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Ackermann bleibt „vorsichtig“ Finanzkrise beschert Deutscher Bank neue Milliardenlöcher

31.07.2008 ·  Vor kurzem hatte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann noch von einem nahenden Ende der Finanzkrise gesprochen. Davon ist inzwischen nicht mehr die Rede, im Gegenteil: Der Markführer muss neue Milliardenlöcher verkraften und bleibt für die zweite Jahreshälfte „vorsichtig“.

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Die Deutsche Bank hat die weltweite Finanzkrise noch nicht ausgestanden und muss neue Milliardenlöcher verkraften. Abschreibungen von 2,3 Milliarden Euro ließen den Vorsteuergewinn im zweiten Quartal im Jahresvergleich um drei Viertel auf 642 Millionen Euro einbrechen. Wegen des schwachen Marktumfelds blieb das Investmentbanking - der einstige Wachstumsmotor der Bank - in den roten Zahlen. Eine schnelle Belebung stellte Deutschlands größtes Geldhaus am Donnerstag nicht in Aussicht.

Als Gewinnbringer erweist sich dagegen in Krisenzeiten das Privatkundengeschäft, in dem die Bank auch durch Zukäufe wachsen will. „Mit Blick auf die zweite Jahreshälfte bleiben wir vorsichtig“, erklärte Vorstandschef Josef Ackermann, der zuletzt noch von einem nahenden Ende der Finanzkrise gesprochen hatte. Das Marktumfeld bleibe schwierig. Das Kapitalmarktgeschäft werde bei allen Banken auch wegen des Konjunkturabschwungs unter Druck bleiben.

Gesamtbelastungen von 7,3 Milliarden Euro

Lange Zeit sah es so aus, als ob die Deutsche Bank ähnlich wie Goldman Sachs oder JP Morgan mit nur kleinen Kratzern aus der seit einem Jahr schwelenden Finanzkrise kommen könnte. Ursprünglich hatte sie für 2008 einen Vorsteuergewinn von 8,4 Milliarden Euro angepeilt - Analysten halten mittlerweile nur noch die Hälfte für möglich. Die Gesamtbelastungen summieren sich inzwischen auf 7,3 Milliarden Euro - im ersten Quartal hatte die Deutsche Bank gar den ersten Verlust seit fünf Jahren geschrieben.

Verglichen mit großen Rivalen wie der Schweizer UBS, der Citigroup oder Merrill Lynch, die zu den stärksten Verlierern der Krise gehören, steht der deutsche Marktführer indes noch gut da. Das gilt auch für die Kapitalausstattung: Mit einer Kernkapitalquote von 9,3 Prozent liegt die Bank im internationalen Vergleich im oberen Bereich. Im vergangenen Quartal entfiel der größte Teil der Abschreibungen bei der Deutschen Bank auf amerikanische Wohnungsbaudarlehen mittlerer Qualität, Engagements bei amerikanischen Kreditversicherern sowie gewerbliche Immobilienkredite.

Auflösung von Steuerrückstellungen stützt Vorsteuergewinn

Die am Markt noch immer schwer verkäuflichen Finanzierungen für große Übernahmen schlugen dagegen anders als in den Vorquartalen kaum zu Buche. Die Bank reduzierte den Bestand dieser Kredite in den Büchern im Vergleich zum Jahresbeginn um 20 Prozent auf 24,5 Milliarden Euro. Auch andere Risikopositionen wurden abgebaut.

Unter dem Strich verdiente das Frankfurter Institut wegen der Auflösung von Steuer-Rückstellungen sogar etwas mehr als vor Steuern: Der Überschuss fiel um 64 Prozent auf 645 Millionen Euro. Ohne Gewinne aus dem Verkauf von Beteiligungen in Höhe von fast 250 Millionen Euro wäre der Ergebnisrückgang deutlicher ausgefallen. Während das Vorsteuerergebnis die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten leicht verfehlte, wurden diese beim Nettoergebnis übertroffen.

Privatkundengeschäft hui, Investmentbanking durchwachsen

Negativ zu Buche schlug die Krise besonders im Investmentbanking, wo nach einem Milliardengewinn im Vorjahr nun im zweiten Quartal ein Verlust von 311 Millionen Euro anfiel. Abgesehen von den Wertberichtigungen auf die Kreditpapiere im Handelsbuch liefen die Geschäfte in dem von Ackermann zum Kernbereich ausgebauten Segment aber überraschend gut. Ohne die Abschreibungen sanken die Erträge im Investmentbanking im Vergleich zum starken Vorjahresquartal lediglich um 16 Prozent. Viele Experten befürchten, dass den Banken wegen der Krise nachhaltig die Einnahmen im Kapitalmarktgeschäft wegbrechen.

Im Privatkundengeschäft legte der Gewinn der Deutschen Bank dank eines Wachstums in Deutschland und Polen um elf Prozent zu und verbuchte nach Bankangaben das beste Quartal in der Geschichte. Angesichts der Stabilität dieses Bereichs in turbulenten Kapitalmarktzeiten setzt Ackermann hier auf Expansion. Interesse angemeldet hat der Schweizer an der Postbank und an der Dresdner Bank. „Wir werden unser Kerngeschäft sowohl durch Wachstum aus eigener Kraft als auch durch sinnvolle Übernahmen weiter ausbauen“, bekräftigte Ackermann. Dabei werde die Bank aber stets diszipliniert bleiben.

Dass die Bank nicht um jeden Preis zukaufen will, zeigte sich zuletzt bei der Citibank. Hier zog sie gegenüber der Credit Mutuel den Kürzeren, weil die französische Genossenschaftsbank mit über fünf Milliarden Euro deutlich mehr zahlen wollte.

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Von Heike Göbel

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