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Adam Opel AG Ein Rekord und ein langer Abstieg

17.11.2008 ·  In der Beziehung zwischen Opel und General Motors ging es lange bergauf. Der Einschnitt kam schließlich mit der Ölkrise. Seitdem hakt es im Getriebe der 1929 geschlossenen Verbindung.

Von Carsten Knop
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Das ist die große Geschichte von Opel: Der Sprecher des Finanzministers fährt einen, der Sprecher der Kanzlerin fuhr einen, und der Opa des Wirtschaftsministers besaß vor Urzeiten einen „Olympia“. Das ist die jüngere Vergangenheit: Millionen Autokäufer haben sich in den vergangenen Jahren gegen Opel entschieden. Und das ist die Gegenwart: Opel steht mit dem Rücken zur Wand, vor allem, aber nicht nur, wegen der finanziellen Schwierigkeiten der amerikanischen Muttergesellschaft General Motors (GM).

Im Ringen um staatliche Bürgschaften geht es nun um viele Arbeitsplätze - und um eine große Tradition, die vor 146 Jahren begründet wurde. Damals produzierte Opel ursprünglich Nähmaschinen und Fahrräder. Erst im Laufe der Unternehmensgeschichte entwickelte sich der Konzern zu einem großen europäischen Autohersteller. Im Jahr 1929 übernahm GM die Adam Opel AG. Rund 33,4 Millionen Dollar mussten die Amerikaner für den damals größten deutschen Autohersteller bezahlen - nach damaligen Maßstäben eine enorme Summe. Es folgten viele gute Jahre, der zweite Weltkrieg, der Ausstieg- und der Wiedereinstieg der Amerikaner. Dann kam das Wirtschaftswunder.

„Ascona“, „Manta“ und der „Rekord“

Die große Blütezeit von Opel waren die sechziger und siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Am 9. Juli 1964 lieferte Opel den fünfmillionsten Wagen aus. Die Produktion im Werk Bochum lief auf Hochtouren: 1965 sind 500.000 Autos des Erfolgsmodells „Kadett“ hergestellt, und nur 21 Monate später ist die Million erreicht. Im gleichen Jahr 1966 wird das Zweigwerk Kaiserslautern eröffnet, das Gelenkwellen, Stoßdämpfer und Fachwerksteile herstellt. Ab Herbst 1970 sind die Modelle mit den ebenfalls noch heute bekannten Namen „Ascona“ und „Manta“ im Programm. Das zehnmillionste Opel-Automobil, ein „Rekord“, läuft im September 1971 im Stammwerk Rüsselsheim vom Band.

Dann der Höhepunkt, der Rekord für den „Rekord“: Im Jahr 1972 hatte Opel 20,4 Prozent Marktanteil noch vor Volkswagen und erreichte mit fast 878.000 Einheiten die höchste Stückzahl seit Beginn der Autoherstellung 1899. In diesen Tagen hätte wohl niemand etwas Kritisches über die Zusammenarbeit mit den Amerikanern gesagt. Für den ersten tiefen Rückschlag sorgte in den Jahren 1980 bis 1982 die zweite Ölkrise, die für die Branche einen stärken Abschwung brachte als die Weltwirtschaftskrise 1929/30. Das erste Mal seit 1950 machte Opel Verlust: 411 Millionen DM im Jahr 1980. Über 7500 Beschäftigte wurden, teilweise mit Abfindungen, entlassen. Nur der neue „Kadett“ D mit Frontantrieb verkaufte sich zufriedenstellend.

Seit Ende der achtziger Jahre führten durch rigorose Sparmaßnahmen ausgelöste Qualitätsschwierigkeiten und ein in den Augen der Kunden wenig innovatives Design zu einer negativen Entwicklung des Rufs der Marke Opel, vor allem im Vergleich zum Hauptkonkurrenten Volkswagen. Mitte der neunziger Jahre kam es zur sogenannten López-Affäre um den ehemaligen Opel-Manager José Ignacio López de Arriortua, der für viele der Sparmaßnahmen (die später den „Ehrentitel“ Lopez-Effekt bekommen sollten) verantwortlich war. Ihm wurde vorgeworfen, bei seinem Wechsel 1993 zu Volkswagen interne Unterlagen von Opel an seinen neuen Arbeitgeber weitergegeben zu haben.

Mehrtägiger Streik der Belegschaft

Auch in den Jahren danach kam es immer wieder zu Abstimmungsschwierigkeiten zwischen der GM-Zentrale in Detroit, der GM-Europazentrale in Zürich und der deutschen Opel-Zentrale in Rüsselsheim. Verbunden mit oftmals hektischen Personalwechseln häuften sich Versäumnisse in der Modellpolitik, in der Produktion und der Qualitätssicherung.

Der Marktanteil von Opel sank in der Folge auf einen bisherigen Tiefpunkt von 9,1 Prozent im Jahr 2007. Eine anhaltend schlechte Konjunktur drückte zusätzlich auf die Absatzzahlen. Die daraus resultierenden Milliardenverluste führten zu einem drastischen Abbau von Kapazitäten und Mitarbeitern.

Im Werk Bochum, wo von ursprünglich bis zu 23.000 Arbeitsplätzen nur noch rund 6000 Arbeitsplätze erhalten bleiben sollten, kam es deswegen im Oktober 2004 zu einem mehrtägigen Streik der Belegschaft, der mit einem Teilerfolg endete. Im Jahr 2006 hatte Opel in Deutschland nur noch 27.661 Mitarbeiter - zehn Jahre zuvor waren es noch 46.000.

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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