http://www.faz.net/-gqe-9796n

Abgas-Skandal : Amerikanische Ermittlungsakten belasten Daimler schwer

  • Aktualisiert am

Daimler ist neben Konzernen wie VW und Audi nicht der einzige Autohersteller, der den Konsequenzen einer Abgasaffäre gegenübersteht. Bild: dpa

Laut vertraulichen Unterlagen exis­tie­ren gleich meh­re­re Soft­ware­funk­tio­nen, die von Daimler nur dazu ent­wi­ckelt wor­den seien, die gän­gi­gen Ab­gas­tests in den Vereinigten Staaten zu be­ste­hen.

          In der Abgas-Affäre belasten vertrauliche Unterlagen aus amerikanischen Ermittlungsakten den Autobauer Daimler. Das berichtet die Zeitung „Bild am Sonntag“. Demnach offenbaren die Dokumente, dass Daim­ler-Mit­ar­bei­ter be­reits vor der VW-Die­sel­af­fä­re daran zwei­fel­ten, amerikanische Ge­set­ze bei Stra­ßen­tests (PEMS) ein­hal­ten zu kön­nen. In­ter­ne Mes­sun­gen er­ga­ben spä­ter teils ver­hee­ren­de Er­geb­nis­se. So über­schrit­ten Mer­ce­des-Mo­del­le im Stra­ßen­be­trieb die Stick­oxid-Grenz­wer­te um mehr als das Zehn­fa­che.

          Laut den Akten exis­tie­ren bei Daim­ler gleich meh­re­re Soft­ware­funk­tio­nen, die mut­maß­lich nur dazu ent­wi­ckelt wor­den seien, die gän­gi­gen amerikanischen Ab­gas­tests auf dem Prüf­stand zu be­ste­hen. Die Funktion „Bit 15“ etwa ist so pro­gram­miert, dass die Ab­gas­nach­be­hand­lung nach 26 Ki­lo­me­tern den sau­be­ren Modus ver­lässt. Zudem stie­ßen die amerikanischen Er­mitt­ler auf eine wei­te­re ver­däch­ti­ge Funk­ti­on, die im Fahr­zeug­kon­troll­sys­tem steckt. Die­ser so­ge­nann­te „Slip­guard“ er­kennt an­hand von Ge­schwin­dig­keit oder Be­schleu­ni­gungs­wer­ten, ob das Fahr­zeug auf einem Prüf­stand steht.

          In di­ver­sen Mails zwei­feln selbst Daim­ler-In­ge­nieu­re laut Zeitungsbericht daran, dass diese Funk­tio­nen legal sind. Auf An­fra­ge äu­ßert sich der Kon­zern nicht zu der Soft­ware. „Wir wer­den uns zu wei­te­ren De­tails der lau­fen­den Un­ter­su­chung nicht äu­ßern, da wir mit dem US-Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um (DOJ) ab­so­lu­te Ver­trau­lich­keit ver­ein­bart haben“, sagt ein Spre­cher. „Wir ko­ope­rie­ren seit über zwei Jah­ren voll­um­fäng­lich und sor­gen für um­fas­sen­de Trans­pa­renz.“ Be­züg­lich der Grenz­wert­über­schrei­tun­gen in in­ter­nen Mes­sun­gen sagt der Spre­cher: „Den Be­hör­den sind die Do­ku­men­te be­kannt und es ist zu kei­ner An­kla­ge ge­kom­men.“

          Weitere Themen

          Industrie und Kunden sollen für Diesel-Desaster zahlen

          F.A.Z. exklusiv : Industrie und Kunden sollen für Diesel-Desaster zahlen

          Nach Informationen der F.A.Z. besteht unverändert geschlossener Widerstand der Industrie gegen Hardware-Nachrüstungen an Dieseln der Schadstoffnorm Euro 5. Zudem sind Umtauschprämien geplant – möglicherweise mit Steuergeldern finanziert.

          Nordkorea zu Abbau von Raketenanlagen bereit Video-Seite öffnen

          Korea-Gipfel : Nordkorea zu Abbau von Raketenanlagen bereit

          Nordkorea hat sich zur Schließung seines größten Raketentestgeländes unter internationaler Aufsicht bereiterklärt. Hier wurden unter anderem die Interkontinentalraketen getestet, die eine Reichweite bis in die Vereinigten Staaten haben sollen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.