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72 Millionen Franken zum Abschied : Novartis-Präsident verteidigt Goldenen Handschlag

Seit der Gründung des Pharmakonzerns nach der Fusion von Sandoz und Ciby-Geigy 1996 stand Daniel Vasella an der Spitze von Novartis Bild: dpa

Die Abgangszahlung in Höhe von 72 Millionen Franken für Novartis-Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella sorgt in der Schweiz für Empörung. Nun hat Vasella angekündigt, das Geld zu spenden.

          Novartis-Präsident Daniel Vasella erhält nach seinem Ausscheiden aus dem Pharmakonzern 72 Millionen Franken auf sechs Jahre verteilt. Das sind umgerechnet 813.000 Euro im Monat. Vasella sagte im Schweizer Fernsehen nun aber, er wolle das Geld nach Steuern und weiteren, nicht näher definierten Komponenten einem gemeinnützigen Zweck zuführen. Der Verwaltungsratspräsident, der nach der Generalversammlung von Novartis am kommenden Freitag abtritt, reagierte damit auf Gerüchte vom selben Tag über eine Zahlung von 75 Millionen Franken für fünf Jahre.

          Jürgen  Dunsch

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Mit dem Geld soll offiziell verhindert werden, dass Vasella für ein Konkurrenzunternehmen tätig wird. Vielmehr müsse er sein Wissen in den kommenden Jahren weiterhin Novartis zur Verfügung stellen.  Die Ausführungen des Managers, der seit der Gründung von Novartis 1996 das Unternehmen geführt hat, sollten offenbar die Öffentlichkeit beruhigen. Allerdings trat genau das Gegenteil ein. Justizministerin Simonetta Sommaruga zeigte sich „sprachlos“ angesichts der nun auf dem Tisch liegenden Fakten. Für Hans Hess, den Präsidenten des Maschinenbauverbandes, sind die 72 Millionen „sehr stoßend und ein Paradebeispiel von Abzockerei“. Sie zeigten, dass die Selbstregulierung der Wirtschaft leider nicht funktioniere. Das Geld gehöre den Aktionären, forderte am Wochenende Dominique Biedermann von der Anlegervereinigung Ethos. Die Stiftung wirbt ebenso wie die Aktionärsvereinigung Actares dafür, am kommenden Freitag dem gesamten Verwaltungsrat die Entlastung zu verweigern.

          Am 3. März stimmen die Schweizer darüber hinaus über die sogenannte „Abzocker-Initiative“ ab, die ihren Antrieb nicht zuletzt aus den zweistelligen Millionengehältern erhält, die Vasella über die Jahre hinweg bezogen hat. In einer Umfrage für die „Sonntagszeitung“, die das Interview von Vasella zum Teil noch berücksichtigen konnte, sprachen sich am Wochenende 57 Prozent der Befragten für die Kampagne aus, nach der unter anderem „Abgangs- und andere Entschädigungen“ verboten werden sollen. Ob damit die geplante Zahlung an Vasella hätte verhindert werden können, ist unter Juristen allerdings umstritten. Die Wirtschaft unter der Führung ihres Dachverbandes „Economiesuisse“ setzt sich für einen milderen Gegenvorschlag ein. Indes äußerte dessen Direktor Pascal Gentinetta am Wochenende Verständnis für die „Empörungswelle“ nach dem Interview des Novartis-Präsidenten. Der Betrag sei jenseits des Vorstellbaren. „Economiesuisse“ gibt rund 81 Millionen Franken für die Kampagne aus. Der 59 Jahre alte Vasella hatte im Januar mit der Ankündigung seines Abgangs auch den Rücktritt aus der Verbandsführung bekanntgegeben.

          Die Abstimmung im März geht auf eine Initiative des Kleinunternehmers Thomas Minder aus Neuhausen am Rheinfall zurück. Sie enthält keine Obergrenzen für Managergehälter und Boni, will aber die Aktionärsrechte stärken. Der Gegenvorschlag zielt in dieselbe Richtung, allerdings in abgeschwächter Form. So sollen Manager, die gegen die Bestimmungen des Vorschlags verstoßen, nicht mit Haftstrafen bedroht werden.

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