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500 Millionen Euro WAZ-Gruppe steht kurz vor Eigentümerwechsel

 ·  Der ewige Streit zwischen den Familien der Gründer soll aufhören. Die Erben des Funke-Stamms wollen die Brost-Familie auszahlen. Es fließen 500 Millionen Euro.

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Die Essener WAZ-Gruppe, eines der größten Medienunternehmen in Europa, steht kurz vor einem Eigentümerwechsel. Petra Grotkamp hat ihren Mitgesellschaftern von der Brost-Holding 500 Millionen Euro geboten; im Gegenzug sollen die Brost-Gesellschafter ihren Anteil von 50 Prozent auf sie übertragen. Nach Informationen der Frankfurter Allgemein Zeitung, die einen Bericht der Online-Ausgabe des „Manager Magazins“ bestätigen, soll das Geschäft schon in den nächsten vier bis acht Wochen über die Bühne gebracht werden. Die WAZ-Gruppe macht mit Zeitungen wie der „Westdeutschen Allgemeinen“, der „Neue Rhein/Neue Ruhr-Zeitung“ oder der „Westfälischen Rundschau“ und zahlreichen weiteren Titeln im In- und Ausland einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro im Jahr.

Der Essener Verlag gehört zu jeweils 50 Prozent den Nachfahren seiner Gründer. Auf der einen Seite sind dies die drei Enkel von Erich Brost. Auf der anderen Seite stehen die Töchter von Jakob Funke: Renate Schubries, Petra Grotkamp und die Erben ihrer im Sommer verstorbenen Schwester Gisela Holthoff. Petra Grotkamp ist bisher mit durchgerechnet 16,67 Prozent an dem Unternehmen beteiligt. Grotkamps Sohn aus erster Ehe, Nikolas Wilcke, ein Jurist in Essen, dürfte nach der Transaktion künftig die tragende Rolle im Gesellschafterkreis spielen. Die Entscheidung, ob es zu dem Geschäft kommt, liegt beim Anwalt Peter Heinemann, dem Sohn des früheren Bundespräsidenten, der Testamentsvollstrecker für die Brost-Enkel ist und das Angebot der Grotkamps derzeit prüft. Seine Zustimmung gilt aber als wahrscheinlich. Die Finanzierung des Geschäfts stellt Petra Grotkamp dem Vernehmen nach ebenfalls vor keinerlei Schwierigkeiten: 270 Millionen Euro werden in bar bezahlt.

Angeblich soll mit den Veränderungen im Gesellschafterkreis auch ein strategischer Wechsel des Verlags einhergehen und sich die Gruppe wieder stärker auf das Inlandsgeschäft konzentrieren. Zudem spielt das Unternehmen in den elektronischen Medien und auch bei den überregionalen Zeitungen bisher keine Rolle. Weil in der Vergangenheit alle Entscheidungen einstimmig zu treffen waren, haben sich die WAZ-Gesellschafter und -Geschäftsführer in den vergangenen Jahren immer wieder gegenseitig blockiert.

In der Geschäftsführung vertritt der frühere Kanzleramtsminister und SPD-Wahlkampfmanager Bodo Hombach die Brosts. Christian Nienhaus wiederum wurde von den Funkes beziehungsweise Grotkamps installiert. Kommt die nun vorgeschlagene Transaktion zustande, wird Hombach wohl gehen müssen. Er muss dabei das Feld aber in der Außenwirkungen nicht als Geschlagener verlassen, kann er doch immerhin auf den Kaufpreis verweisen, der unter Branchenkennern als hoch eingeschätzt wird.

Streitereien über die inhaltliche Entwicklung der Mediengruppe

In Bewegungen waren die Diskussionen gekommen, weil der Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner, ein Adoptivsohn der verstorbenen Gisela Holthoff, drei Geheimverträge mit Anneliese Brost geschlossen hatte: Um seinen Bruder Frank Holthoff auszuzahlen, hatte sich Holthoff-Pförtner 85 Millionen Euro bei ihr geliehen, im Gegenzug eine Kooperation zugesagt und eine Kaufoption über die Hälfte der Holthoff-Anteile eingeräumt. Das hat bei den Grotkamps den Entschluss reifen lassen, die drei am Verlagsgeschäft nicht interessierten Brost-Enkelkinder auszuzahlen.

In der Vergangenheit haben sich die Vertreter der beiden Gründerstämme gelegentlich auch wegen der Besetzung von Führungspositionen gestritten oder blockiert. Aber die Streitereien über die inhaltliche Entwicklung der Mediengruppe sind dem Vernehmen nach vor allem eine Spezialität der Funke-Erben. Denn Holthoff-Pförtner und Günther Grotkamp, der Mann von Petra Grotkamp, unterhalten eine Dauerfehde. Der vierundachtzigjährige Grotkamp, lange Personalchef der WAZ-Gruppe, hat mit dem Jakob-Funke-Adoptivsohn Erich Schumann in den achtziger und neunziger Jahre die Expansion der WAZ-Gruppe vorangetrieben. Bis zum Jahr 2000 war er Geschäftsführer der Mediengruppe.

Er berät seine Frau weiterhin in rechtlichen Fragen und bestreitet gerichtlich den Erbanspruch von Holthoff-Pförtner, weil der ein Adoptivsohn und kein Blutserbe sei. So ist nicht auszuschließen, dass die 33,3 Prozent, die die verstorbene Gisela Holthoff den beiden Söhnen vermacht hat, auch noch ganz an Frank Holthoff gehen werden. Wie immer dieser Erbstreit ausgehen wird, die Position von Holthoff-Pförtner, sei es als Gesellschafter oder Vertreter seines Bruders, wird nach dem Zukauf von 50 Prozent der Gruppe durch Petra Grotkamp nun marginalisiert. Auch das dürfte ein erwünschter Nebeneffekt der nun bekanntgewordenen Pläne sein.

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30.08.2011, 11:38 Uhr

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