28.09.2007 · Die chinesischen Pläne für eine milliardenschwere staatliche Investmentgesellschaft wurden schon länger angekündigt. Jetzt nimmt das Projekt konkrete Form an. Das sorgt in Deutschland für Unbehagen.
Von Christoph Hein und Benedikt FehrDie chinesischen Pläne für eine staatliche Investmentgesellschaft, die einen Teil der Devisenreserven weltweit anlegen soll, nehmen konkrete Formen an. Die voraussichtlich China Investment Corp. (CIC) genannte Institution soll an diesem Samstag gegründet und mittelfristig mit 200 Milliarden Dollar Kapital ausgestattet werden. China verfügte Ende Juli über einen Devisenschatz von knapp 1,4 Billionen Dollar. In der ersten Jahreshälfte sind die Devisenreserven bereits um gut 266 Milliarden Dollar angeschwollen - und damit um mehr als im Gesamtjahr 2006.
Mit der sich nun abzeichnenden offiziellen Gründung der CIC folgt China dem Vorbild zahlreicher anderer Länder, die schon länger einen Teil ihrer durch Exportüberschüsse erwirtschafteten Währungsreserven global in Aktien, Immobilien und andere Anlagen mit höheren Renditen anlegen - und nicht nur wie früher üblich in amerikanischen und europäischen Staatsanleihen. Das Gesamtvolumen dieser Fonds wird aktuell auf 2,3 Billionen Dollar geschätzt und könnte 2015 schon 12 Billionen Dollar betragen.
Debatte um Schutzzäune
Fachleute gehen davon aus, dass zudem staatliche Penionsfonds in nächster Zeit verstärkt international investieren werden. Sie haben derzeit bereits ein Gesamtvolumen von 4,4 Billionen Dollar. Die Investitionen der staatlichen Fonds gelten als ein Grund für die Hausse an den globalen Aktienmärkten und den Höhenflug des Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung hat am Freitag mit 1,42 Dollar ein Rekordhoch erreicht. Nach Einschätzung von Volkswirten dürfte die Euro-Aufwertung den Aufschwung der Wirtschaft im Euro-Raum dämpfen.
In Deutschland hat die bereits seit längerem angekündigte Gründung der CIC eine Debatte ausgelöst, ob Investments von staatlichen Fonds aus Ländern wie China und Russland in deutsche Unternehmen einer politischen Kontrolle unterworfen werden sollen. Es wird befürchtet, dass ausländische Regierungen darüber Einfluss auf Unternehmen gewinnen könnten, die - wie zum Beispiel Energieversorger - für die deutsche Wirtschaft von existentieller Bedeutung sind. Der Ausgang dieser Debatte ist derzeit offen.
Fonds soll die Rendite von Chinas Devisenschatz steigern
Mit der Gründung der CIC will die chinesische Regierung die Rendite von Chinas Devisenschatz spürbar steigern sowie industriepolitische Ziele wie den Zugriff auf ausländische Rohstoff und Energiequellen sichern. Zudem geht es auch darum, Liquidität aus der chinesischen Wirtschaft abzuziehen und dadurch den Preisauftrieb zu dämpfen. Die chinesische Zentralbank hat am Freitag ihre Vorhersage für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr von 10,8 auf 11,6 Prozent angehoben. Die Inflationsrate wird nach der neuen Prognose von 1,5 Prozent im vergangenen Jahr auf 4,6 Prozent anziehen. Chinas Handelsüberschuss dürfte in diesem Jahr auf den Rekordbetrag von 250 Milliarden Dollar steigen.
Bislang ist wenig über das geplante Handeln der CIC bekannt. Im Vorfeld aber hat es Auseinandersetzungen über ihre Investitionspolitik gegeben: Während eine Fraktion in der Regierung eher für eine Beteiligung an professionellen westlichen Anlagegesellschaften plädierte, trat eine andere für Direktinvestitionen in westliche Konzerne ein. Zu erwarten ist wohl auf jeden Fall ein deutlich stärkeres Engagement im Rohstoffgeschäft. Die Ziele der CIC sind jedenfalls hoch gesteckt: So hat die Singapurer staatliche Anlagegesellschaft GIC, an der sich die CIC orientiert, über ein Vierteljahrhundert lang eine Rendite von jährlich durchschnittlich 8,2 Prozent erwirtschaftet. Im Juni hatte die noch in Gründung befindliche CIC für knapp 3 Milliarden Dollar einen Anteil von fast 10 Prozent am amerikanischen Finanzinvestor Blackstone erworben. Bislang war diese erste Investition kein gutes Geschäft, da die Blackstone-Papiere seitdem rund ein Fünftel ihres Wertes verloren haben. Zeitungsberichte, die CIC werde sich nun an der Hongkonger Börse beteiligen, dementierte eine Sprecherin.
Fonds soll auch Industriepolitik betreiben
Offensichtlich aber ist es auch ein Ziel der CIC, Industriepolitik zu betreiben. Die Anlagegesellschaft soll die Globalisierung der chinesischen Staatskonzerne finanzieren. So erklärte Li Rongrong, der Vorsitzende der staatlichen Kommission für die Überwachung und Verwaltung von Staatsbesitz (SASAC) gerade, er werde für die CIC eine Liste mit förderungsfähigen Staatsunternehmen erstellen. Die SASAC kontrolliert 155 Staatskonzerne, die in den nächsten Jahren expandieren und an die Börse sollen.
Nach den Plänen werden die Devisenreserven nicht von der Zentralbank an die CIC übertragen, sondern die CIC wird die zu investierenden Dollar der Zentralbank abkaufen. Die dazu benötigten Mittel erhält die CIC vom Finanzministerium, wodurch die Regierung Eigentümer der CIC wird. Das Finanzministerium wiederum verkauft dazu eine Yuan-Spezialanleihe an chinesische Banken und Versicherer. Durch dieses Vorgehen wird der chinesischen Wirtschaft im Endeffekt Liquidität entzogen und damit die Aufblähung der chinesischen Geldmenge gedämpft. Für Freitag war die Emission einer Anleihe im Volumen von 700 Milliarden Yuan angekündigt, womit die CIC der Zentralbank dann knapp 100 Milliarden Dollar abkaufen könnte. Von diesem Betrag werden dann wohl 60 Milliarden Dollar abgezweigt, um den staatlichen Anteil an drei der Großbanken zu übernehmen. Sie stammen aus dem Portfolio von Central Huijin Investment Co Ltd., dem Investmentarm der Zentralbank, der auf CIC verschmolzen wird. Central Huijin plant, später weitere 70 Milliarden Dollar in die China Development Bank und die Agricultural Bank of China zu pumpen - auch dieser Betrag soll von der CIC zur Verfügung gestellt werden. Damit schmilzt der Betrag, der für Auslandsinvestitionen zur Verfügung steht, zunächst zusammen. Analysten erwarten, dass die CIC künftig monatlich rund 10 Milliarden Dollar von der Zentralbank kaufen und dies jeweils über neue Yuan-Anleihen finanzieren wird.
"Das sorgt in Deutschland für Unbehagen"
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
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Fionn Huber (fionn)
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Fionn Huber (fionn)
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Jürgen Lummerich (TeufelNett)
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Christoph Hein Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
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