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Abfindungen durchgesetzt Sprengdrohung: Mehr Geld für französische Arbeiter

17.07.2009 ·  Ein Bombenerfolg im wahrsten Sinne des Wortes: Französische Arbeiter sind mit ihrer Drohung erfolgreich gewesen, Teile ihrer Maschinenbaufirma in die Luft zu sprengen. Das Unternehmen will ihnen jetzt erhöhte Abfindungen zahlen.

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Die Drohung mit der Sprengung ihres Werks hat den Beschäftigten des Hebebühnenbauers JLG in Tonneins (Südfrankreich) zum Erfolg verholfen. JLG akzeptierte am Freitag die Forderung, 53 Mitarbeitern bei ihrer Entlassung im September jeweils 30.000 Euro Abfindung zu zahlen. Die Mitarbeiter bekommen damit eine Prämie von 14.000 Euro auf die fällige Abfindung von 16.000 Euro. Das berichtete der Nachrichtensender France Info am Freitag. „Wir haben uns durchgesetzt“, zitierte das Nachrichtenmagazin „Nouvelle Observateur“ Betriebsratschef Christian Amadio.

Radikalisierung des Konflikts

Die 163 JLG-Beschäftigten hatten nach drei ergebnislosen Streikwochen auf dem Werksgelände Gasflaschen aufgestellt und gedroht, sie in die Luft zu sprengen. Als am Donnerstag ein Gewitter aufzog, räumten sie die Gasflaschen weg. Widersprüchliche Angaben gab es darüber, ob die Flaschen tatsächlich gefüllt waren.

Arbeitsstaatssekretär Laurent Wauquiez zeigte sich besorgt über die „um sich greifende Erpressung mit der Gasflasche“. Dadurch würde kein Job gerettet und der soziale Dialog torpediert. Die Regierung versucht aber, die Konflikte zu entschärfen, und geht nicht gegen die „Erpresser“ vor. Industrieminister Christian Estrosi empfing die Beschäftigten des Telekomausrüsters Nortel, nachdem diese ebenfalls die Sprengung ihres Werks bei Paris angedroht hatten.

Eine Radikalisierung der Konflikte sei im Gange, erklärte der Vizechef der Unternehmensberatung BPI, Olivier Labarre, der Zeitung „Libération“ (Freitag). Er verwies auf den Erfolg der Mitarbeiter des hannoverschen Reifenherstellers Continental in Clairoix, die 50.000 Euro Abfindung erstritten hatten. Diese Abfindung sei zur Referenzgröße geworden, sagte Labarre.

Schon der dritte Fall mit Sprengdrohungen

Die Firma JLG war bereits die dritte, bei der Arbeiter mit Sprengdrohungen Zugeständnisse erkämpfen wollen. Die Belegschaft war seit drei Wochen im Streik. Am Mittwoch hatten auch Angestellte des Technikkonzerns Nortel Gasflaschen aufgestellt und damit neue Gespräche über Abfindungen erzwungen. Den Auftakt machten am Wochenende Beschäftigte des insolventen Autozulieferers New Fabris im westfranzösischen Châtellerault. Sie drohen nach wie vor, Gasflaschen auf dem Firmengelände in die Luft zu jagen. Sie haben ein Ultimatum bis zum 31. Juli gesetzt, um je 30.000 Euro Abfindung für die 366 von der Werksschließung betroffenen Arbeiter zu erhalten.

Geiselnahmen von Managern, Verwüstungen von Büros und Werken und Sprengdrohungen - Frankreich macht in der Wirtschaftskrise durch hart ausgefochtene Sozialkonflikte von sich reden. Es scheint nicht nur die schiere Verzweiflung der Arbeiter zu sein, sondern auch kühles Kalkül, denn es geht darum, die Aufmerksamkeit der Medien zu erlangen, um Arbeitgeber und Regierung unter Druck zu setzen. Die Protestler von Nortel haben rasch einen eigenen Pressesprecher ernannt. Die Zeitung „Libération“ erhält in der Woche derzeit rund zehn Benachrichtigungen von neuen Sozialkonflikten. „Unmöglich, über alle zu schreiben“, notiert die Zeitung. Daher suchen etliche Arbeitnehmer nach immer spektakuläreren Wegen, um ins Rampenlicht zu kommen.

Bereitschaft zur Gewalt zahlt sich aus

Die Bereitschaft zur Gewalt zahlt sich nicht selten aus. Verurteilungen vor Gericht sind rar. Französische Conti-Mitarbeiter verwüsteten im April das Gebäude einer Unterpräfektur in Compiègne. Die französische Regierung verurteilte zwar die Proteste verbal, äußerte aber mehrfach Verständnis für den Unmut der französischen Continental-Beschäftigten und förderte damit den Druck auf das deutsche Unternehmen.

Vor wenigen Wochen einigten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf ein für französische Verhältnisse großzügiges Sozialpaket. Die Reifenfabrik in Clairoix wird zwar so wie vorgesehen geschlossen, doch alle 1120 Mitarbeiter erhalten von Continental eine Abfindung von jeweils 50.000 Euro. Zudem haben sie die Möglichkeit, nach der Kündigung Ende 2009 bis zu zwei Jahre lang Qualifizierungsmaßnahmen bei durchschnittlich rund drei Vierteln des früheren Bruttogehaltes in Anspruch zu nehmen.

Die Regierung, die im Auftrag von Präsident Nicolas Sarkozy ein Maximum an Arbeitsplätzen erhalten will, stellt sich als Vermittler oder aktiver Helfer immer wieder in den Mittelpunkt. So versprach Staatssekretär Estrosi für das französische Nortel-Werk unter anderem neue Forschungszuschüsse. In vielen kleinen Unternehmen oder in jenen ohne Medienecho gehen die Arbeitsplätze dagegen im Stillen verloren.

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Von Christian Siedenbiedel

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