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250 Jahre Faber-Castell Bleistiftkonzern in Feierlaune

Das fränkische Unternehmen Faber-Castell wird 250 Jahre alt. Das weltbekannte Traditionsunternehmen, Inbegriff des deutschen Mittelstands, feiert das Jubiläum. Doch Vertreter aus der Politik bleiben fern.

© Tobias Schmitt Vergrößern Unter Stiften: Unternehmer Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell

Der Rahmen kann festlicher und glamouröser nicht sein. Anton Wolfgang Graf von Faber- Castell lädt in sein Schloss ein. Ab Freitagnachmittag wird auf dem großzügigen Schlossgelände direkt neben den Fabrikhallen mitten im fränkischen Örtchen Stein bei Nürnberg gefeiert. Einst Wintersitz der Familie, beherbergt es heute Konferenzsäle und ein Museum. Nun kommen dort 5000 Gäste zusammen, nachdem vormittags schon in der Frankenhalle zu Nürnberg 1000 internationale Gäste in einem Festakt einen großen Anlass zelebriert haben.

Rüdiger Köhn Folgen:      

Seit einem Jahr laufen die Vorbereitungen für die Jubiläumsfeier zum 250. Geburtstag des traditionsreichen Blei- und Buntstiftunternehmens auf Hochtouren, das mit einem Bekanntheitsgrad von mehr als 90 Prozent überall auf der Welt präsent ist. Der Landesvater aber wird fehlen: Horst Seehofer hat sich aus terminlichen Gründen entschuldigen lassen; der Ministerpräsident des Freistaates Bayern, der omnipräsente CSU-Politiker, der selten eine Gelegenheit für öffentlichkeitswirksame Auftritte auslässt. Überhaupt wird bundes- und landespolitische Prominenz sich eher rar machen bei der Jubiläumsfeier, von einer Videobotschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel einmal abgesehen. Die Festrede in der Frankenhalle hält Bayerns Ministerpräsident a. D. Günther Beckstein; immerhin – ein Franke.

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Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell, Vorstandsvorsitzender der Faber-Castell AG und Chef des Stifte-Imperiums in achter Generation, ist dazu kein Kommentar zu entlocken. Das gebietet der gräfliche Anstand. Und es scheint auch Zeichen der Bescheidenheit zu sein. „Unser Unternehmen ist wie ein Eisberg“, beschreibt der Graf sein Machwerk. „Man sieht nur die Spitze dessen, was wir machen; vieles von uns ist unbekannt.“ Die Politikprominenz dreht dem Inbegriff des deutschen Mittelstandes den Rücken zu.

Faber-Castell feiert 250. Jubiläum mit 5.000 Gästen © obs/Faber-Castell Vergrößern Feiern rund um das Graf von Faber-Castell'sche Schloss das 250. Firmenjubiläum: Die Mitarbeiter von Faber-Castell am Stammsitz in Stein

Mit zwei Milliarden Blei- und Buntstiften achtmal um den Äquator

Dass die Faber-Castell’schen Stifte einmal ein Aushängeschild der deutschen Wirtschaft sein würden, daran hatte der Schreiner Kaspar Faber 1761 nicht gedacht, als er seine ersten in Stein gefertigten Bleistifte auf dem Nürnberger Markt verkauft hatte. Heute stellt das Familienunternehmen zwei Milliarden holzgefasste Blei- und Buntstifte her – im Jahr. Aneinandergereiht, könnten sie den Äquator achtmal umspannen. Mehr als eine halbe Milliarde Euro erreicht der Umsatz im Jubiläumsjahr; mit Produkten, die ein paar Cent oder in ihrer edelsten Version auch 2500 Euro kosten können. Neben exklusiven Schreibstiften, hochwertigen Federhaltern und Accessoires gibt es Kinderprodukte zum Spielen und Lernen, Markierer, Artikel für Künstler, Radiergummis und Kosmetikstifte.

