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Abschied ohne Dankesformel Schrempp geht - was wird aus Cordes?

28.07.2005 ·  Die Daimler-Chrysler-Spitze formiert sich neu. Konzernchef Jürgen Schrempp räumt seinen Posten - ohne Abfindung. Nachfolger wird Chrysler-Chef Dieter Zetsche. Und bei Mercedes will Eckhard Cordes zurücktreten.

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Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp verläßt den Autokonzern noch in diesem Jahr - ohne Abfindung. Chrysler-Chef Dieter Zetsche wird zum 1. Januar 2006 sein Nachfolger. Bei Chrysler wird mit Thomas LaSorda wieder ein Amerikaner an die Spitze rücken. Das bestätigte das Unternehmen am Donnerstag in Stuttgart. Konkrete Gründe für den Personalwechsel wurden nicht genannt.

Auf Beschluß des Aufsichtsrates werde Zetsche den Vorstandsvorsitz am 1. Januar 2006 für fünf Jahre übernehmen, teilte Daimler-Chrysler mit. „Der Aufsichtsrat und Prof. Schrempp sind sich einig, daß Ende 2005 der optimale Zeitpunkt für einen Wechsel in der Führung des Unternehmens gekommen ist. Die Beschlüsse des Aufsichtsrates wurden nach einem sorgfältigen Prozeß im Vorfeld einstimmig gefaßt“, hieß es in der offiziellen Erklärung des Unternehmens. Hilmar Kopper bleibe der Vorsitzende des Gremiums bis zu seinem Vertragsende im April 2007, hieß es in Kreisen des Aufsichtsrats.

Am Donnerstag abend wurde bekannt, daß Mercedes-Chef Eckhard Cordes den Aufsichtsrat gebeten habe, seinen Vertrag zum Jahreswechsel aufzulösen. Cordes hatte Schrempps Idee einer „Welt AG“ immer unterstützt. Nach Informationen der Fankfurter Allgemeinen Zeitung sagte Cordes, durch die Entscheidung, Dieter Zetsche zum neuen Vorstandsvorsitzenden von Daimler-Chrysler zu machen, sei ihm die für die tiefgreifende Sanierungsarbeit von Mercedes-Benz notwendige Autorität genommen worden. Cordes informierte das Präsidium des Aufsichtsrates am Mittwoch abend, am Donnerstag wurde der gesamte Aufsichtsrat davon in Kenntnis gesetzt. Da es noch keinen Nachfolger für Cordes gibt, hat sich der Aufsichtsratsvorsitzende Hilmar Kopper Bedenkzeit und eine spätere Veröffentlichung erbeten.

Ohne Dank in der Ad-hoc-Meldung

Schrempp erhalte sein Gehalt nur noch bis Ende 2005 und „verzichte“ auf weitere Bezüge, die ihm vertraglich bis zum Jahr 2008 zugestanden hätten, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Schrempp halte dies nicht für angemessen, so die Begründung. Er wolle auch keinen Beratervertrag und strebe keinen Sitz im Aufsichtsrat an. Der Sprecher wies zudem darauf hin, daß Schrempp freiwillig seinen Posten räume. „Es ist kein Rücktritt, er ist freiwillig gegangen nach einem Gespräch mit dem Aufsichtsrat.“ In der Pflichtmitteilung des Konzerns hatte es jedoch ausdrücklich geheißen, daß die Personalentscheidungen auf Beschluß des Aufsichtsrates erfolgen. Zudem fehlte jede in solchen Fällen sonst übliche Dankesbekundung in der Ad-hoc-Notiz von Daimler-Chrysler.

Schrempp informierte die Mitarbeiter des Konzerns in einem Brief über seinen bevorstehenden Abschied: Schrempps Brief an die Mitarbeiter: „Mit einem guten Gefühl“

Zehn Jahre lang hat Schrempp den Konzern geführt, er gilt als geistiger Vater der Expansionsstrategie, die 1998 in der Fusion mit dem Chrysler gipfelte. Genau dieser Zusammenschluß mit dem lange Zeit defizitären Autobauer wurde später von Aktionären und Analysten heftig kritisiert. Zuletzt warfen große Fondsgesellschaften und Kleinaktionäre Schrempp auf der Hauptversammlung im April vor, zu spät auf die Probleme bei Mercedes reagiert zu haben und mit dem Festhalten an der defizitären Tochter Smart den Konzern in die Sackgasse zu steuern.

