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Air Berlin : Auch Mittwoch Flugausfälle

  • Aktualisiert am

Dutzende bleiben voraussichtlich auch am Mittwoch am Boden: Flugzeuge von Air Berlin Bild: dpa

1500 Piloten hat die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin. 200 von ihnen haben am Dienstag ihre Krankmeldung eingereicht. Für Mittwoch sieht es nicht viel besser aus.

          Krankmeldungen von Piloten gefährden den Fortgang des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung von Air Berlin. 200 von 1500 Piloten haben sich am Dienstag kurzfristig krankgemeldet. Etwa 110 der geplanten 750 Flüge fielen danach aus. Betroffen waren auch Flüge der Lufthansa-Marke Eurowings, für die 33 Air-Berlin-Jets – samt Personal – fliegen. Hält die Misere im Flugbetrieb an, wächst die Sorge, dass das Amtsgericht Charlottenburg die Sanierung in Eigenregie in ein reguläres Insolvenzverfahren umwandeln könnte. In diesem Fall müssten wohl alle Air-Berlin-Flugzeuge am Boden bleiben. Der Generalbevollmächtigte von Air Berlin, Frank Kebekus, warnte daher: „Wenn sich die Situation nicht kurzfristig ändert, werden wir die laufenden Sanierungsbemühungen einstellen müssen.“

          Ebenso drohen für Mittwoch Dutzende Flugausfälle: „Für morgen liegen uns gegenwärtig 149 Krankmeldungen von Kapitänen und First Officers vor“, schrieb der Vorstand der Fluglinie am Dienstag in einem internen Brief an die Belegschaft. Das Schreiben lag der Deutschen Presse-Agentur vor. „Das bedeutet, dass uns am Mittwoch ein ähnliches operatives Desaster wie heute droht. Dies wird uns noch näher an den Abgrund
          bringen“, heißt es in dem Brief von Airline-Chef Thomas Winkelmann und seinen Vorstandskollegen Oliver Iffert und Martina Niemann.

          „Vollständige Liquidation von Air Berlin“ möglich

          Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) äußerte sich über das Verhalten ihrer Mitglieder besorgt. Man könne nicht mit wilden Streiks, sondern nur mit Verhandlungen über einen Sozialplan für einen geordneten Übergang des Personals auf einen neuen Eigentümer sorgen. Die dadurch verursachten Ausfälle im Flugbetrieb könnten die laufende Rettung massiv gefährden, heißt es auch bei der VC. Daher wolle man auf die Kollegen einwirken, ihren passiven Streik aufzugeben. Unklar blieb, ob krankgemeldete Piloten am Mittwoch wieder zum Dienst erscheinen wollen. Sollte der Krankenstand über Tage hoch bleiben, hätte das nach Ansicht von Insolvenzanwalt Kebekus die „Einstellung des Flugbetriebs und danach eine vollständige Liquidation von Air Berlin“ zur Folge.

          Äußerungen von VC-Präsident Ilja Schulz über die Zukunft der Fernrouten von Air Berlin dürften nach Ansicht von Kritikern die Unsicherheit unter den Piloten verstärkt haben. Aus seiner Sicht sei zu befürchten, dass der Langstreckenbetrieb eingestellt werden solle, um Personalkosten zu sparen und Air Berlin für Käufer attraktiv zu machen. Schließlich werden die Routen von Düsseldorf von Piloten der ehemaligen LTU geflogen, die seit Jahren zu Air Berlin gehört. Verunsichert durch die düstere Vision des VC-Chef hätten sich Flugkapitäne krankgemeldet. „Die Entscheidung, welche Arbeitnehmer zu welchen Konditionen übernommen werden, kann Air Berlin nicht diktieren, sondern ist Sache der neuen Eigentümer“, stellte Kebekus am Dienstag klar.

          Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit

          Intern stößt der informelle Pilotenaufstand noch aus einem anderen Grund übel auf. Die Air-Berlin-Beschäftigten erhalten aktuell Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit. Diese Zahlungen sind aber gedeckelt, sie orientieren sich maximal an einem Bruttoentgelt in Höhe der Beitragsbemessungsgrenze zur Rentenversicherung von 6350 Euro im Monat. Für zahlreiche Piloten würde das zu Einbußen führen. Da sie intern als wichtigste Berufsgruppe gelten, hatte der Gläubigerausschuss auf seiner ersten Sitzung den Weg freigemacht, dass ihnen die Differenz zwischen Insolvenzgeld und aktuellem Lohn ausbezahlt wird.

          Unter den auf Langstrecken eingesetzten Air-Berlin-Piloten geht ohnehin die Furcht um, dass sich die beruflichen Perspektiven verschlechtern. Auch Jahre nach der Übernahme von LTU durch Air Berlin arbeiten viele von ihnen noch zu Tarifkonditionen, die sie – neben den 5400 Piloten der Deutschen Lufthansa – zu den Spitzenverdienern der heimischen Luftfahrt machen. Nicht von ungefähr stehen für die Fluggesellschaft Condor, die sich für eine Übernahme des Air-Berlin-Langstreckengeschäfts interessiert hat, nach Angaben aus Verhandlungskreisen aktuell eher die kürzeren Ferienflugstrecken der Tochtergesellschaft Niki im Fokus.

          Quelle: tko./ufe. mit dpa

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