06.03.2005 · Der Sanitärarmaturenhersteller Grohe Water Technology, der 5800 Beschäftigte in Deutschland hat, steht vor tiefgreifenden Restrukturierungen. Es wird zu einem Arbeitsplatzabbau kommen.
Der Sanitärarmaturenhersteller Grohe Water Technology steht vor einem tiefgreifenden Restrukturierungsprogramm. „Wir müssen jetzt handeln, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern“, kündigt David Haines, seit September vergangenen Jahres Vorstandsvorsitzender des mit einem Weltmarktanteil von 10 Prozent größten Exporteurs von Badarmaturen, gegenüber dieser Zeitung an. „Noch handeln wir aus einer Position der Stärke.“
Konkrete Auswirkungen auf die Zahl der insgesamt 5800 Arbeitsplätze und die Zukunft der noch fünf deutschen Werke will er noch nicht benennen. Noch würden verschiedene Szenarien geprüft. Er läßt allerdings keinen Zweifel daran, daß es zu einem nennenswerten Arbeitsplatzabbau kommen wird. Derzeit wird gemeinsam mit der Unternehmensberatung McKinsey ein Konzept mit dem Titel „Fit for the future“ erarbeitet, dessen Ergebnisse Anfang April vorliegen sollen.
Sparziel 150 Millionen
Ziel ist, in den nächsten fünf Jahren zu Kosteneinsparungen von rund 150 Millionen Euro zu kommen, und zwar entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Neben der Senkung der zu hohen inländischen Produktionskosten wird es dabei auch um eine signifikante Straffung beim rund 6000 Adressen umfassenden Lieferantenkreis und bei der mit rund 18000 Einheiten viel zu breiten Palette an Produktteilen und -varianten gehen. Nur noch 1000 bis 1500 Lieferanten und zwei Drittel weniger Produktvarianten lautet grob das Ziel.
Mit Hochdruck wird zudem an der weiteren Verbesserung der von Haines als höchst unbefriedigend bezeichneten früheren Lieferfähigkeit gearbeitet. Das im Sommer 2004 von BC-Partners an die Finanzinvestoren Texas Pacific Group und Credit Suisse First Boston Private Equity verkaufte Unternehmen erzielt nach Haines' Angaben mittlerweile 80 Prozent des Umsatzes im Ausland. Zu den besonders starken Wachstumsmärkten mit zweistelligen Zuwachsraten zählen die Vereinigten Staaten sowie Asien und der Mittlere Osten. Produziert wird im Ausland aber erst zu rund 20 Prozent, und zwar in Portugal, Thailand, Kanada und China.
Beträchtlich belastetes Ergebnis
„Das strategische Ungleichgewicht zwischen Produktion und Absatz, die Wechselkursnachteile aus dem schwachen Dollarkurs und die Rohstoffverteuerungen in Millionenhöhe belasten unser Ergebnis mittlerweile beträchtlich“, erläutert Haines. „Zudem müssen wir verstärkt dorthin gehen, wo unsere Kunden sind.“ Er läßt deshalb keinen Zweifel daran, daß sich der Anteil der Auslandsfertigung in Zukunft signifikant nach oben verschieben wird, und zwar mindestens in Richtung 50 Prozent.
Neben dem Ausbau der Werke in Portugal und Thailand denkt Grohe über eine neue Produktionsstätte im Nafta-Raum nach, um eine größere Unabhängigkeit von Wechselkursschwankungen zu erreichen. „Wir bekennen uns aber ausdrücklich zum Standort Deutschland. Wir sind ein internationales Unternehmen mit deutschen Wurzeln“, so stellt er klar. Auch soll künftig immer noch mehr in Deutschland produziert werden, als hierzulande verkauft wird.
Schwache Baukonjunktur
Das Unternehmen leidet wie die gesamte Armaturenbranche seit Jahren unter der schwachen Baukonjunktur und der Konsumschwäche in Deutschland. „Seit fünf Jahren kämpfen wir auf dem deutschen Markt mit sinkenden Umsätzen“, so Haines. An der Oberfläche sehe der Sanitärmarkt noch vergleichsweise ruhig aus. Doch nehmen nach seinen Worten Konzentration und Wettbewerbsdruck sowohl auf der Herstellerseite als auch auf der Großhandelsseite beträchtlich zu.
Neben Grohe bestimmen vor allem große amerikanische Wettbewerber wie Masco Inc., Kohler oder American Standard sowie die japanische Toto-Gruppe den Markt. Die Handelsseite wird von starken Gruppen wie beispielsweise Wolseley oder Saint-Gobain geprägt. „Der Markt befindet sich im Umbruch, die Globalisierung gewinnt an Dynamik.“ Die Grohe-Gruppe hat im vergangenen Jahr nur dank des starken Auslandsgeschäftes den Vorjahresumsatz von 885 Millionen Euro weiter steigern können.
Zweistelliges Minus
Genaue Zahlen nennt der Grohe-Chef zwar noch nicht. Doch haben der gestiegene Kostendruck und die Dollarschwäche beim operativen Ergebnis (Ebitda) ein prozentual zweistelliges Minus beschert. Nach Steuern und vor Akquisitionskosten ist Grohe sogar in die Verlustzone abgeglitten. Für 2003 hatte das Unternehmen mit einem Ebitda von rund 185 Millionen Euro noch ein Rekordergebnis gezeigt. Damals hatte sich die Braut nach Aussage von Haines allerdings auch etwas für den anstehenden Eigentümerwechsel mit der Alternative Börsengang oder Verkauf geschmückt.
Das Grohe-Management strebt in den nächsten Jahren ein durchschnittliches Umsatzplus von mindestens 5 Prozent an. „Die Marke Grohe ist ein Juwel“, meint der britische Markenfachmann, der zuvor leitende Positionen bei Vodafone und Coca-Cola Deutschland innehatte. Sein Ziel ist daher, die Position als bekannteste Sanitärmarke der Welt weiter auszubauen und neue Märkte zu gewinnen. Dazu sollen eine noch intensivere Zusammenarbeit mit dem Fachhandel, ein verbesserter Service und ein höheres Innovationstempo beitragen. „Wir werden erheblich in das Wachstum investieren und das Marketing verstärken.“
Wie er im Vorfeld der am 15. März in Frankfurt beginnenden Branchenfachmesse ISH weiter ankündigt, ist der Bau eines neuen Innovations- und Design-Zentrums in Deutschland geplant. Alle anstehenden Restrukturierungs- und Ertüchtigungsprogramme dienen seinen Worten zufolge einer wesentlichen Vorgabe: Beim Ausstieg der Investoren in vier bis sechs Jahren muß das Unternehmen in allen Bereichen einer kritischen Durchleuchtung standhalten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.378,31 | −1,14% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2435 | −0,43% |
| Rohöl Brent Crude | 104,78 $ | −1,94% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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