Aktie deutlich im Plus

Die Aktien legten zeitweise rund zehn Prozent auf 40,00 Euro zu und notierten damit so hoch wie seit Oktober 2002 nicht mehr. Allerdings sind die Papiere des Autobauers aber weit von ihrem Kursniveau vor der Fusion mit Chrysler im Mai 1998 entfernt, als die Aktie rund 100 Euro kostete. Der Börsenwert von Daimler-Chrysler erhöhte sich nach der Ankündigung um rund 3,7 Milliarden auf rund 40 Milliarden Euro. Bis zum Mittag wechselten rund sechs Mal so viel Daimler-Chrysler-Aktien den Besitzer wie an einem durchschnittlichen Handelstag. Rund die Hälfte des Handelsumsatzes im Deutschen Aktienindex ging auf das Konto von Daimler-Chrysler. Der Kursanstieg der Daimler-Chrysler-Aktie steuerte rund ein Viertel zum Anstieg des Dax bei, der gegen Mittag 0,5 Prozent höher bei 4877 Punkten notierte.

Entgegen den Andeutungen von Finanzchef Clemens Börsig hat die Deutsche Bank den Höhenflug der Daimler-Chrysler-Aktie am Donnerstag unmittelbar genutzt, um ihren Anteil zu senken. Die Bank habe 35 Millionen Aktien des deutsch-amerikanischen Automobilherstellers plaziert, teilte Deutschlands größtes Geldhaus am Nachmittag in Frankfurt mit. Damit sinkt der Anteil des Instituts an Daimler-Chrysler auf 6,9 Prozent von zuletzt 10,4 Prozent. Die Aktien im Wert von über 1,3 Milliarden Euro seien bei institutionellen Investoren plaziert worden.

„Der Traum von Herrn Schrempp, einen weltumspannenden Konzern zu schaffen, ist schon lange gescheitert. Die Zeche hierfür haben die Aktionäre gezahlt“, erkärte der Chef der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, in Düsseldorf. Auch dem Daimler-Chrysler-Aufsichtsrat stellte Hocker kein gutes Zeugnis aus. Die DSW hatte dem Kontrollgremium auf der Hauptversammlung des vergangenen Jahres die Entlastung mit der Begründung verweigert, daß der Vertrag von Schrempp vorzeitig verlängert wurde.

Auch die Fondsgesellschaft Union Investment hat den Wechsel begrüßt. „Das Unternehmen kommt aus einem tiefen Tal,“ sagte Fondsmanager Thomas Meyer. Wichtig sei, daß der Restrukturierungskurs fortgeführt und die Profitabilität gesteigert werde. Von dem künftigen Konzernchef Zetsche werde erwartet, daß er die Gesamtstruktur noch einmal unter die Lupe nehme und auch einzelne Bereiche kritisch prüfe, denn „ein 'Weiter so' wird es mit ihm sicher nicht geben“.

Operativer Gewinn überraschend hoch

Etwas in den Hintergrund geraten die Zahlen, die der Konzern vorlegte. Daimler-Chrysler hat im zweiten Quartal mit einem operativen Gewinn von 1,7 Milliarden Euro die Erwartungen von Analysten deutlich übertroffen. Zum Vorjahreszeitraum verzeichnete der Stuttgarter Konzern damit jedoch einen deutlichen Rückgang.

Daimler-Chrysler teilte mit, das Konzernergebnis sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 28 Prozent auf 737 Millionen Euro gestiegen. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt lediglich mit einem Konzernergebnis von 556 Millionen Euro gerechnet. Für den operativen Gewinn hatten die Analysten einen Rückgang auf 1,28 Milliarden Euro von 2,091 Milliarden im Vorjahreszeitraum erwartet.

Die Nobelmarke Mercedes-Benz macht dem Automobilkonzern weiter zu schaffen. Wie das Unternehmen am Donnerstag in Stuttgart mitteilte, betrug der operative Gewinn bei der Mercedes-Car-Group im zweiten Quartal nur zwölf Millionen Euro. Hintergrund seien Sanierungskosten für die defizitäre Kleinwagenmarke Smart, teilte das Unternehmen mit. Im Mercedes-Ergebnis seien weitere Aufwendungen in Höhe von 311 Millionen Euro enthalten. Die Pkw-Sparte will nun offenbar Stellen streichen, um in einigen Jahren wieder an die alte Ertragsstärke anknüpfen zu können.

Der Gesamtkonzern erzielte im zweiten Quartal einen operativen Gewinn von 1,7 Milliarden Euro (Vorjahreszeitraum: 2,1 Milliarden Euro). Ohne die Belastungen bei Smart hätte der operative Gewinn zwei Milliarden Euro erreicht, heißt es. Die amerikanische Sparte Chrysler steigerte den operativen Gewinn auf 544 Millionen Euro gegenüber 521 Millionen Euro im Vorjahr. Auch das Nutzfahrzeuggeschäft entwickelte sich gut. Das Geschäftsfeld konnte seinen Gewinn um 12 Prozent auf 524 Millionen Euro steigern.

Quelle: @tor, mit Material von dpa, Reuters, Bloomberg, Dow Jones, AP
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