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Adidas-Skandal in Amerika : Warum Collegesport anfällig für zwielichtige Geschäfte ist

Adidas soll Geld an Eltern von jungen Basketballspielern in Louisville gezahlt haben. Bild: AFP

Korruptionsvorwürfe bringen Sportartikelhersteller Adidas in Bedrängnis. Der Skandal zeigt auch, welchen Stellenwert der milliardenschwere Collegesport in Amerika hat – und welche Probleme er mit sich bringt.

          „Es ist in den Büchern, aber nicht als das, wofür es tatsächlich gedacht ist.“ So steht es in der 29 Seiten langen Anklageschrift, die den deutschen Sportartikelhersteller Adidas in den Vereinigten Staaten in immense Erklärungsnot bringt. Das Zitat stammt aus einem im Juli dieses Jahres von den Ermittlern abgehörten Telefonat und wird auf James Gatto zurückgeführt, der für Adidas die globalen Marketingaktivitäten im Basketball betreut. Es beschreibt nach Auffassung der Staatsanwaltschaft den Versuch, eine Bestechungszahlung von 100.000 Dollar an einen Basketballspieler an einer amerikanischen Schule zu vertuschen. Mit dem Geld habe Gatto sicherstellen wollen, dass der Athlet an eine von seinem Unternehmen gesponserte Universität wechselt. Gatto gehört zu einer Gruppe von zehn Personen, die am Dienstag festgenommen worden sind.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Neben dem Adidas-Manager handelt sich dabei vor allem um Basketballtrainer an amerikanischen Universitäten und Spielerberater. Den Festgenommenen wird vorgeworfen, Teil eines großangelegten Komplotts gewesen zu sein, das aufstrebende Spieler mit Schmiergeld zu Universitäten lotsen sollte, mit deren Basketballteams Adidas Sponsoring-Verträge hat. Die Deutschen finden sich damit inmitten eines Bestechungsskandals wieder, der sich als schwerer Rückschlag in den Vereinigten Staaten entpuppen könnte.

          Das kommt ausgerechnet in einer Zeit, in der Adidas hier gegenüber dem amerikanischen Marktführer Nike Boden gutmacht. Nike meldete erst am Dienstag einen Umsatzrückgang auf seinem Heimatmarkt, dagegen hat Adidas hier in seinem jüngsten Berichtsquartal ein währungsbereinigtes Wachstum von 26 Prozent geschafft. Adidas scheint von den Geschehnissen in Amerika selbst überrascht worden zu sein und hat offenbar erst nach der Festnahme seines Mitarbeiters davon erfahren. „Die Vorwürfe sind uns seit Dienstag bekannt“, sagte eine Sprecherin in Herzogenaurach auf Anfrage. Der betreffende Manager sei bis auf weiteres freigestellt worden. „Wir werden vollumfänglich mit den relevanten Behörden zusammenarbeiten.“

          Der Skandal trifft das in Amerika sehr wichtige Sportsegment in Schulen (Highschools) und Universitäten (Colleges). College-Teamsport hat in dem Land einen enormen Stellenwert und ist bisweilen sogar bedeutender als professionelle Ligen wie die NBA im Basketball oder die NFL im Football, gerade in Gegenden, die kein eigenes erfolgreiches Profi-Team haben. Entsprechend ist der College-Sport auch ein großes Geschäft, und Sportartikelkonzerne wie Adidas oder Nike schließen hochdotierte Ausrüsterverträge, oft für zweistellige Millionensummen im Jahr.

          Adidas hat es zu einer Priorität erklärt, sich jenseits der großen Ligen auch mehr in Colleges und Highschools zu etablieren. „Wir müssen stärker in diesem Bereich präsent sein, wenn wir die Marke relevanter machen wollen“, sagte Vorstandsvorsitzender Kasper Rorsted vor wenigen Monaten zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Erst im August verlängerte Adidas seinen Ausrüstervertrag mit der University of Louisville um weitere zehn Jahre, die Deutschen wollen sich dies insgesamt 160 Millionen Dollar kosten lassen. Um diese Universität in Louisville geht es auch bei der in der Anklageschrift beschriebenen Zahlung von 100.000 Dollar. Die Summe soll unter anderem auf Betreiben des Adidas-Managers Gatto an die Familie eines Schülers geflossen sein, um seinen Wechsel an die Universität zu gewährleisten.

          Problemkreis: Pressekonferenz zur „Causa Adidas“ in New York.
          Problemkreis: Pressekonferenz zur „Causa Adidas“ in New York. : Bild: LANE/EPA-EFE/REX/Shutterstock

          Der Schüler sollte sich weiterhin verpflichten, die Berater zu engagieren, die die Zahlung von Adidas eingefädelt haben. Dieses Geschäft, mit dem das Team in Louisville gestärkt werden sollte, war nur eines von mehreren, das in der Klageschrift aufgeführt ist. Adidas soll sich von Schülern auch die Zusage erkauft haben, einen Vertrag mit dem Unternehmen zu schließen, wenn sie einmal in den Profisport wechseln.

          Die Korruptionsaffäre wirft ein Licht auf die eigentümlichen Regeln im College-Sport, die viele Kritiker sehen. Zwar ist College-Sport ein Millionengeschäft, aber die verantwortliche Organisation NCAA legt großen Wert auf dessen Amateurstatus, weshalb die Spieler kein Gehalt bekommen dürfen. Die NCAA argumentiert, damit solle sichergestellt werden, dass in den Universitäten die Ausbildung wichtiger bleibe als der Sport. Es gibt außerdem eine Regel im Basketball, die es Spielern erschwert, unter Umgehung der Colleges direkt von der Highschool in den Profisport zu wechseln. Das macht den Hochschulsport anfällig für zwielichtige Geschäfte.

          Eine der wenigen guten Nachrichten für Adidas war es, dass es nach Angaben der Staatsanwaltschaft bislang keine Bestechungsvorwürfe gegen höherrangige Manager als James Gatto gibt. Es wurde aber auch darauf hingewiesen, dass die Ermittlungen andauern. In der Anklageschrift wird suggeriert, dass nicht nur Adidas Schmiergelder gezahlt haben könnte. In einem der abgehörten Gespräche habe ein Berater gesagt, das Unternehmen habe „einen bestimmten Betrag“ an einen Spieler zahlen wollen, aber ein Wettbewerber habe mehr geboten.

          In jedem Fall steht Adidas aber nun vor der Aufarbeitung einer neuen Affäre, denn der Dax-Konzern will eine „eigene gründliche Untersuchung“ mit Hilfe von externen Beratern und Juristen durchführen. Diese interne Untersuchung soll offenbar sicherstellen, dass sich so ein Fall nicht wiederholt. Auch muss geklärt werden, warum die Vorkommnisse nicht früher bekanntgeworden sind. Zudem gilt es, das Instrumentarium und die Kontrollmechanismen für die Einhaltung regel- und gesetzeskonformen Handelns (Compliance) auf die jüngsten Geschehnisse hin zu überprüfen.

          Quelle: F.A.Z.

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