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100 Jahre Deichmann : Vom Borbecker Markt bis zum Multichannel-Handel

Den Vergleich mit dem Discounter Aldi mag der Deichmann-Lenker überhaupt nicht: Familienspross Heinrich Deichmann führt seit 1999 die Geschäfte Bild: dpa

Das Familienunternehmen Deichmann feiert sein hundertjähriges Bestehen. In das heute stark wachsende Internetgeschäft stieg der Schuhhändler aus Essen vor zwölf Jahren ein und verdient heute Geld.

          Der Ort für die Jubiläumspressekonferenz von Deichmann ist mit Bedacht gewählt: das Red-Dot-Design-Museum auf Zeche Zollverein im Essener Norden. Die einst größte Kohlenzeche der Welt, heute ein gigantisches Denkmal der Industriekultur und Unesco-Welterbe, steht einerseits für die Herkunft und die Wurzeln. Längst Treffpunkt für Kunst, Design und kreative Szene steht sie anderseits zugleich für die Zukunft und die Perspektiven.

          Brigitte  Koch

          Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

          Als Heinrich Deichmann 1913 im Arbeiterbezirk Essen-Borbeck einen kleinen Schuhmacherladen eröffnete, hatte er vornehmlich die wenig betuchten Bergarbeiterfamilien als Zielgruppe im Blick. Ihnen lieferte er unter anderem robuste Schuhe mit Stahlkappen für die Arbeit untertage. Zwei Generationen später positioniert sich Europas größter Schuhhändler als internationales Modeunternehmen, das jährlich rund 165 Millionen Paar Schuhe in fast zwei Dutzend Ländern dieser Welt verkauft und sich auch für die nächsten Jahre einen klaren Expansionskurs vorgenommen hat, und zwar auf allen Absatzkanälen, stationär, online und mobil.

          Die zweite Generation legte die Basis für das Schuhimperium

          Der Anspruch, den Leuten qualitativ ordentliches und preiswertes Schuhwerk anzubieten, galt für den Großvater schon vor hundert Jahren. Und er ist für den Enkel und heutigen Unternehmenschef Heinrich Deichmann noch immer aktuell. Wird er heute gefragt, was die Erfolgsgeschichte von Deichmann ausmacht, so nennt er zwei wesentliche Elemente. Zum einen ist es die menschenorientierte Unternehmensphilosophie. „Das Unternehmen muss den Menschen dienen“, lautet seit jeher die tiefe Überzeugung der im christlichen Glauben verwurzelten Familie: den Kunden, den Mitarbeitern und den Lieferanten. Geldverdienen und Wachstum sind für die Deichmanns nach eigenem Bekunden kein Selbstzweck. Aber wirtschaftlicher Erfolg verschafft die Freiheit, diese Werte leben zu können, wird argumentiert. Das Mitte der siebziger Jahre von der Familie gegründete christliche Hilfswerk „Wort und Tat“ unterstützt beispielsweise diverse Hilfsprojekte für notleidende Menschen auf drei Kontinenten und wird jährlich mit rund 12 Millionen Euro dotiert.

          Zweites Element, das sich durch die gesamte Unternehmensgeschichte zieht, ist nach der Beschreibung des Gründerenkels das ständige Bemühen um Innovation. „Wir haben uns nie mit dem Erreichten zufriedengegeben, sondern uns immer die Frage gestellt, was wir besser machen können“, blickt er zurück. Und diese spezifische DNA mache ihn trotz der sich mit hohem Tempo wandelnden Märkte auch für die Zukunft optimistisch.

          In diesem Jahr feiert die als Europäische Aktiengesellschaft firmierende Handelsgruppe mit vielen Aktionen ihr großes Jubiläum. War der heutige Branchenprimus in den ersten Jahrzehnten kaum mehr als ein einfaches Schuhgeschäft am Borbecker Markt, so hat die zweite Generation die eigentliche Basis für das heutige internationale Schuhimperium gelegt, nämlich der Unternehmer, promovierte Arzt und studierte Theologe Heinz-Horst Deichmann.

          Der Internetshop als starkes unverzichtbares Serviceangebot

          Nach dem frühen Tod des Vaters muss dieser schon im jungen Alter neben Schule und Studium der Mutter im elterlichen Geschäft helfen. Nach dem Krieg wird zunächst mit Ideenreichtum und ersten Angestellten improvisiert: Es gibt Sandalen, gefertigt aus Pappelholz und Falschschirmgurten und eine Tauschbörse für gebrauchte Schuhe. Die ersten Filialen außerhalb Essens eröffnen Anfang der 1950er Jahre in Düsseldorf und in Oberhausen. Mit den florierenden Geschäften in beginnenden Wirtschaftswunderzeiten hängt Deichmann schließlich den Orthopädenberuf an den Nagel und konzentriert sich endgültig auf das Schuhmetier. Zum 50-jährigen Firmenjubiläum im Jahr 1963 gibt es 16 Filialen, rund zehn Jahre später sind es schon 100, 1980 bereits 200 und 1985 rund 400. Erste Übernahmen, unter anderem der Schuhkette Lerner Shoes in den Vereinigten Staaten beschleunigen das Wachstum.

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