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Nach dem Absturz : Airbus kämpft gegen Zweifel am A400M

Da war er noch ein Hoffnungsträger: der A400M im September 2010 auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA in Berlin Bild: AFP

Der Absturz des A400M verschärft die Probleme mit dem Prestigeprojekt. Airbus setzt alles daran, den ramponierten Ruf seiner Militärsparte zu retten - auch mit einem neuen Testflug. Dabei stehen die Probleme mit den Triebwerken symptomatisch für eine schattenreiche Geschichte.

          Der jüngste Absturz des Militärtransporters A400M ist ein schwerer Rückschlag für Airbus. Zuletzt verdichteten sich die Hinweise, dass wohl technische Ursachen zu dem Unglück führten, bei dem vier Menschen ums Leben kamen und zwei weitere verletzt wurden. Ein spanischer Airbus-Mitarbeiter, der den Testflug des A400M am vergangenen Samstag überlebte, berichtete gegenüber spanischen Behörden von einem kompletten Ausfall der vier Triebwerke. Zwar bestätigte Airbus diese Angaben. Doch der Hersteller aus Toulouse will erst dann weitere Rückschlüsse aus diesen Informationen ziehen, wenn die inzwischen geborgenen Flugschreiber ausgewertet sind.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Trotz des tragischen Vorfalls beraumte der Hersteller für diesen Dienstag einen weiteren Testflug seines Militärtransporters an, der schon zuvor mit technischen Mängeln, Kostensteigerungen und Terminverzögerungen für Schlagzeilen sorgte. Dabei werde der frisch ernannte Programmchef für den A400M, Fernando Alonso, der noch bis Januar die Testflugabteilung von Airbus leitete, an dem Testflug teilnehmen, um das Vertrauen in die Maschine unter Beweis zu stellen, teilte der Hersteller mit.

          Triebwerke ausgefallen : Neue Erkenntnisse zum Absturz des A400M

          Wenn sich ein Triebwerkschaden tatsächlich als Unfallursache bestätigen sollte, wäre das A400M-Projekt in seinem Kernstück schwer getroffen. Denn die bisherigen Schwierigkeiten bei Entwicklung und Bau der vier großen Propeller-Triebwerke waren symptomatisch für die schattenreiche Geschichte des A400M. Beim Programmstart 2003 hatte Airbus noch für ein Propeller-Triebwerk des kanadischen Herstellers Pratt & Whitney plädiert, das auf erprobten Vorgängern aufbauen sollte. Das Angebot der Kanadier wäre zudem günstiger gewesen

          Gewaltige Kostenschübe

          Doch um die Abhängigkeit von Herstellern aus Übersee zu vermeiden, favorisierten die an dem Prestigeprojekt beteiligten europäischen Regierungen ein heimisches Konsortium – bestehend aus den Triebwerkherstellern ITP (Spanien), MTU Aero Engines (Deutschland), Rolls-Royce (Großbritannien), und Snecma (Frankreich), um künftig gemeinsam das größte Propeller-Triebwerk der westlichen Welt zu bauen.

          In dieser Form hatten die Hersteller noch nie zusammengearbeitet, daher kam es schon bald zu technischen Schwierigkeiten, unter anderem mit der Software, sowie zu Lieferverzögerungen und Budgetüberschreitungen. Zwischenzeitlich drohte Airbus dem Triebwerk-Konsortium mit dem Namen „Europrop“ sogar mit Schadensersatzforderungen. Im Laufe der Jahre wurden die Probleme jedoch überwunden, wie die Unternehmen heute sagen. Geblieben ist jedoch die große Zersplitterung bei der Aufgabenteilung. So ist beispielsweise MTU in München nur für einige Kunden für die Endmontage zuständig. Zudem liefert das Unternehmen die Triebwerksregelung und führt die letzten Tests durch, so auch für die Triebwerke der Unglücksmaschine. Es waren keinerlei Auffälligkeiten festgestellt worden, hieß es bei MTU am Montag.

          Auch die Bundeswehr ist betroffen

          Gewaltige Kostenschübe waren die Folge. Ursprünglich hatten die sieben Partnernationen für den A400M rund 20 Milliarden Euro eingeplant. Im Zuge der bisherigen Mängel und Verzögerungen ist dieser Wert um fast acht Milliarden Euro gestiegen. Kenner des Programms taxieren die Mehrkosten sogar auf 11 Milliarden Euro. Ursprünglich sollten bei dem Militärprogramm erstmals Verträge nach den üblichen Konditionen in der Industrie ausgehandelt werden. Statt wie bisher Selbstkosten und Gewinnmargen getrennt auszuhandeln, wurden zwischen Airbus und den Militärs jeweils Festpreise vereinbart.

          Kostgänger von Airbus: Pannen und Verzögerungen treiben die Kosten des Prestigeprojekts auf 28 Milliarden Euro.
          Kostgänger von Airbus: Pannen und Verzögerungen treiben die Kosten des Prestigeprojekts auf 28 Milliarden Euro. : Bild: Reuters

          Der Hersteller aus Toulouse wollte das Vertragsmodell jedoch nicht mehr akzeptieren und drohte 2009 mit der Einstellung des Programms. Trotz Nachschüsse der Partner bleibt der A400M für Airbus ein Verlustgeschäft, zumal Exportaufträge nach dem jüngsten Unfall ausbleiben dürften. Die Aktie von Airbus verlor am Montag zeitweise mehr als vier Prozent.

          Der Absturz des Militärtransporters trifft auch die Bundeswehr, die 53 Flugzeuge bestellt und dringend auf Ersatz für ihre überalterte Transall-Flotte hofft. Doch der A400M rangiert – neben dem Schützenpanzer Puma oder der Fregatte 125 – ganz oben auf der Liste der 15 wichtigsten Rüstungsvorhaben, die durch technische Mängel kostspielige Verzögerungen nach sich ziehen. Ende 2014 legten die Berater von KPMG eine Studie vor, die bei den Rüstungsprojekten die technischen Mängel auflistete. Bei dem Prestigeprojekt A400M reichte die Aufzählung von Konstruktionsmängeln am Flugzeugrumpf über Fehler in der Software für die Bordelektronik bis hin zu Aussetzern im Turboprop-Antrieb, berichten Mitarbeiter. So soll die deutsche Luftwaffe, die ihren ersten Militärtransporter Ende 2014 geliefert bekam, allein 161 Mängel nach der Abnahme festgestellt haben.

          Quelle: F.A.Z.

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