23.04.2003 · EMI Music geht auf die Bedürfnisse der europäischen Internet-Generation ein. Mehr als 140.000 Songs gibt es künftig im Internet zu kaufen. Ziel ist, die Raubkopie zu bekämpfen.
Im Kampf gegen Musik-Piraterie hat sich der britische Musikkonzern EMI Group am Mittwoch dem digitalen Musikverkauf weit geöffnet: Eine Vereinbarung mit 20 europäischen Internet-Anbietern sieht einen umfassenden Online-Musikvertrieb vor.
Es werde eine neue Technologie genutzt, um viel mehr Musik als bisher zum Herunterladen im Netz bereitzustellen, teilte Emmanuel de Buretel, Chef von EMI Recorded Music Continental Europe, am Mittwoch mit. Von dem kostenpflichtigen Angebot sollen Künstler und Konsumenten gleichermaßen profitieren. EMI hatte schon im November 2002 amerikanischen Musikliebhabern einen Download-Service angeboten.
Lieder von Norah Jones, Pink Floyd und David Bowie sind unter den 140.000 Songs, die künftig digital verfügbar sein sollen. 20 europäische Websites wie Wanadoo, die von Microsoft betriebene Site MSN, die des Musiksenders MTV oder des Händlers HMV sind an der Vereinbarung beteiligt. Die EMI-Aktie reagierte auf die Nachricht mit Kursgewinnen.
Im Internet schon kaufen, wo Plattenläden noch warten
Europäische Nutzer können die Lieder herunterladen und beliebig verwenden - auf CDs brennen, auf Abspielgeräten wie tragbaren CD-Spielern oder auf der Festplatte ihres Computers nutzen. Darüber hinaus werden im Internet auch Singles sofort digital verfügbar sein, sobald sie das erste Mal im Radio gespielt worden sind und damit zum Teil noch vor der Veröffentlichung im Plattenladen.
Auch andere Musikverlage haben die Möglichkeit des Internet für den Vertrieb schon für sich entdeckt. Auch die Spekulationen über einen Kauf der Universal Music Group von Vivendi Universal durch Microsoft oder Apple werden durch die Vision am Leben gehalten, dass der Musikvertrieb über das Internet die Computer- und Unterhaltungsindustrie zusammenwachsen lässt. So will Apple einen Online-Musikvertrieb anbieten, der auf seinen MP3-Spieler „Ipod“ zugeschnitten ist.
Kampf gegen CD-Kopien
Die Musikindustrie hatte in vergangener Zeit das Herunterladen von Musik über Internet-Tauschbörsen und den Tausch von Musik-Dateien von Internet-Nutzern untereinander („peer-to-peer") als auch das Kopieren von CDs für den Einbruch ihrer Verkaufszahlen verantwortlich gemacht. Im Kampf gegen die Online-Piraterie hatte sie mit Kampagnen verstärkt auf die Nutzung legaler und kostenpflichtiger Websites zum Herunterladen von Musik aufmerksam gemacht.
„Wir müssen alle legalen Mittel ausschöpfen, um die Piraterie zu erschweren und müssen so viel Musik wie möglich online verfügbar machen", sagte Tony Waidsworth, Chef der EMI Recorded Music in Großbritannien und Irland. Nach Schätzungen der Musikindustrie kostet die illegale Vervielfältigung von Musik auf selbstgebrannten CD die Musiklabels weltweit jährlich 4 Milliarden Dollar.
Weltweit sind die Musikverkäufe im vergangenen Jahr um neun Prozent gefallen; für dieses Jahr wird ein Minus von sechs Prozent und für 2004 von 2,1 Porzent auf dann 28,1 Millairden Dollar prognostiziert. Nach dieser Schätzung des Music Week World Report 2003 läge der Umsatz dann so niedrig wie zuletzt 1992.
Einige bekannte Musikgruppen, die bei EMI unter Vertrag sind, haben bislang noch nicht zugestimmt, ihre Musik digital über das Netz vertreiben zu lassen. „Manche Künstler wollen warten und sehen, wie sich der Markt entwickelt", sagte Waidsworth. Nach EMI-Angaben haben aber schon mehr als 90 Prozent der bei ihnen unter Vertrag stehenden Künstler, darunter Lenny Kravitz und Janet Jackson, die europäischen Vereinbarungen unterzeichnet.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.378,31 | −1,14% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2435 | −0,43% |
| Rohöl Brent Crude | 104,78 $ | −1,94% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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