Home
http://www.faz.net/-gqi-76ztz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

72 Millionen Franken zum Abschied Novartis-Präsident verteidigt Goldenen Handschlag

 ·  Die Abgangszahlung in Höhe von 72 Millionen Franken für Novartis-Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella sorgt in der Schweiz für Empörung. Nun hat Vasella angekündigt, das Geld zu spenden.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (7)

Novartis-Präsident Daniel Vasella erhält nach seinem Ausscheiden aus dem Pharmakonzern 72 Millionen Franken auf sechs Jahre verteilt. Das sind umgerechnet 813.000 Euro im Monat. Vasella sagte im Schweizer Fernsehen nun aber, er wolle das Geld nach Steuern und weiteren, nicht näher definierten Komponenten einem gemeinnützigen Zweck zuführen. Der Verwaltungsratspräsident, der nach der Generalversammlung von Novartis am kommenden Freitag abtritt, reagierte damit auf Gerüchte vom selben Tag über eine Zahlung von 75 Millionen Franken für fünf Jahre.

Mit dem Geld soll offiziell verhindert werden, dass Vasella für ein Konkurrenzunternehmen tätig wird. Vielmehr müsse er sein Wissen in den kommenden Jahren weiterhin Novartis zur Verfügung stellen.  Die Ausführungen des Managers, der seit der Gründung von Novartis 1996 das Unternehmen geführt hat, sollten offenbar die Öffentlichkeit beruhigen. Allerdings trat genau das Gegenteil ein. Justizministerin Simonetta Sommaruga zeigte sich „sprachlos“ angesichts der nun auf dem Tisch liegenden Fakten. Für Hans Hess, den Präsidenten des Maschinenbauverbandes, sind die 72 Millionen „sehr stoßend und ein Paradebeispiel von Abzockerei“. Sie zeigten, dass die Selbstregulierung der Wirtschaft leider nicht funktioniere. Das Geld gehöre den Aktionären, forderte am Wochenende Dominique Biedermann von der Anlegervereinigung Ethos. Die Stiftung wirbt ebenso wie die Aktionärsvereinigung Actares dafür, am kommenden Freitag dem gesamten Verwaltungsrat die Entlastung zu verweigern.

Am 3. März stimmen die Schweizer darüber hinaus über die sogenannte „Abzocker-Initiative“ ab, die ihren Antrieb nicht zuletzt aus den zweistelligen Millionengehältern erhält, die Vasella über die Jahre hinweg bezogen hat. In einer Umfrage für die „Sonntagszeitung“, die das Interview von Vasella zum Teil noch berücksichtigen konnte, sprachen sich am Wochenende 57 Prozent der Befragten für die Kampagne aus, nach der unter anderem „Abgangs- und andere Entschädigungen“ verboten werden sollen. Ob damit die geplante Zahlung an Vasella hätte verhindert werden können, ist unter Juristen allerdings umstritten. Die Wirtschaft unter der Führung ihres Dachverbandes „Economiesuisse“ setzt sich für einen milderen Gegenvorschlag ein. Indes äußerte dessen Direktor Pascal Gentinetta am Wochenende Verständnis für die „Empörungswelle“ nach dem Interview des Novartis-Präsidenten. Der Betrag sei jenseits des Vorstellbaren. „Economiesuisse“ gibt rund 81 Millionen Franken für die Kampagne aus. Der 59 Jahre alte Vasella hatte im Januar mit der Ankündigung seines Abgangs auch den Rücktritt aus der Verbandsführung bekanntgegeben.

Die Abstimmung im März geht auf eine Initiative des Kleinunternehmers Thomas Minder aus Neuhausen am Rheinfall zurück. Sie enthält keine Obergrenzen für Managergehälter und Boni, will aber die Aktionärsrechte stärken. Der Gegenvorschlag zielt in dieselbe Richtung, allerdings in abgeschwächter Form. So sollen Manager, die gegen die Bestimmungen des Vorschlags verstoßen, nicht mit Haftstrafen bedroht werden.

  Weitersagen Kommentieren (8) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
Mord an Banker Liechtenstein sucht „Robin Hood“

Ein ehemaliger Fondsmanager hat den Liechtensteiner Privatbankier Jürgen Frick erschossen - offensichtlich aus Rache. Jetzt fahndet die Polizei in mehreren Ländern fieberhaft nach ihm. Wer ist der Mann? Mehr

08.04.2014, 15:55 Uhr | Wirtschaft
Hinweise auf Reemtsma-Lösegeld Spur führt zu Frankfurter Hells Angels

Wurden Millionen aus dem verschwundenen Reemtsma-Lösegeld im Frankfurter Rotlichtmilieu gewaschen? Nach monatelangen Ermittlungen gab es Festnahmen und eine neue Spur. Mehr

13.04.2014, 17:15 Uhr | Gesellschaft
Koller in Zürich Flämische Maria zum Rekordpreis

2,37 Millionen Franken - so viel hat ein Käufer in Zürich für eine „Maria mit Kind“ von Jan Gossaert bezahlt. Das Werk war eines der letzten Gossaert-Bilder auf dem freien Markt. Mehr

06.04.2014, 11:42 Uhr | Feuilleton

17.02.2013, 13:41 Uhr

Weitersagen
 

Verbieten, verbieten, verbieten!

Von Patrick Bernau

Helmpflicht auf E-Bikes, Null Promille am Steuer, kein Fleisch auf dem Teller! Wer als Politiker bekannt werden will, muss neue Regeln erfinden oder neue Verbote fordern. Gut ist das nicht. Mehr 25 61


Die Börse
Name Kurs Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --