Home
http://www.faz.net/-gqi-qxal
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

4,8 Milliarden Quartalsverlust Deutsche Bank schockt die Börse

14.01.2009 ·  Solch miserable Zahlen gab es in der Firmengeschichte seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Der Branchenprimus bezifferte den Verlust allein im letzten Quartal auf 4,8 Milliarden Euro. Bank-Chef Ackermann ist „sehr enttäuscht“. Die Anleger sind geschockt: Der Aktienkurs rauscht in den Keller.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die Deutsche Bank erwartet im vierten Quartal und für das Gesamtjahr 2008 einen Milliardenverlust. Im vierten Quartal liege das Ergebnis nach Steuern bei minus 4,8 Milliarden Euro, teilte die Bank am Mittwoch aufgrund von vorläufigen Zahlen mit. Für das Gesamtjahr geht die größte deutsche Bank von einem Verlust von etwa 3,9 Milliarden Euro aus. Im Vorjahr hatte die Bank noch einen Rekordgewinn von 6,5 Milliarden Euro erzielt. Nach Bekanntgabe der Meldung fiel der Kurs der Aktie deutlich um rund 7 Prozent. Als Grund führte die Bank in ihrer überraschenden Mitteilung „außerordentlich schwierige Marktbedingungen“ an, die den Eigenhandel mit Aktien und Kreditprodukten belastet hätten. Zudem habe sich der Abbau von Risikopositionen kurzfristig negativ niedergeschlagen.

Unterdessen ist der Verkauf der Postbank an die Deutsche Bank perfekt. Die Deutsche Post erhalte für den Verkauf von zunächst 22,9 Prozent ihrer Tochter Postbank rund acht Prozent der Deutschen Bank. Das teilten die beiden Konzerne in einer gemeinsamen Erklärung mit. Damit wird indirekt auch der Staat, dem zum Teil die Deutsche Post gehört, an der größten deutschen Bank beteiligt. Die Vereinbarung sieht vor, dass die Deutsche Bank weitere 27,4 Prozent der Postbank über eine Pflichtumtauschanleihe erhält. Für zusätzliche 12,1 Prozent bestehe weiterhin eine Kaufoption für die Deutsche Bank. Der Barwert der Transaktion entspreche 4,9 Milliarden Euro.

„Sehr enttäuschter“ Ackermann räumt Schwächen ein

Im September hatten sich die Deutsche Bank und Post auf den Verkauf der Postbank geeinigt. Geplant war zunächst ein Teileinstieg der größten deutschen Bank zu Beginn dieses Jahres: Die Deutsche Bank wollte im ersten Quartal 2009 zunächst 29,75 Prozent der Postbank für 57,25 Euro je Aktie übernehmen - insgesamt rund 2,8 Milliarden Euro. Zudem hatten die beiden Parteien mehrere Optionen für eine weitere Anteilsaufstockung der Deutschen Bank festgelegt.

Bank-Chef Josef Ackermann räumte angesichts der neuen Zahlen Schwächen seines Instituts in der aktuellen Finanzkrise ein. Über den Milliardenverlust im vierten Quartal sei die Deutsche Bank „sehr enttäuscht“, erklärte Ackermann einer Mitteilung des Dax-Konzerns zufolge. „Das extrem schwierige Marktumfeld hat einige Schwächen in der Bank aufgezeigt.“ Die Kapitalstärke ermögliche es der Bank aber, den „extrem schwierigen Marktbedingungen Stand zu halten und die notwendigen Schritte zum Risikoabbau zu ergreifen“.

Trotz neuer Belastungen keine Auswirkungen auf Kapitalstärke

Die Risikopositionen bei Krediten und Kreditzusagen für fremdfinanzierte Übernahmen seien von 11,9 Milliarden Euro zum Ende des dritten Quartals auf unter eine Milliarde Euro zum Jahresende reduziert worden. Darüber hinaus reduzierte die Bank laut Mitteilung im selben Zeitraum die Risikopositionen aus gewerblichen Immobilienkrediten von 8,4 Milliarden Euro auf unter drei Milliarden Euro.

Die Bank habe nur geringfügig die Möglichkeit genutzt, ihre eigenen Verbindlichkeiten zu Marktwerten zu bilanzieren. Nach eigenen Angaben wären im Gesamtjahr 2008 vor Steuern zusätzlich mehr als 5,5 Milliarden Euro Gewinn angefallen, wenn alle verbrieften Verbindlichkeiten in dieser Form bilanziert worden wären. Im dritten Quartal hatte die Bank sich auf der anderen Seite allerdings auch zusätzliche Belastungen erspart, indem sie bestimmte Wertpapiere, für die es wegen der Krise keinen Markt gibt, nicht zu aktuellen Marktpreisen bewertete. Zu dieser seit dem Herbst erlaubten neuen Bilanzierung äußerte sich das Institut jetzt nicht.

Trotz der neuen Belastungen erwartet die Bank keine nennenswerten Auswirkungen auf die Kapitalstärke, die sie weiter in Höhe der Zielgröße von zehn Prozent erwartet. Zudem rechnet sie mit einer Dividende für 2008 von 50 Cent pro Aktie. Am Nachmittag will die Bank zu Ihren Zahlen in einer Telefonkonferenz Stellung nehmen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 24 38

30.05.2012 14:53 Uhr
  Vortag
Dax 6.329,10 −1,06%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.378,72 −1,11%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2424 −0,51%
Rohöl Brent Crude 104,66 $ −2,05%
Gold 1.579,50 $ 0,00%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.