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Airbus-Produktion : Aus "Mühlenberger Loch" wird "Mühlenberger Plateau"

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Nach dreieinhalbjähriger Bauzeit rollt an diesem Donnerstag der letzte Bagger von Norddeutschlands größter und, wie ihre Initiatoren meinen, auch erfolgreichsten Industrieerweiterung der Nachkriegsgeschichte.

          Nach dreieinhalbjähriger Bauzeit rollt am heutigen Donnerstag der letzte Bagger von Norddeutschlands größter und, wie ihre Initiatoren meinen, auch erfolgreichsten Industrieerweiterung der Nachkriegsgeschichte. Aus dem "Mühlenberger Loch" am Rande der Elbinsel Finkenwerder ist das "Mühlenberger Plateau" geworden. Der Stadtstaat Hamburg ist um 165 Hektar gewachsen und mit den entsprechenden Infrastrukturmaßnahmen für die Erweiterung des Airbus-Geländes um 140 Hektar sieht der Senat auch die Stellung der Hansestadt - neben Toulouse und Seattle - als einer der bedeutendsten Standorte der zivilen Luftfahrtindustrie gefestigt.

          Rund 700 Millionen Euro an Steuergeldern war das Projekt dem Senat wert. Die Stadt habe nicht nur den Planfeststellungsbeschluß, sondern auch ihre Zusage an die Airbus Deutschland GmbH voll erfüllt - und das trotz erheblicher Anfeindungen von Anliegern und Umweltschützern, sagte Staatsrat Gunther Bonz jetzt bei der Vorstellung des Projekts. Die pessimistischen Prognosen der Gegner hätten sich nicht erfüllt. An der Passagierversion des Großraumflugzeugs A380 werde bereits gebaut, ein erstes Rumpfsegment sei nach Toulouse verschifft, wo die weitere Montage erfolge.

          133 feste Bestellungen für den Riesenjet

          Inzwischen verfüge das Unternehmen über 133 feste Bestellungen für den Riesenjet. Die Hallen seien planmäßig nach einer neuen Technik zur Einpolderung der Wasserfläche fertiggestellt und nicht, wie die Gegner immer vorausgesagt hätten, im Schlick versunken. Bereits jetzt seien bei Airbus 1600 und bei Zulieferanten 300 neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Weitere Arbeitsplätze sollen entstehen, wobei Bonz darauf verwies, daß in dem Hamburger Werk vor allem die Innenausstattung der Flugzeuge erfolge, diese jedoch im Gegensatz zum Flugkörper häufig verändert werde. Die Wertschöpfung sei daher besonders hoch. Vor fünf Jahren hatte Airbus rund 8000 Mitarbeiter auf Finkenwerder beschäftigt, jetzt sind es gut 9700. In der Luftfahrtindustrie Hamburgs arbeiten derzeit rund 30.000 Menschen.

          Ein Erfolg auch für die Gegner

          Auf einen Erfolg können die Gegner, die seit dem Jahr 1997 das Projekt bekämpfen, allerdings verweisen: den Baustopp für die zweite Verlängerung der Start-und-Lande-Bahn um rund 600 auf 3300 Meter. Am 10. August hatte das Hamburgische Oberverwaltungsgericht einen entsprechenden Beschluß des Verwaltungsgerichts vom Juni bestätigt und dies damit begründet, daß für die notwendig werdenden Enteignungen von Grundstücken kein rechtfertigender Grund vorliege. Sollte es bei diesem Beschluß bleiben, könnten die Frachtversion des A380 sowie mögliche Weiterentwicklungen des neuen Großraumflugzeugs nicht gebaut werden. Die Auswertung des Beschlusses sei noch nicht abgeschlossen, sagte Bonz. Er versicherte jedoch, daß es "mehrere Möglichkeiten" gebe, die Verlängerung doch noch zu bewerkstelligen. Dafür habe das Gericht deutliche "Hinweise gegeben". Für eine solche Nachbesserung hält Bonz einen Zeitraum zwischen zwei und drei Jahren für realistisch. Man werde dabei gemeinsam mit Airbus vorgehen.

          Von Beginn an stand das Projekt unter großem Termindruck. Klagen der Gegner, Auflagen des staatlichen Umweltschutzes, Unwägbarkeiten baulich-physischer sowie logistischer Natur drohten die Fertigstellung immer wieder zu verzögern. Dennoch wurden Zeitpläne und Budget eingehalten und die vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in das Naturschutzgebiet "Mühlenberger Loch" umgesetzt. Hartmut Wegener, Geschäftsführer der ausführenden Realisierungsgesellschaft Finkenwerder GmbH, spricht von einer "geglückten" Partnerschaft zwischen Staat und privaten Unternehmen. Das gilt besonders für die Ausfüllung der riesigen Wasserfläche.

          Die größte technische Herausforderung

          Die Landgewinnung sollte durch Abdecken von bis zu zwölf Meter mächtigen Weichschichten erfolgen. Hinzu kam der Bau einer 4,5 Kilometer langen neuen Hochwasserschutzanlage. Zudem war eine neue Kaimauer erforderlich, an der die Bauteile für das neue Riesenflugzeug umgeschlagen werden konnten sowie der Bau eines Siels- und Pumpbauwerks. Die größte technische Herausforderung bestand jedoch darin, den Sand auf den anstehenden natürlichen Wattboden aufzutragen, ohne dabei die weichen Sedimente, also den Schlick, zu verdrängen. Eine andere Vorgehensweise wäre aus Gründen des Umweltschutzes nicht genehmigt worden. Insgesamt wurden fast 12 Millionen Kubikmeter Sand verrieselt oder aufgespült. Über ein Viertel dieser Menge wurde durch eine zwölf Kilometer lange Rohrleitung aus der flußabwärts liegenden, vor vielen Jahren aufgeschütteten Elbinsel Hahnhöfersand gewonnen, die als Ausgleichsfläche wieder in Süßwasserwatt umgewandelt wurde. Weiterer Sand kam aus dem Hamburger Hafen und der Elbmündung. Bei der Einpolderung der Wasserfläche wurde nicht die klassische Methode des Dammbaus angewandt, vielmehr wurde auf mit Geotextilien ummantelten, bis zu zehn Meter tiefen Sandsäulen, von denen binnen 22 Wochen gut 60.000 gesetzt worden waren, sofort ein Polderdamm errichtet.

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