EADS-Chef Louis Gallois dringt auf einen schnelleren Abbau von Airbus-Arbeitsplätzen in Deutschland. Der Jobabbau laufe in Deutschland langsamer als in Frankreich, Spanien oder Großbritannien, weil die Prozeduren für die Sozialpläne länger dauerten, sagte Gallois der Zeitung „La Dépêche du Midi“. „Diese Lage muss korrigiert werden.“
Gallois widersprach französischen Befürchtungen, die Deutschen dehnten ihren Einfluss bei Airbus aus. Die Entscheidung, die Fertigung des Typs A320 in Toulouse auf 14 Maschinen zu beschränken und die darüber hinaus gehenden Maschinen in Hamburg zu montieren, sei bereits 2001 gefallen. Airbus-Chef „Tom Enders integriert Airbus als einheitliches Unternehmen: Er hat Recht damit“, sagte Gallois. So habe Enders einen Franzosen mit der Verkabelung des Militärtransporters A400M in Bremen betraut.
A350 wird in Toulouse gebaut
Im Sommer soll das Sanierungsprogramm „Power8“ verschärft werden. Die Maßnahmen würden hauptsächlich 2011 und 2012 Wirkung zeigen, sagte Gallois. Sie seien angesichts prall gefüllter Auftragsbücher „kein Drama“ für die Beschäftigung bei Airbus und seinen Zulieferern. Airbus bezahle derzeit 50 Prozent seiner Vorprodukte in Dollar; dieser Anteil solle erhöht werden.
Die „wesentlichen“ Airbus-Arbeiten blieben in Europa, sagte Gallois. „Es gibt zwei Welthauptstädte des Flugzeugbaus: Toulouse und Seattle (Boeing). Und es gibt keinen Grund, das zu ändern.“ Angesichts des niedrigen Dollarkurses habe Airbus einen Auftrag für ein Rumpfstück des Langstreckenjets A350, der an die italienische Alenia gehen sollte, an den amerikanischen Anbieter Spirit vergeben. Airbus stärke aber auch das Industrieumfeld in Toulouse. „Airbus wird sich mit 30 Millionen an der Schaffung eines Investitionsfonds (für Toulouse) beteiligen, der 100 Millionen Euro erreichen dürfte“, sagte Gallois.
Der EADS-Chef wies die Befürchtung zurück, im geplanten Montagewerk in Alabama könnte neben dem A330-Frachter auch der A350 montiert werden. Der A350 werde in Toulouse gebaut. Ab Ende 2009 würden monatlich vier A320 in China montiert werden, „nicht mehr“. Angesichts der hohen Treibstoffpreise bleibe EADS zudem Partner von Alenia bei der Herstellung der Propeller-Verkehrsflugzeuge ATR.
A380 verzögert sich möglicherweise um einen weiteren Monat
Außerdem machte Gallois deutlich, dass sich die Auslieferung des Super-Airbus A380 unter Umständen um einen weiteren Monat verzögern könnte. „Wir mussten die Produktion herunterfahren“, sagte der Chef des Airbus-Mutterkonzerns. „Die Verzögerung beläuft sich auf drei bis vier Monate“, fügte er hinzu. Airbus-Chef Tom Enders hatte bei Bekanntgabe der erneuten Verzögerungen Mitte Mai noch von zwei bis drei Monaten gesprochen. Nach den Aussagen von Gallois könnten die Fluglinien somit noch einen Monat länger auf ihre Großraumflugzeuge warten.
„Für unsere Kunden ist das ärgerlich, wir werden Schadensersatz zahlen müssen“, sagte Gallois. „Aber es ist keine Katastrophe“, betonte er. Wegen Problemen bei dem Einbau der umfangreichen und komplexen Verkabelung war der erste A380 bereits mit fast zweijähriger Verspätung ausgeliefert worden. Nun hapert es an der Umstellung von mühevoller Handarbeit zu automatisierten Prozessen. Die Fluggesellschaft Air France-KLM kündigte am Donnerstag an, für die weitere Verspätung Schadensersatz einzufordern. Air France hat zwölf Airbus A380 bestellt und sollte sie ab April 2009 erhalten. Die Verzögerung beim A380 hat Airbus bereits Milliarden gekostet und ein Sparprogramm nach sich gezogen.
