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Voranfrage für Bürgschaft : Air Berlin will Geld vom Staat

Air-Berlin-Flugzeuge in Berlin-Tegel Bild: Reuters

Die Fluggesellschaft steckt tief in der Krise. Nach den gescheiterten Verhandlungen zwischen Großaktionär Ethihad und Tui könnte jetzt der Steuerzahler dem klammen Unternehmen aus der Patsche helfen.

          Die Rettung von Air Berlin hängt am seidenen Faden. Am Donnerstag bestätigte ein Sprecher, dass die Fluggesellschaft bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine Anfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrages gestellt habe. Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), sagte dazu: „Air Berlin ist nicht nur ein Berliner Unternehmen, sondern trägt den Namen unserer Stadt täglich in die Welt hinaus.“ Das Land werde mit dem Bund die Bürgschaftsanfrage „sorgfältig prüfen“.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Henrike Roßbach

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Air Berlin müsse jedoch seine Hausaufgaben machen und den Flugbetrieb stabilisieren, um verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. „Wir werden im Rahmen unserer Möglichkeiten prüfen, inwieweit das Land Berlin eine zukunftsorientierte Strategie der Airline unterstützen kann.“ Das Bundeswirtschaftsministerium äußerte sich nicht.

          Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner machte jedoch schnell Vorbehalte gegen eine Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen deutlich. Lindner, der als liberaler Verhandlungsführer bei den schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen in NRW auch großen Einfluss auf den Kurs der geplanten Landesregierung hat, betonte im Gespräch mit der „Bild“-Zeitung: „Mit der FDP wird der Steuerzahler nicht für Missmanagement haften.“ Bürgschaften des Landes würden nicht wie Subventionen von der Politik nach Gutdünken vergeben. Die Verfahren für Bürgschaften sähen eine unabhängige Prüfung vor. „Im Fall von Air Berlin ist eine unternehmerische Perspektive noch nicht sichtbar“, bemängelte der FDP-Politiker.

          Der Großaktionär der Fluggesellschaft, Etihad Airways, hatte zuvor mitgeteilt, dass der zwischen Air Berlin und dem Touristikkonzern TUI ausgehandelte Ferienflugverbund gescheitert sei. Daher werde die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens, an dem sich Etihad und TUI hätten beteiligen sollten, nicht mehr verfolgt. Die Ausgründung des Ferienflug-Geschäftes aus der Air Berlin-Gruppe und die Kooperation mit TUI waren bislang zentrale Bausteine für die Sanierung der Fluggesellschaft, die wegen Schulden in Milliardenhöhe und hoher Millionen-Verluste seit Jahren um die Existenz bangt.

          Scheichs leiden auch unter Beteiligung an Alitalia

          Um die wirtschaftliche Misere zu beenden, leitete Großaktionär Etihad, der fast 30 Prozent an Air Berlin hält, eine Korrektur des bisherigen Geschäftsmodells ein. Verstärkt wurde der Leidensdruck zuletzt durch den Umstand, dass die Scheichs aus Abu Dhabi auch bei der hochdefizitären und vor dem Aus stehenden Fluggesellschaft Alitalia beteiligt sind.

          Der vollzogene Schwenk führte zu einer Aufspaltung von Air Berlin in drei Geschäftseinheiten. Zentral war dabei die Neuausrichtung das Touristikgeschäftes, das Air Berlin für 300 Millionen Euro auf seine Tochtergesellschaft Nikki in Wien übertragen hat. Der Anbieter aus Österreich sollte dann – unter Führung von Etihad – in dem Gemeinschaftsunternehmen mit TUI aufgehen, das in diesem Segment seit Jahren mit TUI Fly tätig ist.

          „Die Lufthansa ist einer von einigen möglichen Partnern“

          Nach dem Ausstieg aus der Ferienfliegerei wollte sich Air Berlin unter Führung des neuen Vorstandschefs Thomas Winkelmann auf das Kerngeschäft mit Geschäftsreisenden konzentrieren. Um dort Kosten zu sparen, wurden allein 38 Flugzeuge – samt Personal – an den langjährigen Rivalen Deutsche Lufthansa vermietet. Dass Air Berlin nach einem Rekordverlust von 782 Millionen Euro im vergangenen Jahr händeringend einen neuen Investor oder finanzstarken Partner zum Überleben sucht, stellte Winkelmann jetzt abermals klar: „Wir müssen 2017 einen Partner finden, und die Lufthansa ist einer von einigen möglichen“, sagte der Air Berlin-Chef, der zuvor lange für den deutschen Branchenführer tätig war. Er prüfe alle Optionen, die für Air Berlin wirtschaftlich sinnvoll seien und die rund 8500 Arbeitsplätze langfristig sicherten.

          Lufthansa-Chef Carsten Spohr äußerte sich dagegen skeptisch zu den Chancen einer Übernahme. Zum einen hätten die Kartellwächter Bedenken; darüber hinaus habe Air Berlin immer noch zu hohe Kosten, sagte er am Mittwoch in Washington. Er forderte zudem, dass der arabische Großaktionär Air Berlins Schulden von rund 1,2 Milliarden Euro komplett übernehmen müsse. Doch in der Etihad-Zentrale wächst in jüngster Zeit der Widerstand gegen einen solchen Schritt, berichten Kenner in Abu Dhabi. Deshalb bereite sich das Management mit der Anfrage auf einen Bürgschaftsantrag auf mögliche Turbulenzen vor.

          „Keine Auswirkungen auf den Flugbetrieb“

          Nach dem Scheitern des Ferienflugverbundes werden die Urlaubsflüge der Air Berlin Group nun „als separate Geschäftseinheit unter der Marke Niki weitergeführt“, teilte Etihad mit. Air Berlin betonte, mit dem Abbruch der Verhandlungen sei ausschließlich eine Änderung der Gesellschafterstruktur verbunden. Das habe „keine Auswirkungen auf den Flugbetrieb der Air Berlin Group“.

          Die Führung von TUI ist nach eigenen Angaben vom Rückzug Etihads überrascht worden. In dem Konzern glaubt man jedoch, dass die Gespräche wieder an Fahrt gewinnen werden, sobald Etihad sein Management für die Führung der europäischen Engagements geordnet hat. Der Starttermin für den Ferienflugverbund war zuvor mehrfach verschoben worden. Jetzt soll TUI Fly in Eigenregie überleben: „Wir werden die Neupositionierung der deutschen TUI Fly vorantreiben, um für unsere Gesellschaft und ihre Mitarbeiter eine wirtschaftlich tragfähige Perspektive entwickeln“, sagte Sebastian Ebel, der für die Region Zentraleuropa zuständige TUI-Vorstand.

          Quelle: F.A.Z.

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