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8,7 Milliarden Dollar Gewinn : Apple macht ein Geheimnis um angebliche Fabriken

Auf Erfolgskurs: Apple hat 41 Millionen iPhones im vergangenen Quartal verkauft. Bild: EPA

Vorstandschef Tim Cook hält sich bedeckt zu Donald Trumps Äußerungen zum Bau von Produktionsstätten in Amerika. Und er erfreut die Anleger mit guten Geschäftszahlen.

          In der vergangenen Woche überraschte der amerikanische Präsident Donald Trump mit der Ankündigung, der Elektronikkonzern Apple habe ihm den Bau von drei großen und „schönen“ Produktionsstätten in den Vereinigten Staaten zugesagt. Dies wäre ein Paukenschlag und ein Strategiewechsel für das Unternehmen, das bislang seine Produkte überwiegend in China von Auftragsherstellern fertigen lässt. Apple hat sich dazu zunächst nicht geäußert.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Bei der Vorlage von Quartalszahlen wollte Vorstandsvorsitzender Tim Cook am Dienstag die Aussage Trumps nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren, und er machte eine geheimnisvolle Andeutung, als er darauf angesprochen wurde. „Wir haben einige Dinge, über die wir später in diesem Jahr mehr sagen werden.“

          Cook sagte außerdem, er sehe Apple in der Verantwortung, Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten zu schaffen. Und er wiederholte frühere Aussagen, wonach Apple in dem Land schon heute zwei Millionen Arbeitsplätze zu verdanken seien. Der Konzern selbst beschäftigt hier 80.000 Menschen, dazu kommen nach seinen Schätzungen 450.000 Arbeitsplätze bei Lieferanten sowie mehr als 1,5 Millionen Stellen bei Herstellern von Anwendungen (Apps) für Geräte wie iPhones.

          Neues iPhone könnte sich deutlich unterscheiden

          Mit seinen Quartalszahlen hat Apple die Erwartungen übertroffen. Der Aktienkurs stieg im nachbörslichen Handel zeitweise um 6 Prozent auf ein neues Allzeithoch von mehr als 159 Dollar. Die Aktie hat seit Jahresbeginn schon rund 30 Prozent an Wert gewonnen.

          Anders als im vorangegangenen Quartal konnte Apple diesmal die Verkaufszahlen für sein iPhone wieder steigern. Das Smartphone ist das mit Abstand wichtigste Produkt des Konzerns, es trägt mehr als die Hälfte zum Gesamtumsatz bei. Apple verkaufte im vergangenen Quartal 41 Millionen iPhones, zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Das Wachstum ist insofern bemerkenswert, weil viele Verbraucher auf die nächste Generation des Geräts warten, die üblicherweise im Herbst herauskommt. Bei der Vorlage der letzten Quartalszahlen vor drei Monaten machte Vorstandschef Tim Cook genau dies für die Abschwächung des Geschäfts verantwortlich.

          Es wird spekuliert, dass die nächste iPhone-Version sich deutlich von den bisherigen Modellen unterscheidet und damit einen Anreiz für Kunden schafft, ein neues Gerät zu kaufen. Die gegenwärtige Modellgeneration mit dem iPhone 7 und dem iPhone 7 Plus hatte dagegen keine allzu großen Veränderungen gebracht. Zuletzt gab es allerdings Gerüchte, dass sich die Einführung der nächsten iPhone-Modelle verzögern könnte. Apple-Vorstandsvorsitzender Tim Cook wollte sich zum Zeitplan für das iPhone in einer Telefonkonferenz nicht äußern.

          Apple konnte sein Geschäft diesmal in allen seinen Produktreihen ausbauen, sogar beim Tabletcomputer iPad, für den in den vergangenen Jahren ein ums andere Mal rückläufige Verkaufszahlen ausgewiesen wurden. Diesmal verkaufte Apple 15 Prozent mehr iPads als im Vorjahr, der Umsatz stieg nur um zwei Prozent, weil sich das Geschäft zu billigeren Modellen verlagerte. Bei den Macintosh-Computern stieg der Absatz um ein Prozent, der Umsatz legte um 7 Prozent zu.

          Dienstleistungsgeschäft um 22 Prozent gestiegen

          Ein Vorzeigegeschäft waren einmal mehr Dienstleistungen, mittlerweile die zweitgrößte Sparte von Apple gemessen am Umsatz. Hierunter fallen das Bezahlangebot Apple Play, der Musikdienst Apple Music und die Online-Plattform App Store. Der Umsatz der Sparte stieg diesmal um 22 Prozent auf 7,3 Milliarden Dollar. Ein Umsatzplus von 23 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar gab es in der Sparte, in der verschiedene Hardwareprodukte wie die Computeruhr Apple Watch, der digitale Fernsehempfänger Apple TV sowie diverse Accessoires wie die drahtlosen Kopfhörer Airpods zusammengefasst werden. Tim Cook sagte, die Verkaufszahlen für die Apple Watch seien im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent gestiegen. Bei den Airpods habe Apple die Nachfrage nicht bedienen können.

          Schwächen zeigt Apple abermals in China. Hier fiel der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent, es war die einzige Region, in der es einen Rückgang gab. Der Konzern hatte hier erst vor wenigen Tagen für Schlagzeilen gesorgt, als er ankündigte, aus seinem chinesischen App Store Programme gelöscht zu haben, mit denen Nutzer die Internetzensur im Land umgehen können. Tim Cook sagte dazu am Dienstag, Apple würde am liebsten keine Apps entfernen, müsse sich aber wie in jedem anderen Land auch in China an die lokalen Gesetze halten.

          Insgesamt baute Apple seinen Umsatz in den vergangenen drei Monaten um 7 Prozent auf 45,4 Milliarden Dollar aus, Analysten hatten im Schnitt mit 44,9 Milliarden Dollar gerechnet. Der Nettogewinn erhöhte sich um 12 Prozent auf 8,7 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie von 1,67 Dollar war um 10 Cent höher als erwartet. Weiter angeschwollen ist das Liquiditätspolster. Apple hatte zum Ende des Quartals Barvorräte von 261,5 Milliarden Dollar. Davon waren 246 Milliarden Dollar und damit 94 Prozent bei ausländischen Tochtergesellschaften angesiedelt. Eine Rückführung dieses Geldes in die amerikanische Heimat würde bislang eine hohe Besteuerung nach sich ziehen. Donald Trump hat allerdings in Aussicht gestellt, das Zurückholen von Auslandsgewinnen steuerlich attraktiver zu machen.

          Für das kommende Quartal sagte Apple einen Umsatz von 49 Milliarden bis 52 Milliarden Dollar voraus. Das würde einer Steigerung von 5 bis 11 Prozent entsprechen. Wenn es gut läuft, könnte Apple also sein Wachstum weiter beschleunigen.

          Quelle: FAZ.NET

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