Im Ringen um die niederländische Großbank ABN Amro steuert das von der Royal Bank of Scotland (RBS) geführte Konsortium am Freitag eine feindliche Übernahme an. Das Bankentrio, zu dem auch die spanische Bank Santander und der belgisch- niederländische Konzern Fortis gehören, kündigte ein öffentliches Kaufangebot für sämtliche Aktien der Bank an. Der Vorstand von ABN Amro sei am Donnerstagabend darüber in Kenntnis gesetzt worden, hieß es in einer am Freitag veröffentlichten Erklärung des Bankentrios.
An die Adresse der Anteilseigner erklärte das Konsortium, es sei überzeugt, dass sein Angebot „im Vergleich mit der Offerte von Barclays einen materiell höheren Wert für die Aktionäre der ABN Amro und Vorteile für die Kunden und Angestellten“ bedeutet. Damit soll die bereits erteilte Zustimmung des Vorstandes von ABN Amro zu einer Fusion mit der britischen Barclays Bank unterlaufen werden.
39 Euro je Aktie geboten
Die Dreiergruppe hatte am Mittwoch 39 Euro für jede Aktie geboten, größtenteils in bar, insgesamt rund 72 Milliarden Euro. Barclays will hingegen ausschließlich mit eigenen Aktien bezahlen. Die Offerte entsprach am Montag noch einem Preis von 36,25 Euro je ABN Amro-Aktie und damit insgesamt rund 67 Milliarden Euro, jedoch ist der Barclays- Kurs seitdem gesunken.
Die Entscheidung von RBS, Santander und Fortis, eine „unerbetene“ Offerte zu machen, fiel nach der Jahreshauptversammlung von ABN Amro am Donnerstag. Dabei war der ohne Zustimmung der Aktionäre vom Vorstand beschlossene Verkauf der Tochterbank La Salle in den Vereinigten Staaten an die Bank of America auf starken Widerspruch gestoßen. Die RBS und ihre Partner hatten die Rücknahme dieses Verkaufsbeschlusses zur Bedingungen für die geplante Übernahme gemacht.
Angebot bislang nur einschließlich La Salle
Die Vereinigung der Aktionäre VEB schaltete inzwischen ein Gericht in Amsterdam ein, um den Verkauf von LaSalle bis auf weiteres untersagen zu lassen. Sie verlangten, dass darüber die Anteilseigner abstimmen. Das Angebot des Konsortiums gilt bislang nur einschließlich der Bank La Salle.
Nach niederländischem Recht darf das Bankentrio den angebotenen Preis erst nach einer Woche veröffentlichen. Es wies die Aktionäre deshalb in seiner Erklärung ausdrücklich auf sein schon vorgelegtes, aber noch unverbindliches Angebot hin. Zugleich wird in der Erklärung betont: „Die Investoren werden dringend aufgefordert, alle Dokumente hinsichtlich einer potenziellen Transaktion zu studieren, wenn und sobald sie zur Verfügung stehen, denn sie werden bedeutende Informationen für sie enthalten.“
ABN könnte Gegenstand einer Auktion werden
Analysten sind der Auffassung, der Schritt des RBS-Konsortiums könnte ABN Amro zum Gegenstand einer Auktion machen, was dann den Preise so in die Höhe schrauben werde, dass keine der Beteiligten sich einen Kauf noch werde leisten können. Ein weiterer Beobachter sagt, RBS sei wohl von dem Abstimmungsergebnis auf der Hauptversammlung von ABN ermutigt worden. Dies könnte ein Signal sein, dass die Aktionäre der niederländischen Bank unzufrieden seien. Deshalb habe das Konsortium sein Gebot sehr schnell gemacht, um den Termin für ein Gegengebot für La Salle einzuhalten.
Der Hedgefonds TCI hat die Ankündigung des Konsortiums erwartungsgemäß am Freitag begrüßt. TCI hält zwischen 2 und 3 Prozent an ABN Amro.
