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Airbus Zehntausende demonstrieren gegen den Stellenabbau

16.03.2007 ·  In Hamburg zogen tausende Airbus-Mitarbeiter auf die Reeperbahn, im Laupheimer Werk protestierten rund 2000 mit einer Menschenkette. Auch die Politik erhöht den Druck.

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Airbus-Arbeitnehmer in mehreren europäischen Ländern haben am Freitag gegen den Sanierungsplan „Power 8“ demonstriert und die Arbeit ruhen lassen. In Deutschland kamen mehr als 10.000 Airbus-Beschäftigte zu einer zentralen Kundgebung auf der Hamburger Reeperbahn zusammen. Die IG Metall sprach von 19.000 bis 20.000 Teilnehmern in Hamburg, die Polizei zählte etwa halb so viele.

Mit einer Menschenkette rund um das baden-württembergische Werk Laupheim protestierten mehr als 2.000 Airbus-Mitarbeiter und Bürger gegen den geplanten Verkauf des Standortes. Auch in Toulouse versammelten sich mehrere tausend Arbeitnehmer zu einer Kundgebung. Das umstrittene Sparprogramm sieht bei Airbus in den nächsten Jahren den Abbau von 10.000 Stellen vor.

„Wir sind es leid“

IG Metall-Chef Jürgen Peters bekräftigte den Widerstand der Arbeitnehmer gegen „Power 8“. „Den Sanierungsplan akzeptieren wir nicht“, sagte der Gewerkschaftschef in Hamburg. Er forderte Nachbesserungen und kündigte ein gemeinsames Konzept der Gewerkschaften an. Airbus werde aus den „eigenen Reihen schlecht geredet“. Das Unternehmen habe begehrte Produkte und übervolle Auftragsbücher.

„Wir kämpfen niemals gegen unsere Kollegen in Frankreich“, sagte Peters. Die Arbeitnehmer ließen sich nicht gegeneinander ausspielen. Er kritisierte heftig das Versagen des Airbus-Managements bei der Planung des weltgrößten Passagierflugzeugs A380. „Wir sind es leid, wieder und wieder die Zeche zahlen zu müssen“, sagte Peters.

Politiker fordern Erhalt aller Standorte

Unterstützung erhielt der Gewerkschaftschef von der Politik. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) unterstrich ebenso wie sein baden-württembergischer Kollege Günther Oettinger (CDU), Gewerkschaften, Regierungen und Beschäftigte ließen sich nicht auseinander dividieren.

Beide Politiker forderten wie Peters Nachbesserungen: „Wir glauben, dass das Konzept Fehler beinhaltet“, sagte Wulff in Hamburg. Oettinger erklärte, ihm sei nicht einleuchtend, wie der Verkauf des Werkes in Laupheim die Situation im Konzern verbessern könne. Einhellig forderten die Redner bei der Hamburger Kundgebung den Erhalt aller Standorte im Airbus-Verbund.

Airbus-Werke in Deutschland

Airbus baut seine Flugzeuge derzeit an 16 verschiedenen Standorten in Europa, dort sind insgesamt 52.000 Menschen beschäftigt. Rund ein Drittel der Maschinen werden in den sieben deutschen Werken entwickelt und montiert. Dort arbeiten 21.300 Mitarbeiter, 4.300 mehr als an den vier französischen Standorten. In den beiden britischen Werken sind 9.700 Menschen beschäftigt, in Spanien an drei Standorten 4.700 Mitarbeiter. Im Rahmen des Sanierungsprogramms „Power 8“ sollen 10.000 Stellen gestrichen werden, davon 3.700 in Deutschland und 4.300 in Frankreich, einige Werke sollen verkauft werden.

Die Werke in Deutschland im Einzelnen:

Hamburg ist mit rund 12.050 Beschäftigten der größte Airbus-Standort. Die Hansestadt ist Sitz der Geschäftsführung von Airbus Deutschland und zweites Endmontagezentrum neben Toulouse. Für den Großraum-Airbus A380 erfolgt in Hamburg ein Großteil der Entwicklung, Bau und Montage von Rumpfsektionen, die komplette Innenausstattung, Lackierung, Endabnahme sowie Auslieferung an Kunden in Europa und im Nahen Osten.

Bremen ist mit rund 3.500 Beschäftigten der zweite Schwerpunkt bei der Entwicklung und verantwortlich für die Produktion des Militärtransporters A 400, für den dort der Rumpf gebaut wird. Außerdem werden an der Weser die Landeklappen für Airbus-Flugzeuge gefertigt.

Der Airbus-Standort Buxtehude entwickelt und produziert mit rund 380 Beschäftigten elektronische Kommunikations- und Kabinenmanagement-Systeme.

Im baden-württembergischen Laupheim mit rund 1.200 Mitarbeitern werden Kabinen-Inneneinrichtungen und Frachtraumverkleidungen entwickelt und hergestellt. Das Werk soll verkauft werden.

Zentrum für Großblechfertigung und Schalenbau der Airbus-Flugzeuge ist das Werk Nordenham mit 2.250 Beschäftigten. Für Nordenham sucht Airbus einen Partner.

Der Werk Stade mit 1.620 Mitarbeitern ist zuständig für die Verarbeitung von Kohlefaserverbundwerkstoffen bei Airbus Deutschland.

In niedersächsischen Varel erfolgt unter anderem die Entwicklung und Konstruktion von Fertigungsmitteln aus Aluminium, Titan und Stahl. Das Werk mit seinen rund 1.300 Beschäftigten soll verkauft werden.

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Von Heike Göbel

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