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Veröffentlicht: 07.05.2016, 12:03 Uhr

ADAC Neue Panne im Klub der Pannenhelfer

Der ADAC will heute in Lübeck seine „Reform für Vertrauen“ beschließen. Doch in den eigenen Reihen regt sich Widerstand. Jetzt droht ein Machtkampf.

von , München
© Picture-Alliance Neuer Schadensfall: Die skandalerbrobten Gelben Engel geraten bei ihrer Neuausrichtung in die Klemme.

Normalerweise sind die Delegiertenversammlungen des ADAC ein friedliches Treffen altgedienter Autoklubfunktionäre. Doch wenn die 197 Delegierten des 19-Millionen-Mitglieder-Vereins heute im „Hanseatischen Hof“ in Lübeck zusammenkommen, um über ein Reformkonzept abzustimmen, wird es wohl hoch hergehen. ADAC-Präsident August Markl wirbt in dem 4-Sterne-Hotel ein letztes Mal für seine „Reform für Vertrauen“, die mit der Dreiteilung des Klubs endgültig die schwerste Krise in der 113 Jahre währenden Geschichte vergessen machen soll. Ausgerechnet sein Vorgänger Peter Meyer, unter dessen Regentschaft nach den frisierten Leserwahlen zum Autopreis „Gelber Engel“ vor mehr als zwei Jahren eine Skandalserie ihren Lauf nahm, hält diese Strukturreform nun für überflüssig.

Henning Peitsmeier Folgen:

So offen hat Meyer das bisher nicht gesagt. Aber der von ihm geführte Regionalklub ADAC Nordrhein, dem immerhin 2,7 Millionen Mitglieder und gut ein Siebtel der Delegierten angehören, hat zwei juristische Gutachten vorgelegt. Sie richten sich klar gegen Markls „Dreisäulenmodell“, das den ADAC teilt in einen Kernverein mit Pannenhilfe und Verbraucherschutz, in eine Aktiengesellschaft mit dem Verkauf von Versicherungen und Finanzdienstleistungen und eine Stiftung mit Luftrettung und Motorsportförderung. Dieses Modell soll dem Klub der „Gelben Engel“ den steuersparenden Status des Idealvereins retten.

„Das Dreisäulenmodell ist überhaupt nicht nötig, um den Vereinsstatus zu behalten“, sagte jetzt Rechtsanwalt Hendrik Schindler von der renommierten Kanzlei CMS gegenüber der F.A.Z: „Es schädigt sogar die ADAC-Mitglieder, weil dem Verein irreversibel erhebliche Vermögenswerte entzogen werden.“ Schindler ist einer der beiden Gutachter, er wurde vom ADAC Nordrhein beauftragt. Ein zweites Gutachten hat der Direktor des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht, Professor Holger Fleischer, vorgelegt. Auch dieses Gutachten kommt zu dem Schluss, die Reform schieße über das Ziel hinaus: Mit der Aufteilung verliere der Verein „den Zugriff auf Vermögenswerte im hohen dreistelligen Millionenbereich“, heißt es. Die verantwortlichen ADAC-Vorstände könnten sogar wegen „Verschwendung von Vereinsvermögen“ belangt werden. Außerdem müsse die Reform in Lübeck mit einer Dreiviertelmehrheit beschlossen werden.

Hans-Jürgen Papier © dpa Vergrößern Hans-Jürgen Papier: früher Präsident des Bundesverfassungsgerichts

Für Markl und seine Reformer im ADAC sind die Ergebnisse der beiden Gutachten ein Rückschlag. Zwei Jahre lang hat ein Team von gut 100 Mitarbeitern an der Neuausrichtung des Klubs gearbeitet. Ein externer Beirat, in dem honorige Persönlichkeiten saßen wie die Transparency-Deutschland-Chefin Edda Müller, war ebenso eingebunden wie die Wirtschaftskanzlei Freshfields, die neue Compliance-Regelungen formuliert hat. Und Hans-Jürgen Papier, der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, hat immer wieder darauf hingewiesen, dass die „Trennung des eingetragenen Vereins von den wirtschaftlichen Aktivitäten“ nötig sei, „um den Vereinsstatus zu bewahren.“

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