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Ackermann „Wir haben das Schlimmste gerade noch verhindern können“

28.07.2009 ·  Josef Ackermann hat vor dem HRE-Untersuchungsausschuss das Vorgehen zur Notrettung der HRE verteidigt. Die privaten Banken wären allein überfordert gewesen, sagte der Vorstandschef der Deutschen Bank. Detailliert schilderte er den Verlauf der Verhandlungen mit der Bundesregierung im vergangenen September, an dessen Ende die Notrettung des Immobilienfinanzierers stand.

Von Joachim Jahn, Berlin
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Dramatische Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten wären weit über Deutschland hinaus entstanden, wenn die Hypo Real Estate (HRE) nicht gerettet worden wäre. Das sagte der Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, am Dienstag vor dem Ausschuss des Bundestags, der den Beinahe-Zusammenbruch des Immobilienfinanzierers untersucht. Die privaten Banken wären allein überfordert gewesen, äußerte Ackermann. Bis zum Kollaps der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers kurz zuvor habe er noch geglaubt, rasch durch die Krise zu kommen: „Der Kollaps hat das Ganze dramatisch verändert.“

Detailliert schilderte er den Verlauf des Wochenendes im vergangenen September, an dessen Ende ein Konsortium von Geldinstituten und Versicherungen sich mit der Bundesregierung auf ein Rettungspaket einigte. Anwesend waren der Staatssekretär von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, Jörg Asmussen (beide SPD), der Präsident des Bankenverbands, Klaus-Peter Müller, sowie die Präsidenten von Bundesbank und Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Axel Weber und Jochen Sanio.

„Wenn mich Frau Merkel nicht erreicht hätte, wäre es zu spät gewesen“

Am späten Abend des Sonntags habe Steinbrück ihn angerufen; Ackermann habe schließlich 7 der erforderlichen 35 Milliarden Euro angeboten. Steinbrück habe abgelehnt und gesagt, darüber müsse er mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprechen. Diese habe ihn auf dem Handy angerufen; daraufhin habe Ackermann nach Rücksprache mit den Bankvertretern 8,5 Milliarden Euro angeboten. „Um Viertel vor eins haben wir gerade noch das Schlimmste verhindern können. Wenn mich Frau Merkel nicht erreicht hätte, wäre es zu spät gewesen. Wir hatten schon unsere Zelte abgebrochen.“ Kurz vor Öffnung der Börse in Tokio hätte man dann mitteilen müssen, dass die HRE geschlossen werde und der Einlagensicherungsfonds nicht einmal die Anleger entschädigen könne.

Vor dem Landgericht München haben die Verhandlungen über Schadenersatzklagen gegen den maroden Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate begonnen. Das Landgericht stärkte den Schadenersatzklägern am Donnerstag den Rücken. Anleger, die zwischen Ende November 2007 und Mitte Januar 2008 Aktien des Münchner Konzerns gekauft hätten, „könnten gewisse Erfolgschancen“ haben, sagte der zuständige Richter Matthias Ruderisch bei der mündlichen Verhandlung von 15 Klagen. Bis zu sieben Kläger fielen in diesen Zeitraum. Es gehe um eventuell zu spät bekanntgegebene Abschreibungen der Bank im Volumen von 390 Millionen Euro. Eine Entscheidung soll Ende Oktober 2009 fallen.

Ackermann wies zwar Deutungen zurück, er habe der Bundesregierung ein zu spätes Handeln vorgeworfen. Er sagte aber: „Wenn das lange Verhandeln Taktik war, hat es uns in eine gefährliche Zone getrieben.“ Doch habe die Politik damals offenbar in vielen Ländern die Tragweite der Risiken noch nicht richtig gesehen. Eine Alternative zur Rettung habe es wegen der Vernetzung auch kleinerer Institute „definitiv nicht“ gegeben. Eine isolierte Insolvenz der irischen Pfandbrieftochter Depfa sei hingegen nach deutschem Recht nicht möglich gewesen, hätten etliche Fachleute damals festgestellt. Dem damaligen Vorstand und Aufsichtsrat der HRE warf er schwere Fehler beim Liquiditätsmanagement und der Beurteilung der Lage vor.

Asmussens Vorgänger Thomas Mirow (SPD), jetzt Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, hatte zuvor ebenfalls den Vorwurf der Opposition zurückgewiesen, der Zusammenbruch der HRE sei früher vorhersehbar gewesen. Stundenlang wurde zudem der jetzige Vorstandschef der HRE, Axel Wieandt, befragt. Mehrere Abgeordnete äußerten dabei ihr Unverständnis darüber, wie einsilbig und ausweichend Wieandt durchgängig antwortete.

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