Home
http://www.faz.net/-gqi-77ehu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

3D-Drucker Der Star-Trek-Replikator wird Realität

3D-Drucker waren lange auf industrielle Anwendungen beschränkt. Jetzt erreichen sie den normalen Verbraucher. Das könnte Konsumgütermärkte umkrempeln, wirft aber auch heikle Fragen auf.

© Michael Hansmeyer Vergrößern 3D-Drucker fügen eine Schicht nach der anderen hinzu

Peter Weijmarshausen mochte es erst kaum glauben. Hatte Barack Obama in seiner Rede zur Lage der Nation wirklich gerade von 3D-Druck gesprochen? Der amerikanische Präsident nutzte kürzlich dieses öffentlichkeitswirksame jährliche Ritual, um Zukunftsinitiativen seiner Regierung anzupreisen, und dabei hob er ausgerechnet ein neues Forschungsinstitut für 3D-Druck hervor. Obama wählte große Worte und attestierte 3D-Druck „das Potential, die Art und Weise zu revolutionieren, wie wir fast alles herstellen“. Das war ganz nach dem Geschmack von Weijmarshausen, dessen New Yorker Unternehmen Shapeways zu den prominentesten Vertretern auf dem Gebiet gehört. Die Erwähnung in der Rede empfand er als Ritterschlag für seine aufstrebende Branche, die Shapeways-Mitarbeiter sandten sich hinterher Jubel-E-Mails zu. Der Präsident habe keineswegs zu dick aufgetragen, meint Weijmarshausen und wagt selbst eine kühne Prognose: „3D-Druck wird einen fundamentalen Einfluss auf die Gesellschaft haben - mehr noch als das Internet.“

Roland Lindner Folgen:        

3D-Druck macht eine Zukunftsvision zur Realität, wie sie Science-Fiction-Fans aus der Fernsehserie „Star Trek“ kennen. Dort gab es ein Wundergerät mit dem Namen „Replikator“, das dreidimensionale Objekte wie aus dem Nichts entstehen ließ: den von Captain Picard so geliebten Earl-Grey-Tee ebenso wie Ersatzteile für das Raumschiff „Enterprise“ oder Kleidung. 3D-Druck verfolgt ein ähnliches Prinzip wie das fiktive Vorbild: Angefangen in leerem Raum, stellen 3D-Drucker Objekte her, indem sie eine Schicht nach der anderen hinzufügen. Dabei bedienen sie sich einer mit Designsoftware erstellten digitalen Vorlage und verwenden Rohmaterial wie Plastik, Metall, Keramik und Glas.

Hilfe bei Entwicklung von Prototypen

Es ist ein additives Verfahren, im Gegensatz zu klassischen Methoden wie Schneiden, Bohren oder Schleifen, die Material entfernen. 3D-Druck ist keine neue Erfindung, sondern kommt seit vielen Jahren in Branchen wie dem Flugzeugbau und der Autoindustrie zum Einsatz, vor allem für die Entwicklung von Prototypen. Jetzt aber wird die Technik zunehmend auch für Endverbraucher verfügbar und stößt damit in eine ganz neue Liga vor. Zum einen gibt es immer mehr kleinere 3D-Drucker für den Hausgebrauch, zum anderen entstehen Auftragsfertiger wie Shapeways, die nach den Vorgaben von Verbrauchern Objekte auf professionellen Maschinen herstellen.

Eine heiß diskutierte Frage in der Branche ist, welcher Ansatz mehr Potential hat: Wird es in Zukunft in jedem Haushalt einen 3D-Drucker geben? Oder werden die meisten Menschen auf Dienstleister zurückgreifen? Anhänger beider Philosophien sind sich in einem einig: 3D-Drucker werden Konsumgütermärkte auf den Kopf stellen. Anstelle von in Massen produzierter Ware werden die Menschen immer mehr Dinge haben, die nach ihren Wünschen entstanden sind. Das könnte zu gigantischen Umwälzungen in den etablierten Lieferketten führen: Je näher am Verbraucher produziert wird, umso entbehrlicher könnten für westliche Industrieländer Hochburgen der Massenfertigung wie China werden. Im Einzelhandel könnten Geschäfte, die auf riesiger Fläche ein möglichst breites Sortiment anbieten, zum Auslaufmodell werden.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Smart Home Wo der Kühlschrank mit der Heizung spricht

Wenn das Haus zur intelligenten Maschine wird: Smart Home ist keine Science fiction mehr und hat alles unter Kontrolle - vor allem seine Bewohner. Mehr

30.08.2014, 13:08 Uhr | Feuilleton
Hondas neue Prototypen Ein Roboter will Butler werden

Asimo hat er noch einen weiten Weg vor sich. Dennoch hat der Roboter seit der ersten Konstruktion einiges dazugelernt. Honda zeigt nun neue Prototypen, darunter auch einen rollenden Hocker. Mehr

01.09.2014, 16:00 Uhr | Technik-Motor
IFA 2014 Die Trends der Funkausstellung

Was sind die Trends der IFA 2014? In diesem Jahr prägen im Wesentlichen das Internet, weiterentwickelte Display-Technologien und kleine tragbare Geräte das Bild. Mehr

31.08.2014, 11:19 Uhr | Technik-Motor
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.03.2013, 07:40 Uhr

Fast wie im Roman

Von Carsten Knop

Smartphones werden zur digitalen Wunderwaffe. Dass wir ihnen viele Daten anvertrauen, macht uns ein mulmiges Gefühl. Aber die Bequemlichkeit siegt. Mehr 2 8

Umfrage

Nerven Sie geschäftliche Mails im Feierabend?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Viel Geld für Werbung im Internet

Unternehmen investieren stark in Onlinewerbung – so auch Germanwings. Nur der Autobauer Volkswagen und die Auktionsplattform Ebay geben hierzulande mehr dafür aus. Mehr