05.02.2007 · Der Ko-Chef von EADS, Tom Enders, hat sich gegen den Versuch gewandt, auf die Sanierung von Airbus politisch Einfluss zu nehmen. Im Gespräch mit der F.A.Z. widersprach er Befürchtungen, dass deutsche Standorte bei der Sanierung stärker leiden könnten als jene in anderen Ländern.
Von Christian Schubert und Konrad MrusekDer deutsche Ko-Vorstandsvorsitzende von EADS, Tom Enders, hat sich gegen den Versuch politischer Einflussnahme auf die Sanierung der Tochtergesellschaft Airbus gewandt. Bundeswirtschaftsminister Glos (CSU) hatte offen mit dem Rückzug deutscher Rüstungsaufträge gedroht, wenn Deutschland bei der Airbus-Sanierung besonders hohe Lasten zu tragen habe. „Wenn dies wahr gemacht werden sollte, dann wüsste ich nicht, wie das der Stärkung deutscher Interessen dienen sollte“, sagte Enders im Gespräch mit der F.A.Z..
Er wies darauf hin, dass die Aufträge der Bundesregierung für EADS „nahezu ausschließlich in Deutschland abgearbeitet werden“. Eine Auftragsvergabe an EADS vorbei könnte also auf Kosten von deutschen Arbeitsplätzen gehen, deutete er an. Enders widersprach zudem Befürchtungen, dass die deutschen Standorte bei der Sanierung von Airbus stärker leiden könnten als jene in anderen Ländern. Vor allem in deutschen Gewerkschaftskreisen war die Sorge aufgekommen, Frankreich werde geringer belastet.
A350 geht vermutlich ganz nach Toulouse
Zur Neuaufteilung von Aufgaben zwischen den Airbus-Standorten sagte Enders, dass die bei einigen Modellen noch betriebene Teilung der Endmontage nicht sinnvoll sei. Bei Airbus findet die Endmontage des A380 sowie der Familie der A320-Flugzeuge aufgeteilt zwischen Frankreich und Deutschland statt. Bei künftigen Modellen könnte sich dies ändern, sagte Enders. Branchenkenner halten es für möglich, dass das Langstreckenflugzeug A350 komplett in Toulouse endmontiert werde und dafür die ganze A320-Familie nach Hamburg gehe.
Bundeskanzlerin Merkel (CDU) distanzierte sich nach außen von der Drohung ihres Wirtschaftsministers: „Wir machen die deutschen Interessen deutlich, aber wir drohen nicht“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Steg auf die Frage nach Frau Merkels Haltung. Glos sei „ein bisschen überinterpretiert worden“. Beim geplanten Arbeitsplatzabbau in den Airbus-Werken von Deutschland und Frankreich seien „Anpassungen und Umstrukturierungen“ notwendig, doch dabei müsse es transparent und fair zugehen. Zudem müssten Managementfehler untersucht werden. „Die Schwierigkeiten bei Airbus sind ja nicht entstanden, weil Beschäftigte ihre Kaffeepause überzogen haben.“
Glos, der Frau Merkel auf ihrer Nahost-Reise begleitet, sagte in Abu Dhabi: „Wir kämpfen mit allen Mitteln um die deutschen Airbus-Arbeitsplätze. Mit meiner Drohung wollte ich zum Ausdruck bringen, dass es uns ernst ist.“ Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums wies darauf hin, dass man aus den Rüstungsaufträgen bei EADS nicht so einfach aussteigen könne, weil es eine Vertragsbindung gebe.
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