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Alfons Frenk Der Kämpfer

Wer die Übernahme der Spar AG für sein Meisterstück hielt, hat nun Schwierigkeiten, einen angemessenen Superlativ für die Übernahme der Discountkette Plus zu finden. Der Edeka-Konzernchef Alfons Frenk im Portrait.

© dpa Vergrößern Siegertyp: Alfons Frenk

So sehen Sieger aus. Alfons Frenk gibt sich locker, plaudert vertraut und offen. Der Vorstandsvorsitzende der Edeka hat allen Grund, zufrieden zu sein. Er hat wieder einmal gesiegt. Und wer schon die Übernahme der Spar AG für sein Meisterstück hielt, hat jetzt Schwierigkeiten, einen angemessenen Superlativ für die Übernahme der Discountkette Plus zu finden. Mit dieser Transaktion, die durch das Kartellamt noch die eine oder andere Konkretisierung erfahren dürfte, hat er nicht nur Rewe als Mitbewerber um den Discounter Plus erfolgreich aus dem Feld geschlagen (Siehe auch: Kommentar: Kampf der Discounter).

Die Kölner, die jahrelang der größte deutsche Lebensmittelhändler waren, haben schon verschmerzen müssen, dass Frenk und seine Edeka mit der Übernahme der Spar an ihnen vorbeiziehen. Jetzt baut Frenk den Abstand zum zweitgrößten Lebensmittelhändler deutlich aus. Hinzu kommt die Kooperation im Einkauf mit der verbliebenen Tengelmann-Gruppe. Synergien aus dieser Einkaufskooperation wird er seinen Händlern entgegenhalten, wenn sie ihm den Preis für den Plus-Erwerb vorhalten werden. Diesen zu verteidigen wird Frenk nicht schwerfallen. Erstens „widerstrebt mir jede Art von Verschwendung“, und zweitens passt die Übernahme haargenau in seine Srategie für das Einzelhandelsunternehmen Edeka. Daher wird er dafür kämpfen.

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Mit dem Fahrrad zu den Ferkelzüchtern

Kämpfen hat Frenk schon als Kind gelernt. Der am 6. November 1950 in Osnabrück als Sohn eines Viehhändlers geborene Frenk verlor früh seinen Vater. „Ein Telefon konnten wir uns nicht leisten, also bin ich mit dem Fahrrad zu den Ferkelzüchtern gefahren, habe die Zahl der Tiere notiert und dann an die Viehhändler weitergegeben“, gibt er gern zum Besten. Sein Studium habe er mit der staatlichen Förderung Bafög finanziert und dem Geld, das er sich als Fahrer eines Betonmischers verdient habe. „Mein Berufsweg war harte Arbeit, Engagement, Leistung, Leistungsdruck und psychische Belastung“, beschreibt er seinen Werdegang heute rückblickend. Dieser Weg begann mit einer kaufmännischen Lehre.

Es folgten das Studium der Betriebswirtschaft und die harten Examina zum Steuerbevollmächtigten, zum Steuerberater, zum vereidigten Buchprüfer und schließlich zum Wirtschaftsprüfer. Sein Wirtschaftsprüferexamen legte er ab, als er die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft schon verlassen hatte und bei der Edeka Minden-Hannover die Position des Leiters der Konzernrevision bekleidete. Von da an machte der als Zahlenmensch gefürchtete Frenk eine Managerkarriere in dem Handelsunternehmen. Seit 2003 leitet er den gesamten Edeka-Konzern. Und wohl nie in der einhundertjährigen Geschichte hat ein Konzernchef so viel bewegt wie Frenk.

Frenk sitzt fester im Sattel denn je

Er hat die AVA in Bielefeld voll übernommen und deren Baumärkte an die Rewe verkauft. Dafür hat er Spar und den Discounter Netto erworben. Discounter waren bis dahin für jeden Edeka-Kaufmann die Erzfeinde. Frenk hat die verlustbringenden Auslandsengagements der Edeka zurückgefahren - und muss daher im Inland stärker wachsen als die Mitbewerber mit ihren Auslandsengagements - sowie einen europäischen Einkaufsverbund initiiert.

Das von Frenk vorgelegte Tempo hat Arbeitsplätze gekostet und aus dem heterogenen Genossenschaftslager musste er auch so manchen Querschuss einstecken. Zudem stand er sich manchmal auch selbst im Weg, denn die hohe Kunst der Diplomatie beherrscht Frenk nicht. Wenn ihm etwas missfällt, hebt er die Stimme leicht an und verteilt mit ironisch-sarkastischem Unterton Seitenhiebe, die sich gewaschen haben. Mit seinem autoritären Führungsstil hat Frenk schon so manchen Edeka-Manager in die Flucht getrieben. Andere mussten schlicht deshalb gehen, weil sie nicht die Leistung brachten, die dem machtbewussten Vorstandschef genügte. „Wenn man Neues schaffen will, steht dem immer Altes entgegen. Und wer meint, diesen Weg nicht mitgehen zu können, der muss es lassen“, sagt Frenk und fügt auch noch hinzu, dass er schließlich 2003 nicht als Hausmeister, sondern eben als Vorstandsvorsitzender engagiert worden sei.

Trotz allerlei personeller Querelen sitzt Frenk heute aber fester im Sattel denn je. Denn unbestritten ist seine Leistungsbilanz, auf die der drahtig wirkende Hobby-Radrennfahrer - weitere Hobbys sind Sauna und Bücher lesen - verweisen kann: Er hat in vier Jahren den Marktanteil der Edeka in Deutschland von 20 auf 26 Prozent erhöht; den Umsatz von 22 auf 30 Milliarden Euro gesteigert und die Rendite verdoppelt. Daher ist für seinen Aufsichtsratschef Peter Simmel die Sache auch ganz klar: „Wir trauen ihm zu, auch die bevorstehenden Aufgaben hervorragend zu lösen.“

Quelle: F.A.Z., 17.11.2007, Nr. 268 / Seite 14

 
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