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Abgasmanipulationen : Täuschungsvorwürfe gegen Renault erhärten sich

Haben fast 900.000 Renaults durch Betrug ihre Zulassung? Bild: AFP

Dokumente sollen zeigen, dass der Autobauer für Zulassungstests jahrelang das Abgaskontrollsystem manipuliert hat. Für Renault-Chef Ghosn könnte es ungemütlich werden.

          War es doch nicht alleine VW? Am Mittwoch haben die Täuschungsvorwürfe gegen den französischen Konkurrenten Renault neue Nahrung erhalten. Ein Protokoll der französischen Ermittlungsbehörde DGCCRF legt den Verdacht nahe, dass Renault jahrelang die Emissionen während der Kontrollmessungen manipuliert hat. „Renault hat die Verbraucher getäuscht – besonders während der Zulassungskontrollen im Hinblick auf den Schadstoffausstoß“, heißt es in dem 39 Seiten langen Text, aus dem die französische Tageszeitung „Libération“ zitierte.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          „Das Unternehmen verfolgte eine Strategie, die das Ziel hatte, die Ergebnisse der Schadstoff-Kontrollen zu verfälschen“, schreiben die Ermittler. Die Aktie des Konzerns verlor am Mittwoch zeitweise fast 5 Prozent an Wert. Renault wollte das laufende Verfahren nicht kommentieren. Doch der Autohersteller bekräftigte wie zuvor, dass er weder nationale noch europäische Vorschriften verletzt habe. „Die Fahrzeuge von Renault sind nicht mit einer Betrugssoftware ausgestattet, die niedrigere Schadstoffe vortäuscht“, heißt es in einer Stellungnahme.

          Doch die untersuchende Generaldirektion für Wettbewerb, Konsum und Betrugsbekämpfung formuliert die Vorwürfe mit bisher ungekannter Klarheit: „Die Erkenntnisse lassen den Verdacht zu, dass ein betrügerisches System installiert wurde, das die Funktion des Motors so verändert, dass die Stickoxidemissionen während der Zulassungstests sinken und somit die vorgeschriebenen Obergrenzen einhalten.“

          „System der Entgiftung während der Fahrt auf der Straße abgeschaltet“

          Die Behörde hat das Dokument nun drei Untersuchungsrichtern überstellt. Die Ermittlungen begannen am 7. Januar mit Durchsuchungen der Renault-Zentrale und zweier Forschungszentren. Dabei geht es nicht nur um Stickoxid. Bei staatlich überwachten Messungen im vergangenen Jahr war herausgekommen, dass der Kohlendioxidausstoß bei den Modellen Renault Captur und Clio IV die zulässigen Werte um 377 Prozent sowie um 305 Prozent überstieg. Die Modelle Kadjar und Talisman bewegten sich auch außerhalb des zulässigen Rahmens. Intern soll Renault das Verfahren „Vor-Konditionierung“ genannt haben.

          Mehrere sichergestellte Emails belegen den Angaben zufolge, dass es nicht zufällig zu den Abweichungen kam. „Dieses System der Entgiftung ist während der Fahrt auf der Straße abgeschaltet, doch es funktioniert während der Tests“, heißt es in einer Email zwischen der Direktorin für Rechtsfragen, ihrer für Kommunikation zuständigen Kollegin sowie der Verantwortlichen für die institutionellen Beziehungen vom November 2016. Die Ermittler urteilen: Die Dokumente „belegen die Umsetzung einer Betrugsstrategie seit mehr als sieben Jahren“.

          Strafe von 3,5 Milliarden Euro?

          Die dem Finanz- und Wirtschaftsministerium unterstellte Untersuchungsbehörde schätzt, dass fast 900.000 Fahrzeuge durch Betrug ihre Zulassung erhalten haben könnten. Das würde einem Umsatz von 16,8 Milliarden Euro entsprechen – und könnte auch direkte Konsequenzen für den Vorstandsvorsitzenden Carlos Ghosn haben. Denn im Gegensatz zu einigen Konkurrenten hat er etliche Verantwortungsbereiche formal nicht an seine ihm unterstellten Führungskräfte abgetreten. Ghosn ist somit der erste Adressat der Vorwürfe. Nach den aktuellen Vorschriften könnte Renault eine Geldbuße von 10 Prozent des Umsatzes oder von 3,5 Milliarden Euro treffen.

          Die Behörden arbeiten „Libération“ zufolge mit 70 Ermittlern an dem Fall. Zuvor haben sie wie die Untersuchungsrichter unter anderem an Betrugsfällen im Gesundheitswesen gearbeitet. „Man weiß seit langem, dass Renault einer der schlimmsten Verschmutzer ist mit Modellen, deren Schadstoffausstoß bis zu vierzig Mal die zulässigen Höchstwerte überschreitet“, sagte die EU-Abgeordnete Karima Delli, die der Transport-Kommission des EU-Parlaments vorsteht. Gegen den Renault-Konkurrenten PSA Peugeot Citroën ermittelt die französische Justiz ebenfalls.

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