15.11.2006 · Die traditionellen Aktienbörsen in Europa bekommen Konkurrenz: Sieben führende Investmentbanken starten im kommenden Jahr ein eigenes Handelssystem für europäische Aktien. Das verspricht sinkende Kosten.
Die sieben global führenden Investmentbanken planen den Aufbau einer eigenen europäischen Handelsplattform für Aktien im kommenden Jahr. Damit erhöht sich der Wettbewerb für etablierte Anbieter wie die Deutsche Börse oder die London Stock Exchange massiv.
Das neue Handelssystem wird neben den Gründungsmitgliedern auch anderen Marktteilnehmern gleichberechtigt offenstehen.
Ziel sei es, möglichst viel Liquidität anzuziehen und dadurch die Spannen (Spreads) zwischen Kauf- und Verkaufskursen sowie die Abwicklungskosten zu verringern, heißt es. Weiter gehe es darum, die Handelsgeschwindigkeit zu erhöhen sowie die Transparenz bei Aktienkursen und Handelsvolumina zu verbessern.
Keine Gewinnorientierung
Das neue multilaterale Handelssystem wird als eigenständiges Unternehmen mit eigener Geschäftsführung etabliert. Anders als die etablierten Börsen sei es aber nicht primär auf Erzielung von Gewinnen orientiert, sondern verstehe sich als eine grundlegende Infrastruktur für alle Marktteilnehmer, ist zu hören.
Auch dies werde auf niedrigere Kosten für die Nutzer hinauslaufen. Die Gründungsmitglieder sind Citigroup, Credit Suisse, Deutsche Bank, Goldman Sachs, Merrill Lynch, Morgan Stanley und UBS.
Offen blieb, wie hoch der Anteil der einzelnen Institute sein wird. Ein unabhängiges Managerteam solle die Plattform entwickeln, kündigten die Banken an. Sie hätten für das Projekt bereits Personal verpflichtet und Kapital bereitgestellt. Erste Treffen mit europäischen Behörden seien schon abgehalten worden.
„Börsenzwang“ wird abgeschafft
Das Projekt ist eine Reaktion auf die EU-Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID), die im November 2007 in Kraft treten soll. Durch die Richtlinie wird der „Börsenzwang“, der in einigen Ländern im Aktienhandel noch herrscht, abgeschafft. Das ermöglicht den Aufbau paneuropäischer Multilateraler Handelsplattformen.
Die EU-Kommission will so den Wettbewerb im europäischen Aktienhandel verstärken und dessen Kosten verringern. Im September hatten bereits mehrere Investmentbanken angekündigt, eine gemeinsame Plattform für den Vertrieb von Daten aus dem außerbörslichen Wertpapierhandel zu starten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,56 | −1,19% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2427 | −0,49% |
| Rohöl Brent Crude | 104,62 $ | −2,09% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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