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80 Jahre Wie Lego die Welt eroberte

Vor 80 Jahren brachte Lego seine ersten Steine auf den Markt - damals noch ohne Noppen. Erst in den 50er Jahren kam dem Erfinder die entscheidende Idee. Heute besitzt jeder Mensch auf der Welt im Durchschnitt 80 Legosteine.

© dpa Vergrößern Die größten Lego-Kunstwerke

Es sind noch einmal 18 Legosteine mehr geworden: 2007, beim 75. Jubiläum des dänischen Spielzeugherstellers, besaß jeder Mensch im Durchschnitt 62 Legosteine. Jetzt, zum 80-jährigen Jubiläum am kommenden Freitag, sind es schon 80 Legosteine. Jeder Mensch in jedem Alter auf der ganzen Welt wohlgemerkt besitzt statistisch gesehenen so viel Legosteine - die kleinen bunten Kunststoffquader sind längst nicht mehr nur ein Kinderspiel, sondern werden auch von Erwachsenen wieder für sich entdeckt.

Die größten Lego-Kunstwerke Der Schriftzug „Dem deutschen Volke“ ziert auch das Lego-Modell des Reichstags im Legoland Günzburg.

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Der Schriftzug „Dem deutschen Volke“ ziert auch das Lego-Modell des Reichstags im Legoland Günzburg.

© dpa Bilderstrecke 

Die Geschichte des nach Umsatz heute drittgrößten Spielzeugherstellers der Welt ist die Geschichte eines einfachen Tischlers, der sich auch von Widrigkeiten des Lebens nicht vom Kurs abbringen ließ. Ole Kirk Christiansen kam 1891 in der damals bitterarmen Region Jütland zur Welt. 1916 machte er sich als Schreiner und Tischler selbstständig, 1924 brannte seine erste Werkstatt mitsamt seinem Haus ab, nachdem zwei seiner vier Söhne mit Feuer gespielt hatten.

Am Anfang waren die Steine aus Holz

Christiansen baute acht Jahre später eine neue Werkstatt auf und gründete am 10. August 1932 in Billund seine Fertigung von Bügelbrettern, Stühlen und Holzspielzeug. Die Umstände für die Geburtsstunde des Unternehmens hätten nicht ungünstiger sein können: Nur gut einen Monat danach starb Christiansens Frau, obendrein brach die Weltwirtschaftskrise ein. Doch der Tischler zeigte sich zäh. Er holte seinen gerade zwölf Jahre alten Sohn Godtfred Kirk in die Firma. Zwei Jahre später erfand er den heutigen Namen. Es ist eine Kurzform von Leg godt, was übersetzt Spiel gut heißt.

Der alte Christiansen legte die Basis des Unternehmens, sein junger Sohn war der begnadte Tüftler für die Weiterentwicklung. 1935 entwickelt Lego das erste Konstruktionsspielzeug, bald hing das Familienmotto „Nur das Beste ist gut genug“ auf einem Holzschild in der Werkstatt. Den Durchbruch schaffte die Familie mit der Abkehr vom bisherigen Material Holz. Direkt nach Ende des Zweiten Weltkriegs schaffte Lego als erste Firma in Dänemark eine Kunststoff-Spritzgussmaschine an und begann mit dem Material zu experimentieren.

Zu den ersten durch die Maschine möglich gewordenen Neuerfindungen gehörten die so bezeichneten sich „automatisch verbindenden Steine“, ein Vorläufer der heutigen Legosteine. Sie hatten vier und acht Noppen und wurden nur in Dänemark angeboten. 1954 lernte Godtfred Kirk bei einer Schiffsreise nach Großbritannien einen Einkäufer kennen, der der Meinung war, dass es Spielzeug an System fehlt. Es wurde ein wegweisendes Gespräch: Der nun voll in die Unternehmensführung integrierte Junior entwickelte die Idee für das Lego System.

1955 gab es im Lego System 28 verschiedene Baukästen. Als Christiansen diese auf der Nürnberger Spielwarenmesse vorstellte, gab es allerdings ein vernichtendes Echo. Für den deutschen Markt sei Lego vollkommen ungeeignet. Dennoch setzte Lego voll auf Expansionskurs und gründete 1956 seine erste Auslandsfiliale in Hohenwestedt in Schleswig-Holstein.

1958 kamen die Noppen

Technisch wurde das Jahr 1958 das entscheidende: Denn bislang hielten die Ur-Legosteine nur mäßig zusammen. Doch in diesem Jahr patentierte Lego die Fortentwicklung der Steine, die seitdem außer Noppen an der Oberseite auch Röhren in der Unterseite haben und stabil zusammenhalten.

Obwohl das Patent längst ausgelaufen ist und es schon lange Nachahmerprodukte gab - so etwa in der DDR die Pebe-Steine - hat Lego praktisch eine unangefochtene Alleinstellung. Längst überwunden ist die kurze Krisenphase der Jahre 2003 und 2004. Inzwischen steigen in jedem Jahr die Umsätze des vor einigen Jahren zum Spielzeug des 20. Jahrhunderts gewählten Lego.

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Alleine die 2011 produzierten Steine könnten aneinandergereiht 16 Mal um die Erde gelegt werden. Mit 300 Millionen Rädern im Jahr steht die nach wie vor im Familienbesitz geführte Firma als größter Reifenhersteller der Welt im Guiness Buch der Rekorde. Und seit ein paar Jahren gibt es neben eigenen Bildungsprogrammen etwa für Schulen auch Bausätze speziell für Erwachsene.

Quelle: FAZ.net / AFP

 
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