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Alfred Neven DuMont Kölner Patriarch

Alfred Neven DuMont lässt von der „Frankfurter Rundschau“ ab. Das ist auch ein Verlust für den 85 Jahre alten und immer noch aktiven Verleger. DuMont wird seine Rolle im Zeitungsverlag aber kaum aufgeben.

© Pilar, Daniel Alfred Neven DuMont

Auf dem traditionellen Neujahrsempfang des Kölner Verlages sprach Anfang diesen Jahres der Hausherr von der digitalen Zukunft. „Verjüngung und Elektronik“, sagte Alfred Neven DuMont. „Das sind die Aufgaben, die vor uns liegen.“ Er sah einen „dornigen Weg“ voraus, an dessen Ende jeder einzelne Unternehmensbereich profitabel sein müsse. „Wir gehen diesen Weg mit Geduld, aber auch mit Konsequenz.“ An diesem Dienstag nannte die Mediengruppe M. DuMont Schauberg eine Konsequenz: Die „Frankfurter Rundschau“ ist insolvent – zu hoch seien die Verluste in der ersten Hälfte des Jahres.

Jan Hauser Folgen:

Das ist auch ein Verlust für Alfred Neven DuMont, den 85 Jahre alten und immer noch aktiven Zeitungsmann. Als Herausgeber und Verleger des „Kölner Stadt-Anzeigers“, des „Express“ und der „Mitteldeutschen Zeitung“ in Halle ist er präsent im Haus – vor allem lenkt er als Aufsichtsratsvorsitzender die Geschicke der Mediengruppe M. DuMont Schauberg, dessen Regionalzeitungen auf eine Auflage von mehr als eine Million Exemplaren kommen. Wenn er mal nicht da ist, so wird in der Branche erzählt, passiert auch nicht viel im Verlag.

Viertgrößter Tageszeitungsverlag in Deutschland

Alfred Neven DuMont kommt aus einer seit Jahrhunderten als Verleger agierenden Familie, der er seit Jahrzehnten vorsteht. Geboren am 29. März 1927 in Köln studiert er Philosophie, Geschichte und Literatur in München.

Nach Lehrjahren beim Springer-Verlag und dem Verlag der „Süddeutschen Zeitung“ sowie einem Journalismusstudium in Chicago steigt er 1953 in den Familienverlag in Köln ein. Er wird Herausgeber der Tageszeitung „Kölner Stadt-Anzeiger“ und gründet 1964 das Kölner Boulevardblatt „Express“. Nach dem Tod des Vaters, Kurt Neven DuMont, wird er 1967 alleiniger Herausgeber beider Zeitungen. Der Weg des politisch Liberalen Alfred Neven DuMont führt nach oben. Im vergangenen Jahrzehnt setzt er mit dem Familienunternehmen weiter auf gedruckte Titel und macht damit dieses zum viertgrößten Tageszeitungsverlag in Deutschland.

Seit 1999 erscheint die „Kölnische Rundschau“ im Verlag, 2006 übernimmt DuMont Schauberg die Mehrheit an der „Frankfurter Rundschau“ und 2009 die „Berliner Zeitung“, „Berliner Kurier“ und „Hamburger Morgenpost“. Der Verlag investiert in teils kriselnde Medien und wächst. Im Jahr 2010 kommt es zum Knall in der Familie: Sein Sohn Konstantin Neven DuMont, Vorstand der Mediengruppe, soll in Internetkommentaren teils irre Aussagen getroffen haben; später kritisiert er den Vater in anderen Medien. Dieser weilt auf Mallorca und schweigt – der Sohn scheidet aus dem operativen Geschäft im Streit aus. Seinen Vorstandsposten übernimmt später die Schwester Isabella Neven DuMont. Der erstgeborene Sohn Markus, ein Maler, starb 1995.

Wie sieht der Sohn die Rolle seines Vaters? „Er hat auch schon seine großen Verdienste, die Frage ist halt, wie man ein Unternehmen in die nächste Generation führt. Da ist bei uns einiges schiefgegangen“, sagte Konstantin Neven DuMont am Dienstag. „Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben.“ Das Verhältnis zum Vater hat sich wieder gebessert, befindet er. Der Sohn hält weiter Anteile am Unternehmen und sitzt mit seinem Vater sowie Christian DuMont Schütte, Vorstand der Mediengruppe, in der Gesellschafterversammlung.

Könnte sich nun mit der Insolvenz der „Frankfurter Rundschau“ auch die Führungsstruktur des Hauses ändern? Möglich wäre, dass sich die Familienvertreter aus dem Vorstand zurückziehen und auf den Aufsichtsrat beschränken.

Zu lange auf die gedruckte Zeitung gesetzt

Bislang haben sie das nicht umgesetzt. „Trennung von Kapital und Management wurde uns schon vor Jahren empfohlen von Experten“, sagt Konstantin Neven DuMont. Er selbst wünscht sich eine Rolle im Aufsichtsrat. Alfred Neven DuMont wird seine Rolle im Zeitungsverlag kaum aufgeben, obwohl er auch andere Interessen hat. So schreibt er zum Beispiel Bücher. Im Jahr 1994 veröffentlichte er, der sich vor der Verlagszeit auch als Schauspieler übte, einen ersten Roman mit dem Titel „Abels Traum“ unter dem Namen Franz Nedum.

Mit seinem eigenen Namen schrieb er 2009 über eine „Reise zu Lena“ und 2011 über „Vaters Rückkehr“ teilweise autobiographisch eingefärbt. Ein Blick in diese Bücher dürfte ihm wohl gerade lieber sein als der Blick in die Bücher der Zeitungen. Zur „Frankfurter Rundschau“ sagt Konstantin Neven DuMont noch, dass man zu lange auf die gedruckte Zeitung gesetzt habe und früher ins digitale Geschäft hätte umsteuern müssen. Also, das, wovon sein Vater am Jahresanfang sprach: dass die Elektronik „vor uns“ liege

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Quelle: F.A.Z.

 
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