Home
http://www.faz.net/-gqe-74c4j
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 13.11.2012, 17:33 Uhr

Alfred Neven DuMont Kölner Patriarch

Alfred Neven DuMont lässt von der „Frankfurter Rundschau“ ab. Das ist auch ein Verlust für den 85 Jahre alten und immer noch aktiven Verleger. DuMont wird seine Rolle im Zeitungsverlag aber kaum aufgeben.

© Pilar, Daniel Alfred Neven DuMont

Auf dem traditionellen Neujahrsempfang des Kölner Verlages sprach Anfang diesen Jahres der Hausherr von der digitalen Zukunft. „Verjüngung und Elektronik“, sagte Alfred Neven DuMont. „Das sind die Aufgaben, die vor uns liegen.“ Er sah einen „dornigen Weg“ voraus, an dessen Ende jeder einzelne Unternehmensbereich profitabel sein müsse. „Wir gehen diesen Weg mit Geduld, aber auch mit Konsequenz.“ An diesem Dienstag nannte die Mediengruppe M. DuMont Schauberg eine Konsequenz: Die „Frankfurter Rundschau“ ist insolvent – zu hoch seien die Verluste in der ersten Hälfte des Jahres.

Jan Hauser Folgen:

Das ist auch ein Verlust für Alfred Neven DuMont, den 85 Jahre alten und immer noch aktiven Zeitungsmann. Als Herausgeber und Verleger des „Kölner Stadt-Anzeigers“, des „Express“ und der „Mitteldeutschen Zeitung“ in Halle ist er präsent im Haus – vor allem lenkt er als Aufsichtsratsvorsitzender die Geschicke der Mediengruppe M. DuMont Schauberg, dessen Regionalzeitungen auf eine Auflage von mehr als eine Million Exemplaren kommen. Wenn er mal nicht da ist, so wird in der Branche erzählt, passiert auch nicht viel im Verlag.

Viertgrößter Tageszeitungsverlag in Deutschland

Alfred Neven DuMont kommt aus einer seit Jahrhunderten als Verleger agierenden Familie, der er seit Jahrzehnten vorsteht. Geboren am 29. März 1927 in Köln studiert er Philosophie, Geschichte und Literatur in München.

Nach Lehrjahren beim Springer-Verlag und dem Verlag der „Süddeutschen Zeitung“ sowie einem Journalismusstudium in Chicago steigt er 1953 in den Familienverlag in Köln ein. Er wird Herausgeber der Tageszeitung „Kölner Stadt-Anzeiger“ und gründet 1964 das Kölner Boulevardblatt „Express“. Nach dem Tod des Vaters, Kurt Neven DuMont, wird er 1967 alleiniger Herausgeber beider Zeitungen. Der Weg des politisch Liberalen Alfred Neven DuMont führt nach oben. Im vergangenen Jahrzehnt setzt er mit dem Familienunternehmen weiter auf gedruckte Titel und macht damit dieses zum viertgrößten Tageszeitungsverlag in Deutschland.

Seit 1999 erscheint die „Kölnische Rundschau“ im Verlag, 2006 übernimmt DuMont Schauberg die Mehrheit an der „Frankfurter Rundschau“ und 2009 die „Berliner Zeitung“, „Berliner Kurier“ und „Hamburger Morgenpost“. Der Verlag investiert in teils kriselnde Medien und wächst. Im Jahr 2010 kommt es zum Knall in der Familie: Sein Sohn Konstantin Neven DuMont, Vorstand der Mediengruppe, soll in Internetkommentaren teils irre Aussagen getroffen haben; später kritisiert er den Vater in anderen Medien. Dieser weilt auf Mallorca und schweigt – der Sohn scheidet aus dem operativen Geschäft im Streit aus. Seinen Vorstandsposten übernimmt später die Schwester Isabella Neven DuMont. Der erstgeborene Sohn Markus, ein Maler, starb 1995.

Wie sieht der Sohn die Rolle seines Vaters? „Er hat auch schon seine großen Verdienste, die Frage ist halt, wie man ein Unternehmen in die nächste Generation führt. Da ist bei uns einiges schiefgegangen“, sagte Konstantin Neven DuMont am Dienstag. „Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben.“ Das Verhältnis zum Vater hat sich wieder gebessert, befindet er. Der Sohn hält weiter Anteile am Unternehmen und sitzt mit seinem Vater sowie Christian DuMont Schütte, Vorstand der Mediengruppe, in der Gesellschafterversammlung.

