31.01.2007 · Dem angeschlagenen Flugzeughersteller Airbus steht ein erheblicher Arbeitsplatzabbau bevor. Die Befürchtungen des Betriebsrates erhielten neue Nahrung. 8.000 der 23.000 Stellen sind bedroht, Werke sollen geschlossen werden.
Bei dem angeschlagenen Flugzeughersteller Airbus stehen mehrere tausend Arbeitsplätze auf dem Spiel. Entsprechende Befürchtungen des Betriebsrates, der sich um 8000 der 23.000 Stellen sorgt, erhielten am Mittwoch neue Nahrung durch Aussagen des Co-Vorsitzenden der Muttergesellschaft EADS, Thomas Enders. Dieser hatte in Berlin gesagt, Airbus werde langfristig nur solche Werke behalten, die an der Endfertigung beteiligt seien oder in denen Teilkomponenten wie Rumpf, Leitwerk oder Flügel hergestellt würden. Entsprechende Angaben am Mittwochabend in Berlin bestätigt.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) verlangte, Deutschland müsse „einen seinem Gewicht entsprechenden Anteil an der aktuellen und zukünftigen Produktion bekommen“. Die Bundesregierung werde sich „mit aller Kraft“ für die deutschen Standorte einsetzen, „auch in ihrer Rolle als einer der wichtigsten Auftraggeber des EADS-Konzerns.“
„Harte Schnitte“
Ein Sprecher der Muttergesellschaft EADS sagte, es seien noch keine Entscheidungen getroffen worden. Das solle wie angekündigt am 20. Februar geschehen. Klar sei, dass des „harte Schnitte geben wird und geben muss“. Das habe Enders auch auf der geschlossenen Veranstaltung in Berlin deutlich gemacht. Airbus leide sehr unter dem starken Euro, der die in Dollar abgerechneten Flugzeuge um 20 Prozent verteure. Auch müsse die Integration der Werke in Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien verbessert werden. Enders habe allerdings auch gesagt, dass nationale Begebenheiten bei der Entscheidung berücksichtigt würden. „Dazu stehe ich“, zitiert ihn der Sprecher.
Enders habe von mindestens 10.000 Beschäftigten im gesamten Airbus-Konzern gesprochen, die betroffen seien, berichtete die „Nordwest-Zeitung“. Über das Verhältnis zwischen Festangestellten und Zeitarbeitern müsse beraten werden. Niemand in Deutschland werde glücklich darüber sein, was beschlossen werde. Aber er erwarte, dass in allen Airbus-Ländern alle gleich unglücklich sein werden.
Unterstützung für die Airbus-Beschäftigten
Offiziell soll das Sanierungsprogramm „Power 8“ am 20. Februar veröffentlicht werden. Es werde harte Einschnitte geben, da Power 8 neben der Kostenreduzierung das Hauptziel habe, Airbus für die Zukunft wettbewerbsfähig zu halten. Befürchtungen, die deutschen Standorte würden benachteiligt, versuchte Enders vor rund 300 Gästen, darunter Abgeordnete und Vertreter der Luftfahrtbranche, zu entkräften. Er stehe für ein faires und ausbalanciertes Konzept. Es gebe zu diesem Zeitpunkt noch keine Entscheidungen.
Wirtschaftsminister Glos, der am Mittwochnachmittag Betriebsräte des Konzerns im Ministerium zum Gespräch empfing, bekräftigte anschließend die Entschlossenheit der Regierung, die wesentlichen Technologiefelder der Luft- und Raumfahrtindustrie in Deutschland zu erhalten und auszubauen. Die Regierung unterstütze die Airbus-Beschäftigten.
„Billiger“ Dollar - „teurer“ Euro
Die Luft- und Raumfahrtindustrie sei eine Schlüsselindustrie, die über die Zukunftsfähigkeit Deutschlands mit entscheidet. Deutschland müsse einen seinem Gewicht entsprechenden Anteil an der aktuellen und zukünftigen Produktion bekommen. „Das gilt im Hinblick auf die Arbeitsplätze wie auch auf die Technologieführerschaft und -entwicklung.“ Airbus ist durch Lieferverzögerungen des Großraumjets A380, die das Unternehmen mehrere Milliarden Euro kosten, in Schwierigkeiten geraten.
Außerdem will der Konzern in den kommenden Jahren ein weiteres Langstreckenflugzeug, den A350, entwickeln, dessen Kosten auf rund 12 Milliarden Euro geschätzt werden. Als nachteilig erweist sich für den Flugzeughersteller auch die Schwäche des Dollar gegenüber dem Euro, da Flugzeuge in „billigen“ Dollar abgerechnet, aber zu einem erheblichen Teil in „teuren“ Euro produziert werden. Airbus will dem Modell des Konkurrenten Boeing folgen, das eine weitgehende Ausgliederung der Produktion an Lieferanten vorsieht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,56 | −1,19% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2427 | −0,49% |
| Rohöl Brent Crude | 104,62 $ | −2,09% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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