http://www.faz.net/-gqe-75kgi
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 07.01.2013, 14:27 Uhr

Abrupter Wechsel im Vorstand War Air Berlin-Chef Mehdorn zu langsam?

Hartmut Mehdorn galt ohnehin nur noch als Chef auf Zeit. Deswegen überrascht der Wechsel an der Spitze von Air Berlin nicht wirklich. Offenbar hat aber Großaktionär Etihad schneller die Geduld mit Mehdorn verloren als gedacht.

von
© dpa Der Alte und der Neue: Hartmut Mehdorn (l.) und Wolfgang Prock-Schauer

Hartmut Mehdorn hört als Vorstandschef von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft Air Berlin auf. Sein Nachfolger wird mit sofortiger Wirkung der bisherige Strategie-Vorstand Wolfgang Prock-Schauer, teilte das Unternehmen zu Wochenbeginn mit. Dass das passieren würde, ist für sich genommen nicht sonderlich überraschend. Schon seit geraumer Zeit zeichnete sich ab, dass Mehdorns Stellung im Konzern schwächer wurde. Mancher Branchenbeobachter wertete bereits den Einstieg Prock-Schauers in den Vorstand im Oktober des vergangenen Jahres als zumindest kleine Ohrfeige für Mehdorn. Schließlich durfte der 56 Jahre alte Österreicher als „Chief Strategy and Planning Officer“ auftreten, also als Chefstratege und Netzwerkplaner.

Thiemo Heeg Folgen:

Dass Mehdorn aber jetzt, gerade drei Monate später, bereits ausscheidet, überrumpelte trotzdem die meisten Experten. Zumal Prock-Schauer nicht der einzige war, dem Ambitionen auf den Chefposten nachgesagt wurden. Üblicherweise muss sich ein Vorstandsneuling länger bewähren, bevor er ganz nach oben darf  – mit drei Ausnahmen: Er ist bereits beim Einstieg gesetzt. Oder der alte Chef wirft das Handtuch vorzeitig. Oder aber die ins Auge gefassten externen Kandidaten sagen alle ab.

Zwei Lager im Aufsichtsrat

Welche Variante im Falle von Air Berlin zutrifft, blieb zunächst unklar. Zumindest offiziell gab es nur Gewinner. Aufsichtsratschef Hans-Joachim Körber sprach von einer „außergewöhnlich erfolgreichen Tätigkeit“ Mehdorns als Air-Berlin-Chef während der vergangenen 15 Monate. Er habe das Unternehmen in der Krise der europäischen Luftfahrt auf einen neuen Weg gebracht, marktgerechter positioniert und entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt. Mehdorn selbst wurde mit den Worten zitiert: „Jetzt ist die richtige Zeit für den Führungswechsel, und es ist das richtige Signal, dass Wolfgang Prock-Schauer als neuer CEO das für das Unternehmen so wichtige Turnaround-Programm führt.“

Mehr zum Thema

Warum ausgerechnet jetzt „die richtige Zeit“ sein soll, ließ er offen.
Bekannt ist zumindest, dass es im Aufsichtsrat zwei Lager mit gelegentlich unterschiedlichen Interessen und Ansichten zur Firmenstrategie gibt. Da sind zum einen die Damen und Herren um Aufsichtsratschef Körber, der eher als konservativ gilt, was Änderungen anbelangt. Und da ist die Fraktion um James Hogan, den Chef der arabischen Fluggesellschaft Etihad, die als Großaktionär bei Air Berlin eingestiegen ist.

Etihad verliert die Geduld

Hogan drängt dem Vernehmen nach auf schnelle Änderungen in der Geschäftslage, zumal Etihad kein weiteres Geld mehr in das Berliner Unternehmen stecken will. Entsprechend soll Hogan unzufrieden mit  Mehdorns Sanierungstempo gewesen sein und seine Ablösung verlangt haben.

Tatsächlich hatte Körber im vergangenen August bestätigt, dass man auf der Suche nach einem Nachfolger für Mehdorn sei, der ohnehin nur als Übergangschef Air Berlin leiten sollte. Allerdings  geschehe dies auf Basis der Tatsache, dass Mehdorns Vertrag nur bis Ende 2013 laufe, hieß es damals.

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Air Berlin Neue Hilfe aus Arabien

Die Fluggesellschaft Air Berlin hat fast eine halbe Milliarde Euro Verlust gemacht. Jetzt bereitet Großaktionär Etihad eine Finanzspritze vor. Mehr Von Timo Kotowski

26.05.2016, 17:07 Uhr | Wirtschaft
Vom Radar verschwunden Egypt-Air-Flugzeug auf Flug von Paris nach Kairo vermisst

Ein Passagierflugzeug von EgyptAir mit 69 Menschen an Bord wird nach Angaben der Fluggesellschaft vermisst. Die Maschine war auf dem Flug von Paris nach Kairo. Sie ist über dem Mittelmeer vom Radar verschwunden, erklärte das Unternehmen über den Kurznachrichtendienst Twitter. Mehr

19.05.2016, 07:56 Uhr | Gesellschaft
Maschinenbau Großaktionär Voith bremst Kuka-Vorstand

Ein chinesischer Konzern will den deutschen Roboterhersteller Kuka übernehmen. Das Management ist von dem Angebot angetan. Der Großaktionär Voith aber tritt auf die Bremse. Mehr

30.05.2016, 15:49 Uhr | Wirtschaft
SPD-Chef Putzfrau bringt Sigmar Gabriel in Bedrängnis

Auf der Wertekonferenz der SPD am Montag in Berlin hat die ehemalige Putzfrau Susanne Neumann den SPD-Chef in Bedrängnis gebracht. Sie fragte: Warum soll ich eine Partei wählen, die mir das eingebrockt hat und mir keine Antworten gibt? Mehr

10.05.2016, 13:01 Uhr | Politik
F.A.S.-exklusiv Wird Jürgen Fitschen Ehrenpräsident der Deutschen Bank?

Jürgen Fitschen ist nicht mehr Chef von Deutschlands bedeutendstem Geldhaus. Für die Bank arbeitet er aber weiterhin - und muss auch nicht auf den Elefantenfriedhof umziehen. Mehr

21.05.2016, 17:21 Uhr | Finanzen

Dicke Luft

Von Henning Peitsmeier, München

Wenn das Diesel-Fahrverbot für Großstädte kommt, ist schlechte Luft garantiert. Denn die Regelung ist praxisfern und verbraucherfeindlich. Mehr 0


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Armut in Deutschland Vanessas grenzenlose Welt

Wie sieht Kinderarmut in Deutschland aus? Das kann man zum Beispiel bei Vanessa sehen. Da gibt es Eis, Spielplätze, genügend Geld bis zum Monatsende und eine Mutter, die alles für das Kind tut. Trotzdem fehlt es am Nötigsten. Mehr Von Nadine Bös 0

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden