Der Finanzinvestor Warren Buffett sorgt auf dem Markt für Geschäftsreiseflugzeuge für die größte Bestellung aller Zeiten. Gerade hat der 81 Jahre alte Investor eine Verabredung für ein Dinner mit ihm für 3,5 Millionen Dollar versteigert, die er der kalifornischen Obdachlosenhilfe Glide spenden will, da macht die Finanzlegende mit einer viel größeren Summe auf sich aufmerksam. Für einen Listenpreis von fast 10 Milliarden Dollar bestellt die Gesellschaft Netjets, die zu Buffetts Beteiligungsimperium Berkshire Hathaway gehört, bis zu 425 Flugzeuge von Bombardier und dem Cessna-Hersteller Textron. Den Angaben zufolge soll Bombardier ab 2014 bis zu 275 Flugzeuge vom Typ Challenger liefern, 100 davon sind fest bestellt. Von Cessna sollen bis zu 150 Exemplare des Modells Citation Latitude kommen, der Auftrag über 25 Flugzeuge ist fest. Außerdem ist in dem Auftragsvolumen auch ein Dienstleistungsvertrag mit Bombardier enthalten, dessen Wert der kanadische Konzern auf mehr als 2,3 Milliarden Dollar taxiert, sollten sämtliche Flugzeuge ausgeliefert werden.
Schon vor einem Jahr orderte Buffett 120 Bombardier-Flugzeuge - Listenpreis mehr als 6 Milliarden Dollar. Die damalige Bestellung mutet nun geradezu bescheiden an. Man erwarte, dass die Volkswirtschaften der Vereinigten Staaten und Europas „letztlich in viel stärkerer Verfassung wiederkehren“, begründete Netjets-Chef Jordan Hansell das Expansionsprogramm. „Es ist klug, jetzt eine Position einzugehen und nun eine Entscheidung zu treffen, damit wir gut aufgestellt sind für den längerfristigen Wettbewerb“, sagte er.
Buffett gehört vieles - bislang jedoch noch kein Flugzeug
Netjets - mit rund 800 Jets nach eigenen Angaben führender Geschäftsfluganbieter der Welt - ist eine der Lieblingsbeteiligungen Buffetts. Zumindest hat er mehrfach diesen Eindruck erweckt. Er war zunächst mehrere Jahre Kunde des 1986 gegründeten Unternehmens, bevor er es 1998 kaufte. Im Gegenzug veräußerte er das seiner Gesellschaft Berkshire gehörende Flugzeug. Stolz betont Netjets daher, dass Buffett - immerhin der drittreichste Mann der Welt - vieles gehört, aber kein Flugzeug. Er nutze stets die Netjets-Flotte. „Ich bin mit meiner Familie mehr als 5000 Stunden mit Netjets geflogen (das bedeutet über sieben Monate hinweg täglich 24 Stunden in der Luft zu sein) und werde in Zukunft noch viele tausend Stunden mehr fliegen“, schrieb der Investor 2011.
Bescheidenheit dürfte nicht der Grund für seinen Verzicht auf einen Jet sein, vielmehr steckt dahinter Kalkül. Buffett scheut die Ausgaben für einen Privatflieger, der auch Geld kostet, wenn er am Boden steht. Das Netjets-Konzept besteht indes darin, dass Konzerne und vermögende Kunden Anteile an der Unternehmensflotte erwerben und dafür freie Flugkontingente bekommen. In Europa ist Netjets seit 1996 aktiv und sorgte in Deutschland als Betreiber des Flugplatzes Egelsbach für Schlagzeilen. Gegen den Widerstand der Anwohner wurde der beschauliche Provinz-Flughafen nahe Frankfurt in eine Basis für Geschäftsreisende verwandelt.
Langfristig gute Wachstumschancen
Die 167 in Europa eingesetzten Firmenjets, mit denen Netjets mehr als 900 Flughäfen ansteuert, befinden sich in der Hand von rund 1650 Teileigentümern. Die Liste der 100 wichtigsten Stammkunden liest sich wie ein „Who is Who“ der Wirtschaft: Topmanager von einem halben Dutzend Dax-Konzernen, Chefs mittelständischer Unternehmen oder namhafte Millionäre. „70 Prozent der Privatflüge entfallen auf Menschen, die sich den Luxus privat leisten können, nur 30 Prozent auf reine Geschäftsflüge von Unternehmen“, glaubt Gerald Wissel, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Airborne Consulting.
Im Vergleich zu den Preisen für ein Ticket in der Business- oder First-Class fallen die durchschnittlichen Kosten für eine Flugstunde in einem Firmenjet mit rund 3000 Euro auf Kurzstrecken und etwa 12.000 Euro auf Langstrecken relativ hoch aus. Die Jet-Betreiber heben daher die Zeitersparnis oder den Komfort an Bord als Vorteile heraus, um anspruchsvolle Kunden zu locken. Im Zuge der Finanzkrise brach die Nachfrage nach Privatflügen jedoch ein. Netjets musste seine Flotte verkleinern, um wieder profitabel zu werden. Langfristig werden der Branche aber gute Wachstumschancen bescheinigt - vor allem in den aufstrebenden Schwellenländern: „Wir betrachten Brasilien, Russland, Indien und China als unsere wichtigsten Zielmärkte“, sagt denn auch Mark Briffa, Vorstandschef der börsennotierten Gesellschaft Air Partner in London, die Europas größter Vermittler von Firmenjets ist.
Die Zuversicht des Briten teilen auch die Berater von Roland Berger. Sie rechnen damit, dass sich der globale Umsatz mit Firmenjets bis 2020 auf rund 30 Milliarden Dollar verdoppeln wird. Während die jährlichen Zuwachsraten in dieser Zeitspanne sowohl in Nordamerika (plus 4,8 Prozent) wie auch in Europa (plus 7,7 Prozent) relativ moderat ausfallen, dürfte dieser Wert in China auch in absehbarer Zeit hohe zweistellige Zuwachsraten erreichen.