Könnte sich nun mit der Insolvenz der „Frankfurter Rundschau“ auch die Führungsstruktur des Hauses ändern? Möglich wäre, dass sich die Familienvertreter aus dem Vorstand zurückziehen und auf den Aufsichtsrat beschränken.

Zu lange auf die gedruckte Zeitung gesetzt

Bislang haben sie das nicht umgesetzt. „Trennung von Kapital und Management wurde uns schon vor Jahren empfohlen von Experten“, sagt Konstantin Neven DuMont. Er selbst wünscht sich eine Rolle im Aufsichtsrat. Alfred Neven DuMont wird seine Rolle im Zeitungsverlag kaum aufgeben, obwohl er auch andere Interessen hat. So schreibt er zum Beispiel Bücher. Im Jahr 1994 veröffentlichte er, der sich vor der Verlagszeit auch als Schauspieler übte, einen ersten Roman mit dem Titel „Abels Traum“ unter dem Namen Franz Nedum.

Mit seinem eigenen Namen schrieb er 2009 über eine „Reise zu Lena“ und 2011 über „Vaters Rückkehr“ teilweise autobiographisch eingefärbt. Ein Blick in diese Bücher dürfte ihm wohl gerade lieber sein als der Blick in die Bücher der Zeitungen. Zur „Frankfurter Rundschau“ sagt Konstantin Neven DuMont noch, dass man zu lange auf die gedruckte Zeitung gesetzt habe und früher ins digitale Geschäft hätte umsteuern müssen. Also, das, wovon sein Vater am Jahresanfang sprach: dass die Elektronik „vor uns“ liege

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Britische Medien Independent stellt Druckausgabe ein

Der Leserschwund nahm nicht ab. Jetzt hat sich die britische Zeitung Independent zur Einstellung ihrer Druckausgabe entschieden. Von Ende März an erscheinen Artikel ausschließlich online. Mehr

12.02.2016, 15:36 Uhr | Feuilleton
Köln Jürgen Mathies als neuer Polizeipräsident vorgestellt

Jürgen Mathies ist der neue Polizeipräsident von Köln. Mathies nannte es als Ziel, das Vertrauen in die Polizei wiederherzustellen und das Sicherheitsempfinden in der Bevölkerung zu etablieren. Sein Vorgänger Wolfgang Albers hatte seinen Stuhl räumen müssen, nachdem NRW-Innenminister Jäger ihm und der Kölner Polizei schwere Versäumnisse vorgeworfen hatte. Mehr

19.01.2016, 19:45 Uhr | Politik
Unbegleitete Minderjährige Fast 5000 Flüchtlingskinder in Deutschland vermisst gemeldet

Mehrere Tausend minderjährige Flüchtlinge in Deutschland sind nach Angaben des Bundeskriminalamts nicht auffindbar. Flüchtlingskinder seien durch die Umstände sehr leichte Opfer für Kriminelle, warnt der Kinderschutzbund. Mehr

03.02.2016, 08:31 Uhr | Politik
Nach Kölner Silvesternacht Opposition will Jägers Rücktritt

Als Konsequenz aus den massenhaften sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Kölner Silvesternacht haben CDU und FDP in NRW dem dortigen Innenminister Ralf Jäger den Amtsverzicht nahegelegt. Mehr

14.01.2016, 15:59 Uhr | Politik
E-Book-Kolumne E-Lektüren Tausend Twitter-Tode

Tilman Rammstedts Fortsetzungsroman Morgen mehr oder die Fortsetzungsanthologie Tausend Tode schreiben: Der digitale Work in Progress bietet literarische Grenzerfahrungen. Mehr Von Elke Heinemann

12.02.2016, 16:02 Uhr | Feuilleton

Der amerikanische Konsument und seine Laune

Von Winand von Petersdorff, Washington

An der Kauflaune der Amerikaner hängt die Weltwirtschaft. Aber derzeit gibt es viel Besorgnis um den amerikanischen Konsumenten. Zurecht? Nein. Die Lage scheint nur auf den ersten Blick bedrohlich. Mehr 10 13


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Keine Ahnung - aber Meinung

Wenn es um China geht, sind die meisten Deutschen einer Umfrage zufolge in Sorge. Ebenfalls die meisten sagen aber auch, eigentlich nichts darüber zu wissen. Mehr 1