12.12.2003 · Gerade als Präsident Bush darauf beharrt, amerikanische Unternehmen beim Aufbau des Irak zu bevorzugen, gerät der Ölkonzern Halliburton, früher von Vize-Präsident Cheney geführt, wegen Preistreiberei unter Druck.
Rechnungsprüfer des Pentagon haben der ehemaligen Firma von Vizepräsident Dick Cheney vorgeworfen, von den Streitkräften im Irak überteuerte Preise für Lieferungen verlangt zu haben. Unklar war aber nach Angaben aus Pentagon-Kreisen, ob es sich um Vorsatz gehandelt habe. So könnte Halliburton für eine Benzinlieferung an das Heer seinem Subunternehmer - Tochterfirma Kellogg, Brown & Root (KBR) - zu viel bezahlt haben.
Aus dem Pentagon verlautete, es gebe keinen Grund zu der Annahme, daß etwas anderes als „dumme Fehler“ Halliburtons zu dem überteuerten Benzinpreis von 61 Millionen Dollar geführt hätten. Halliburton-Sprecherin Wendy Hall dementierte, daß ihre Firma zu hohe Preise verlangt habe.
Fast doppelt so teuer wie andere
Bei der Benzinrechnung war den Rechnungsprüfern den Pentagon-Kreisen zufolge aufgefallen, daß KBR 56,6 Millionen Gallonen Benzin zu 2,27 Dollar die Gallone in Rechnung gestellt habe. In einem anderen Kontrakt seien aber nur 1,18 Dollar pro Gallone verlangt worden. Halliburton begründete den hohen Preis damit, daß der Treibstoff in eine Kampfzone ausgeliefert werden mußte.
Der demokratische Senator Frank Lautenberg forderte eine Senatsuntersuchung zum Rechnungsprüfungsbericht des Pentagons. Darin hieß es weiter das KBR, das neben Treibstoff auch warmes Essen für amerikanische Soldaten liefert, für einen Cafeteria-Service ein Angebot unterbreitet habe, daß um 67 Millionen Dollar überhöht gewesen sei. Das Pentagon habe abgelehnt.
Ohne Wettbewerb
Man sei besorgt wegen der Kontrakte, die ohne Wettbewerb für bis zu 15,6 Milliarden Dollar an KBR gingen, hieß es weiter. Haushaltschef Dov Zakheim sagte, man werde keine Unangebrachtheiten und falschen Rechnungsstellen mehr dulden.
Cheney leitete Halliburton zwischen 1995 und 2000. Er hatte wiederholt betont, er habe mit der Vergabe von Aufträgen an das Unternehmen im Irak nichts zu tun. Der 1919 gegründete Konzern ist eines der weltgrößten Unternehmen für Produkte und Dienstleistungen in der Erdölbranche. Die KBR wurde vom Pentagon unter anderem mit dem Löschen brennender Ölquellen, der Ölförderung und dem Vertrieb von Ölprodukten im Irak beauftragt.
Nicht die ersten Vorwürfe
Es sind nicht die ersten Vorwürfe der Preistreiberei gegen KBR. Im vergangenen Jahr zahlte die Firma zwei Millionen Dollar Strafe wegen überhöhter Preise für Wartung und Reparaturen im kalifornischen Fort Ord. Das Rechnungsprüfungsamt des Kongresses hatte ermittelt, daß KBR von 1997 bis 2000 dem Heer fragwürdige Rechnungen für Lieferungen auf dem Balkan schickte. So sei für eine Sperrholzplatte 85,98 Dollar verlangt worden, die 14,06 Dollar gekostet habe. Einige Militärbüros seien laut Rechnung bis zu vier Mal am Tag geputzt worden.
Amerikanische Regierungsaufträge im Irak haben die Geschäftsbilanz des Ölkonzerns deutlich aufgebessert. 34 Millionen Dollar verdiente KBR zwischen Juli und September nach Konzernangaben vom Oktober mit Aufträgen im Irak - mehr als ein Drittel des operativen Konzerngewinns in Höhe von 92 Millionen Dollar. Die Regierungsaufträge im Irak erhöhten den Umsatz der Ingenieur- und Bausparte demnach um 80 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar.
| Name | Kurs | Prozent |
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