Jeder hat schon einmal den legendären „Castell 9000“, den grünen Bleistift, in der Hand gehabt. Der ist Vergangenheit. Heute ist der Faber-Castell Grip das Massenprodukt und Erkennungsmerkmal, der mit seinen Noppen aus umweltfreundlichem Wasserlack recht griffig in der Hand liegt. Für den Firmenpatriarchen ist Faber-Castell eines der ältesten Industrieunternehmen der Welt, heute in 120 Ländern vertreten, mit 14 Produktionsstätten und 23 Vertriebsgesellschaften in Europa, Amerika und Asien. Gegen die weit gefächerte und übermächtige Konkurrenz von Mont Blanc über Pelikan bis hin zu Schwan und Staedtler muss er ankämpfen. Mit der Pflege der Exklusivität hat der Graf, der gerade 70 Jahre alt geworden ist, Erfolg. Er weiß aber auch, dass das „Messingschild“, wie er Markenstärke und Reputation umschreibt, ständig geputzt werden muss. Das sei in der Computer- und Internetgesellschaft die Herausforderung, in der sich Schreiben und Zeichnen in das elektronische Netz verlagere.

Am größten Standort Brasilien baut das Unternehmen sein Holz selbst an

Faber-Castell, den Titel wie „Bleistiftmacher“ oder gar „Bleistiftkönig“ anwidern, hat wie seine Vorgänger-Generationen das richtige Gespür gehabt. Sein Urururgroßvater hat früh mit der Internationalisierung begonnen und 1849 eine erste Niederlassung in New York eröffnet. Handelshäuser in London, Paris, Wien und St. Petersburg folgten. In den achtziger Jahren des zurückliegenden Jahrhunderts erkannte der Graf mit dem aufkommenden Umweltbewusstsein der Menschen die Renaissance des holzgefassten Blei- und Buntstiftes, der etwa in Schulen wie Kindergärten Faser- und Filzstifte ersetzte. Faber-Castell stellte das Unternehmen neu auf und erschloss die qualitätsbewusste, kaufkräftige Klientel mit hochpreisigen Produkten. Die Zeit der Rechenschieber, die einst aus dem Hause kamen, war endgültig vorüber. 1992 brachte er den ersten holzgefassten Stift mit umweltfreundlichen Wasserlacken auf den Markt.

Ökologie ist genauso Programm wie soziale Verantwortung. In Brasilien, mit 3000 der insgesamt 7000 Beschäftigten der größte Standort, baut das Unternehmen auf einer Waldfläche von 10.000 Hektar selbst den Rohstoff Holz an, und das in einem ökologisch geschlossenen Kreislauf. Eine im Jahr 2000 verfasste Sozialcharta verbietet Kinderarbeit, verpflichtet zu sicheren Arbeitsbedingungen sowie zur Chancengleichheit und Gleichbehandlung. Mit der Gesellschaftsform einer AG verfolgt er modernes Management, um sich nicht in den Strukturen eines verstaubten Familienbetriebs zu verfangen.

Unermüdlich arbeitet der Graf, der partout nicht ans Aufhören denken will. Immerhin hat er nun zu verstehen gegeben, dass sein Sohn Charles, der bei der Unternehmensberatung Roland Berger arbeitet und einen MBA-Abschluss an der Universität Columbia in Amerika gemacht hat, 2013 oder 2014 mit einer Aufgabe im Unternehmen betraut werden könnte. So konkret war er bislang nicht, auch wenn er ihn als „ernstzunehmenden Kandidaten“ für seine Nachfolge bezeichnet hatte. Doch das Thema verdrängt er gerne, besonders 2011. Die Jubiläumsfeiern sind mit diesem Wochenende nämlich nicht beendet. Zwanzig Länder will er bereisen, in Lateinamerika, in Europa und in Asien weiter mit Kunden feiern.

Quelle: F.A.Z.

 
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