19.06.2009 · Am „Hexensabbat“ laufen ungewöhnlich viele Verkaufsoptionen auf die Aktie von Volkswagen aus. Spekulationen zufolge hat das mit den Optionsstrategien von Porsche zu tun. Sie könnten sich plötzlich in einem drastischen Kurssturz der VW-Stammaktien entladen.
Von Benedikt FehrDie Anleger blicken mit besonderer Spannung auf den "Hexensabbat" am kommenden Freitag. Denn an diesem großen Verfallstermin für Aktienoptionen und Terminkontrakte laufen diesmal ungewöhnlich viele Verkaufsoptionen auf Stammaktien von Volkswagen (VW) aus. An den Börsen kursieren seit Wochen Spekulationen darüber, dass dies mit den Optionsstrategien von Porsche zu tun hat - und dass sich dies plötzlich in einem drastischen Kurssturz der VW-Stammaktien entladen könnte. Am Donnerstag gegen Mittag wurde die Aktie mit rund 235 Euro gehandelt (siehe Link zum Kurs).
Insgesamt laufen am 19. Juni laut Statistiken der Terminbörse Eurex fast 640 000 Kontrakte mit Verkaufsoptionen auf VW-Aktien aus. Da sich jeder Kontrakt auf 100 Aktien bezieht, entspricht dies rund 64 Millionen VW-Aktien - das sind knapp 22 Prozent der 295 Millionen umlaufenden Aktien. Die Verkaufsoptionen haben aber ganz unterschiedliche Basispreise oder "Strikes". Der Basispreis ist der Kurs der VW-Aktie, der für die Ausübung der Option relevant ist. Die überwiegende Mehrzahl der Kontrakte hat Basispreise von 200 Euro und weniger, der Schwerpunkt der Basispreise liegt sogar unterhalb von 140 Euro. Würde der Kurs der VW-Aktie bis zum Handelsschluss am Freitag über 200 Euro bleiben, würden alle diese Kontrakte mit einem Schlag wertlos verfallen. Ihre Halter müssten die beim Erwerb gezahlten Prämien als Totalverlust ausbuchen. Für die Verkäufer der Optionen wäre dies allerdings ein Gewinn. Ihnen bleibt dann die Prämie.
Von Basispreisen und Buchverlusten
Sollte der Kurs der VW-Aktie allerdings bis Freitag noch unter 200 Euro fallen oder gar unter 140 Euro, müssten die Verkäufer der Verkaufsoptionen die ihnen angedienten Aktien zum vereinbarten Basispreis ankaufen. Das bereitet ihnen dann zumindest einen Buchverlust, denn sie müssen die Aktien dann ja zu dem höheren Basiskurs ankaufen, obwohl die Börse dem Papier aktuell einen niedrigeren Wert beimisst. Dabei gilt: Je niedriger der Marktkurs, desto höher ist der Verlust für den "Stillhalter", den Verkäufer der Verkaufsoption - und spiegelbildlich desto höher ist der Gewinn desjenigen, der die Verkaufsoption erworben hatte und sie nun ausüben kann.
Prinzipiell werden zwei Arten von Optionen gehandelt: Kaufoptionen, auch "Calls" genannt, und Verkaufsoptionen, sogenannte "Puts". Was Laien bisweilen verwirrt: Es gibt jeweils Verkäufer und Käufer. Ein Beispiel: Der Kurs einer XY-Aktie beträgt 100 Euro. Eine Bank bietet einen Call mit einem Basispreis von 110 Euro und Laufzeit von vier Wochen zu einem Preis von 4 Euro an. Ein Investor, der erwartet, dass der Kurs der XY-Aktie bald auf 120 Euro steigen wird, zahlt die Prämie von 4 Euro und kauft damit diese Kaufoption. Die Bank hat die Kaufoption verkauft und muss jetzt abwarten ("stillhalten"), ob der Halter seine Option ausübt.
