der Märkte um bis zu 30 Prozent senken. „Wir wurden im vergangenen Jahr als das nachhaltigste Unternehmen Deutschlands ausgezeichnet“, sagt Rehn. „Diesem Anspruch wollen wir auch weiterhin gerecht werden.“

Diesen Vorsatz bezieht Rehn auch auf die Mitarbeiterführung. Die Zufriedenheit der Mitarbeiter sei zentral, um dem wirtschaftlichen Ideal des Unternehmens gerecht zu werden. Ist das mehr als nur Weltverbesserungsrhetorik? Immer wieder wird Kritik an den Arbeitsbedingungen und der Entlohnung laut. Wie viele andere Biosupermärkte zahlte auch Alnatura jahrelang keine Tarifgehälter, erst auf öffentlichen Druck hin änderte sich dies vor gut zwei Jahren. Zuletzt beschwerten sich Mitarbeiter einer hessischen Filiale anonym bei einer Lokalzeitung über die Arbeitsbedingungen.

Allerdings hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren dazugelernt und reagierte diesmal sofort: Auf der Internetseite ist zu lesen, man habe mit den betroffenen Mitarbeitern gesprochen und die Probleme ausgeräumt. Die Mitarbeiter hängen aber weiterhin vom guten Willen des Unternehmens ab. Einen Betriebsrat gibt es bisher nur in einer Filiale in Freiburg, der von den dortigen Mitarbeitern gegründet wurde. Eine Sprecherin verweist darauf, dass es allen Mitarbeitern freistehe, ebenfalls einen Betriebsrat zu gründen. Die meisten sähen dazu aber dank des angenehmen Arbeitsklimas und der vielfältigen Angebote außerhalb der Arbeitszeit - etwa Theatergruppen, Weiterbildungsangebote und Yogakurse - keinen Anlass.

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Das scheinen einige Mitarbeiter auch tatsächlich so zu sehen. Ein Filialleiter gerät geradezu ins Schwärmen. Er dürfe zwar eigentlich nicht mit der Presse reden und wolle seinen Namen auch nicht in der Zeitung lesen, sagt er. „Aber die Arbeit bei Alnatura ist das Beste, was mir je passiert ist.“ Man werde als Mensch behandelt, habe Freiheiten in der Gestaltung des Geschäfts und des Arbeitsumfelds. Nachhaltigkeit werde wirklich gelebt, seine Lehrlinge etwa schicke er regelmäßig auf den Biobauernhof. Gar kein Vergleich zu seiner früheren Stelle bei einem herkömmlichen Vollsortimenter.

Auch das Unternehmensmarketing zielt auf die Einheit von Mensch und Natur: Werbegags wie der „Bienenschmaus“ sollen Kunden anregen, Blüten für die von Umweltveränderungen bedrohten Honigbienen auszusäen. Die Qualitätsmanagementabteilung weigert sich schon mal, Tiefkühl-Brokkoli aus Südamerika anzubieten. Manche der so umworbenen Kunden scheinen indes vor allem die Gestaltung der Märkte zu schätzen, die zwar Bio sind, aber nicht so aussehen: Man denke, sagt eine gut gekleidete Kundin vor der Filiale im Frankfurter Westend, beim Anblick des Geschäfts eben an hohe Qualität statt an kratzende Wollpullover.

Quelle: F.A.Z.

 

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