02.03.2008 · Der europäische Rüstungskonzern gewinnt einen Auftrag der Luftwaffe über 35 Milliarden Dollar. Amerikanische Politiker sind fassungslos.
Von Roland Lindner und Marcus TheurerDie amerikanische Luftwaffe hat ein Konsortium aus EADS und dem amerikanischen Rüstungsanbieter Northrop Grumman als Lieferanten für eine Flotte von 179 neuen Tankflugzeugen ausgewählt. Sie basieren technisch auf dem Modell A330 der EADS-Tochtergesellschaft Airbus. Der Auftrag mit einer Laufzeit von zehn bis 15 Jahren hat nach Angaben der Luftwaffe ein Einkaufsvolumen von 35 Milliarden Dollar. EADS bezifferte den Gesamtwert sogar mit 40 Milliarden Dollar.
EADS war der klare Außenseiter im Rennen um den Auftrag. Die meisten Beobachter konnten sich nicht vorstellen, dass die Luftwaffe einen so großen Rüstungsauftrag tatsächlich zum Teil in ausländische Hände gibt. In der Vergangenheit hat ausschließlich der amerikanische EADS-Konkurrent Boeing die Luftwaffe mit Tankern beliefert. Analysten haben das Geschäft oft als „Jahrhundertauftrag“ bezeichnet und darauf hingewiesen, dass mit einem ähnlich großen Einkauf der Regierung auf Jahrzehnte hinaus nicht zu rechnen sei. Das Volumen von Tankeraufträgen könnte sich auf längere Sicht noch deutlich erhöhen und nach Ansicht von Analysten einen dreistelligen Milliardenbetrag erreichen. Denn die nun bestellten 179 Maschinen dürften nur die erste Tranche sein. Es wird damit gerechnet, dass die Luftwaffe ihre gesamte Flotte erneuern will. Sie hat im Moment mehr als 500 solcher Tanker, die aber zum Großteil aus den fünfziger Jahren stammen.
Der Vorstandsvorsitzende von EADS, Louis Gallois, bezeichnete den Großauftrag im Gespräch mit der F.A.Z. als „Durchbruch“ für das Unternehmen im amerikanischen Militärgeschäft (Gallois: „Das ist der beste Auftrag meines Lebens“ ). In den vergangenen Jahren ist EADS dagegen durch milliardenschwere Entwicklungspannen in eine schwere Krise geraten und hat den Abbau tausender Arbeitsplätze angekündigt. Nun will das Unternehmen ein neues Montagewerk in Mobile im amerikanischen Bundesstaat Alabama bauen.
Boeing „sehr enttäuscht“
Boeing teilte nach der Entscheidung der Luftwaffe mit, „sehr enttäuscht“ zu sein. Das Unternehmen werde nun „mögliche Optionen“ prüfen. Boeing kann die Entscheidung beim „Government Accountability Office“ anfechten, einer Behörde des amerikanischen Kongresses, die Staatsausgaben überwacht. Diese Behörde kann eine Neuausschreibung von Aufträgen verfügen und hat dies in der Vergangenheit auch getan. Für EADS bleibt also ein Unsicherheitsfaktor, bis Boeing eine Entscheidung über sein weiteres Vorgehen trifft.
Amerikanische Politiker spielen die patriotische Karte
Mehrere amerikanische Politiker zeigten sich fassungslos über den Ausgang der Auftragsvergabe – und spielten dabei auch die patriotische Karte. Vor allem Politiker aus Bundesstaaten wie Washington oder Kansas, wo Boeing große Produktionsstätten hat, äußerten sich enttäuscht und forderten eine genaue Überprüfung der Details, wie die Luftwaffe zu ihrer Entscheidung gekommen ist. „Wir sind empört, dass diese Entscheidung ausländischen Arbeitern erlaubt, unser amerikanisches Militär mit Tankern zu versorgen“, hieß es in einer Stellungnahme hochrangiger Politiker aus dem Bundesstaat Washington. Begeistert zeigten sich dagegen Politiker aus Alabama, dem designierten Fertigungsort der Tanker. Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte der EADS zu dem „tollen Auftrag“.
Die von der amerikanischen Luftwaffe georderten Flugzeuge werden dazu eingesetzt, um Militärmaschinen in der Luft zu betanken, sie werden auch „fliegende Tankstellen“ genannt. Die Militärs wollen ihre Flotte seit langer Zeit erneuern und haben im Jahr 2001 schon einmal einen Auftrag an Boeing mit einem Volumen von mehr als 20 Milliarden Dollar vergeben. EADS hatte sich schon damals als Alternative angedient und sich hinterher beklagt, von der Luftwaffe nie eine reelle Chance bekommen zu haben. Dann aber öffnete ein Skandal über die Umstände bei der Auftragsvergabe den Europäern eine neue Chance: Boeing wurde wegen Mauscheleien mit Mitarbeitern des amerikanischen Verteidigungsministeriums der Auftrag im Jahr 2004 wieder entzogen. Das Rennen war damit neu eröffnet.
EADS im zweiten Anlauf um einiges aggressiver
EADS ging im zweiten Anlauf um einiges aggressiver vor: Die Europäer bildeten ein Bieterkonsortium mit Northrop Grumman in der Hoffnung, ein einheimischer Partner könne die Chancen erhöhen. Im Falle eines Zuschlags versprachen sie eine Fertigung der Tanker auf amerikanischem Boden in Alabama. Sie betrieben außerdem Lobby-Arbeit in Washington. Für Boeing setzt sich mit der Niederlage eine Serie von Rückschlägen fort. Auch im Geschäft mit Zivilflugzeugen kämpft das Unternehmen mit erheblichen Problemen. Boeing musste eine Serie von Verzögerungen bei seinem neuen Flugzeugmodell 787 „Dreamliner“ hinnehmen. Die Maschine sollte ursprünglich im Mai dieses Jahres erstmals ausgeliefert werden, nun wird es nicht vor nächstem Jahr so weit sein. Angesichts dieser Pannen haben sich die Kräfteverhältnisse in der Rivalität zwischen Boeing und EADS wieder dramatisch zugunsten der Europäer verschoben. Noch vor gut einem Jahr schien Boeing vom Erfolg verwöhnt, während die EADS wegen Verzögerungen beim Großraumflieger A380 ihrer Tochtergesellschaft Airbus in einer schweren Krise steckte.
Ein schöner Traum -
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 02.03.2008, 19:36 Uhr
Beachtlich,....
Markus Hattemer (Procontra)
- 02.03.2008, 20:32 Uhr
Gegen wen
Ralf Walter (Ralf-Walter)
- 02.03.2008, 20:42 Uhr
Tankflugzeuge sind
Jan Skalski (Skalski)
- 03.03.2008, 12:53 Uhr
Respekt
Christian Roigk (Dubai1)
- 04.03.2008, 09:39 Uhr
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