Für diesen lohnt sich das, wenn der Kurs der XY-Aktie am Ende der Laufzeit über dem vereinbarten Basispreis von 110 Euro liegt. Dann kann er die XY-Aktie dem Stillhalter zu 110 Euro abkaufen und gegebenenfalls unmittelbar danach am Markt zu einem höheren Kurs verkaufen. Liegt der Börsenkurs dann zum Beispiel bei 116 Euro, beträgt der Gewinn aus der Transaktion 6 Euro; berücksichtigt man die gezahlte Prämie von 4 Euro, ergibt sich ein Reingewinn von 2 Euro - oder 50 Prozent auf das eingesetzte Kapital.
Ein gutes Geschäft für den Stillhalter
Für den Stillhalter ist der Verkauf des Calls vor allem dann ein gutes Geschäft, wenn der Kurs der XY-Aktie unter 110 Euro bleibt. Dann hat er die Prämie von 4 Euro vereinnahmt. Übersteigt die XY-Aktie 114 Euro, wird die Transaktion für den Verkäufer des Calls zu einem Minusgeschäft, insbesondere dann, wenn er sich zuvor nicht mit XY-Aktien eingedeckt hatte und diese nun am Markt teuer kaufen muss, um seine Lieferpflicht zu erfüllen. Analog gibt es auch Käufer und Verkäufer von Verkaufsoptionen. Wer eine Verkaufsoption auf XY-Aktien kauft, will entweder auf einen Verfall des XY-Aktienkurses spekulieren oder einen eigenen Bestand an XY-Aktien gegen einen Verfall des XY-Kurses absichern. Abgesehen von solchen einfachen Geschäften, bauen Anleger durch gleichzeitigen Kauf oder Verkauf von Kauf- oder Verkaufsoptionen bisweilen komplexe Positionen auf. Werden dabei unterschiedliche Basispreise und Verfalldaten genutzt, ergibt sich eine große Möglichkeit von Kombinationen.
Auch Porsche hat solch eine komplexere Strategie gefahren. Nach eigenem Bekunden hat der Sportwagenhersteller zum einen Kaufoptionen auf VW-Aktien gekauft (beziehungsweise er ist mit Banken Finanzgeschäfte eingegangen, die dem Kauf einer Kaufoption in vielen Punkten ähneln). Zum anderen hat Porsche Verkaufsoptionen auf VW-Aktien verkauft (oder ist ein vergleichbares Geschäft eingegangen). Mit den Prämieneinnahmen aus dem Verkauf der Puts hat er die zu zahlenden Prämien für die Calls zumindest teilweise finanziert. Bei den Verkaufsoptionen ("Puts") ist Porsche also Stillhalter und muss abwarten. Daran machen sich die Spekulationen der Börse fest, dass Porsche kurzfristig in erhebliche Schwierigkeiten geraten könnte.
Details hält Porsche geheim
Ein Porsche-Sprecher hat allerdings betont, das Unternehmen sei nicht an der Eurex engagiert. Doch gilt als möglich, dass Porsche einigen Banken Verkaufsoptionen auf VW-Aktien verkauft hat und dass diese Banken sich ihrerseits über die Eurex abgesichert haben. Porsche hat die Details zur genauen rechtlichen Ausgestaltung der Optionsgeschäfte bislang geheim gehalten, ebenso die Angaben zu den Basispreisen, Verfallsdaten und Mengen der gekauften Kaufoptionen und verkauften Verkaufsoptionen. Umso gespannter wartet die Börse darauf, ob sich der kommende Freitag für Porsche als "Hexensabbat" entpuppt - oder ereignislos verpufft.
Reine Spekulation
Kurt Michler (Kurt.Michler)
- 18.06.2009, 20:43 Uhr
Porsche - der einfachste Weg zur Entschuldung!
Werner Schmidt (banker-schmidt)
- 19.06.2009, 00:39 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,56 | −1,19% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2427 | −0,49% |
| Rohöl Brent Crude | 104,62 $ | −2,09% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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